Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 27.03.2009 ---

UN-Weltwasserbericht warnt vor Folgen des Klimawandels

Der folgende Beitrag von mir wurde auf der Website www.klimawandel-bekaempfen.de der „Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen“ veröffentlicht:

Der dritte UN-Weltwasserbericht hat den Titel „Wasser in einer sich verändernden Welt“ und macht den engen Zusammenhang von global wachsenden Wasserproblemen und Klimawandel sichtbar. Diesem Thema ist in dem unter Federführung der UNESCO entstandenen Bericht ein eigenes Kapitel („Climate change and possible futures“) gewidmet. Darin wird betont, dass die Menschheit beim Umgang mit Wasser immer vor der Aufgabe stand, mit natürlich auftretenden Klimavariablen umzugehen. Durch den Klimawandel nehmen aber extreme Situationen zu, zum Beispiel lang anhaltende Dürren oder andererseits Flutkatastrophen. Auch beeinflusse der Klimawandel langfristig die Quantität und Qualität des verfügbaren Wassers. Dafür ist ganz wesentlich die Beschleunigung von Wasserkreisläufen verantwortlich, die vielerorts zu beobachten ist. Die Auswirkungen lassen sich noch nicht exakt vorhersagen, aber es ist zu befürchten, dass die ohnehin bestehende Tendenz zu extremen Wetterereignissen weiter zunehmen wird. Der Klimawandel, so heißt es im Bericht, „droht größere Unsicherheiten auszulösen bei der Quantität und Qualität der langfristigen Wasserversorgung“.

Die Ausbreitung von Krankheiten befürchtet

Als Besorgnis erregend werden in dem UN-Bericht auch die Auswirkungen des Anstiegs der Meeresspiegel sowie eine stärkere Ausbreitung von wasserbedingten Krankheiten wie Malaria angesehen. Höhere Durchschnittstemperaturen ermöglichen es den Malaria übertragenden Fliegen, neue Lebensräume zu erobern und dort das Erkrankungsrisiko drastisch zu erhöhen. Sehr erschreckend ist eine andere Zahl im Weltwasserbericht: Gegenwärtig sterben jeden Tag 5.000 Kinder auf der Welt an Durchfallerkrankungen, einer Krankheit, die vor allem durch eine schlechte Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung ausgelöst wird. Vor allem Flutkatastrophen oder die Notwendigkeit, in Dürrezeiten verseuchtes Wasser zu trinken, erhöhen die Zahl der an Durchfallerkrankungen sterbenden Kinder stark.

An den Beispielen Äthiopien und Tansania wird in dem Bericht gezeigt, wie eng die Korrelation zwischen wechselnden Niederschlagsmengen und der Entwicklung des Bruttosozialprodukts ist. Als Äthiopien 1988 eine Niederschlagsmenge aufwies, die um fast 60% über dem Durchschnitt lag, wuchs auch das Sozialprodukt deutlich, um mehr als 5%. Drei Jahre vorher hatten die Niederschläge um etwa 20% unter dem Durchschnitt gelegen, und das Sozialprodukt war daraufhin nur um magere 2% gewachsen. Dies lässt befürchten, dass eine wachsende Zahl von Wetterextremen neben allen anderen Auswirkungen auch die wirtschaftliche Entwicklung vieler Länder destabilisieren werden.

Der Klimawandel macht die Armen noch ärmer

Der Weltwasserbericht betont, dass größere Abweichungen von den bisher üblichen Jahreszeiten von Regen und Trockenheit besonders stark ohnehin arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen trifft. Dies beeinträchtigt jegliche Entwicklungserfolge und macht die benachteiligten Gruppen noch anfälliger für die Folgen des Klimawandels. Sie müssen, so der Bericht, zunächst einmal vordringlich vor den Folgen extremer Fluten, Stürme und Dürrekatastrophen geschützt werden. Gleichzeitig gelte es, im Interesse dieser Bevölkerungsgruppen, Anpassung an den Klimawandel und Initiativen für die ökonomische Entwicklung aufs Engste miteinander zu verbinden, was bisher zu wenig geschieht.

Unter Berufung auf UNFCCC (United Nations Convention on Climate Change) wird im Weltwasserbericht darauf verwiesen, dass die meisten Technologien, die zur Anpassung der Entwicklungsländer an den Klimawandel benötigt werden, bereits verfügbar sind. Sie werden auch bereits in verschiedenen Ländern genutzt. Aber dies muss auf sehr viel breiterer Basis geschehen.

Wachsende Probleme und schwache Regierungsstrukturen

Als gravierendes Problem wird in dem Bericht die Schwäche des Regierungsapparates vieler Länder diagnostiziert, mit den gegenwärtigen Wasserproblemen umzugehen, und „sie sind noch viel weniger darauf vorbereitet, mit den auf sie zukommenden Problemen wie dem Klimawandel fertig zu werden“. Bei den Wasserreformen in vielen Ländern seien die Auswirkungen des Klimawandels nicht im Blick, ebenso wenig gravierende Veränderungen der Wassernutzung. Die Notwendigkeit langfristiger Planung würde nicht bedacht. In Afrika müsste man sich auf eine zunehmende Energieknappheit einstellen, ebenso auf einen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, was zu einer Verminderung der Ernährungssicherheit und eine Zunahme der Unterernährung führen kann.

Auch ist angesichts des Klimawandels mit einer Ausbreitung von Krankheiten und zunehmenden Konflikten um das immer knapper werdende nutzbare Land und das Wasser zu rechnen. Afrika sei am wenigsten in der Lage, die Kosten von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel selbst zu tragen. Hinzu kommt, dass die Regierungsstrukturen schwach sind und ein sektorübergreifendes Handeln erschweren. Dass gegenwärtig 340 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und einer halben Milliarde Menschen eine gesundheitlich unbedenkliche sanitäre Entsorgung fehlt, macht die Dringlichkeit raschen und planvollen Handelns deutlich, zumal infolge des Klimawandels die Wasser- und Sanitärsituation in den nächsten Jahrzehnten noch kritischer werden wird.

Bemerkenswert ist, dass im Bericht betont wird, dass es wichtig sei, nicht-quantifizierbare Faktoren bei der Analyse weltweiter Wasserprobleme im Blick zu behalten. Dazu zählen u.a. kulturelle und politische Unterschiede und Prozesse. Man dürfe sich in Fragen von Wasser und Klima nicht allein auf mathematisch berechnete Modelle beschränken, so wichtig diese auch seien. Eine solche Betrachtungsweise kann es auch erleichtern, ein anderes im Weltwasserbericht formuliertes Ziel zu erreichen, nämlich die stärkere Einbeziehung der „stakeholder“, also derjenigen, die unmittelbare Interessen an der Veränderung einer Situation haben, an den Entscheidungsprozessen.

„Der Bericht sendet einen Alarm aus“, sagte UNESCO-Generalsekretär Koichiro Matsuura bei der Präsentation des Weltwasserberichts in Istanbul am 16. März 2009 in Istanbul. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Alarm gehört wird, denn sonst passiert das, was Matsuura so beschrieb: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, besteht die ganz reale Gefahr, dass wir uns rasch auf eine globale Wasserkrise zubewegen.“

Weitere Informationen zum UN-Weltwasserbericht finden Sie hier.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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