Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 02.11.2009 ---

Titelseite des Berichts

Drei-Schluchten-Staudamm - kritisch betrachtet

Die Umweltschutzorganisation "International Rivers" hat ein Jahr nach der offiziellen Inbetriebnahme des Drei-Schluchten-Staudamms die ökologischen und sozialen Auswirkungen des weltgrößten Staudammprojektes in einem kurzen Bericht zusammengestellt. Darin werden positive Auswirkungen erwähnt wie die Elektrizitätserzeugung, durch die das Verbrennen von mehr als 30 Millionen Tonnen Kohle vermieden wird. Auch hat der Bau des Staudamms die Gefahr von Flutkatastrophen am Unterlauf des Flusses vermieden.

Dem stehen aber eine ganze Reihe negativer Auswirkungen gegenüber, die sich nicht zuletzt aus den gewaltigen Dimensionen des Projektes ergeben. Die Staumauer ist 101 Meter hoch und 2,3 Kilometer lang. De Stausee hat eine Länge von 660 Kilometern. Durch das Fluten des Stausees verloren 1,3 Millionen Menschen ihr Zuhause. Ein erheblicher Teil der vorgesehenen Entschädigungen ging durch Korruption verloren. Deshalb beschweren sich umgesiedelte Menschen immer wieder über vorenthaltene Entschädigungszahlungen. In dem Bericht wird eine Aussage eines Umgesiedelten gegenüber der Zeitung „Financial Times“ zitiert: „Unsere Leben wurden durch den Damm ruiniert, während mächtige Beamte die Früchte ernten und ihre Brieftaschen füllen.“ Inzwischen sind in Zusammenhang mit dem Staudammprojekt mehr als 300 Beamte wegen Korruption verurteilt worden, aber die staatlichen Sicherheitskräfte gehen weiterhin rigoros gegen die vor, die gegen diese Korruption protestieren und ihre Ansprüche einfordern.

Als gravierendes Problem erweist sich beim Drei-Schluchten-Staudamm wie bei vielen anderen großen Staudämmen in aller Welt, dass ein großer Teil der Sedimente, die früher bis zum Flussdelta des Jangtse getragen wurden, sich nun auf dem Boden des Stausees ablagern. Der Fluss transportiert jedes Jahr die gewaltige Menge von 500 Millionen Tonnen Sedimente, ein Jahr nach der Eröffnung des Staudamms hat sich laut Bericht die Menge, die an der Flussmündung ankommt, um ein Drittel vermindert. Das vermindert nicht nur das Volumen des Stausees, sondern führt auch dazu, dass es zu einer Erosion der flachen Deltazonen kommt und das Meerwasser weiter vordringen kann.

Auch die gegenwärtige politische Führung Chinas hat offenbar die negativen Folgen des gewaltigen Staudammbaus erkannt, der 1992 vom Nationalen Volkskongress beschlossen worden war. Ein Indiz dafür war, dass zur offiziellen Einweihung weder der Staatspräsident noch der Premierminister erschienen sind. „International Rivers“ vermutet, dass die negativen Auswirkungen der früheren Regierung zugeschrieben werden sollen. In dem Bericht wird anerkannt, dass die gegenwärtige Regierung große Bemühungen zur Förderung erneuerbarer Energien und zur größeren Energieeffizienz unternimmt. Auch dass jetzt rückwirkend weitere Entschädigungszahlungen an umgesiedelte Familien gezahlt werden, ist zu begrüßen. Andererseits plant die politische Führung weitere große Staudammprojekte im eigenen Land, und China beteiligt sich verstärkt am Bau von Großstaudämmen in anderen Teilen der Welt.

Mehr Informationen zum Bericht „China's Three Gorges Dam“ sowie kulturelle Formen der Auseinandersetzung mit dieser Thematik finden Sie auf der Website von International Rivers.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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