Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 16.05.2010 ---

Abkommen und neue Konflikte um Nilwasser

Der Nil in Ägypten

Der Konflikt um die Nutzung des Wassers des Nils schwelte schon lange. Nun ist er offen ausgebrochen. Regierungsvertreter aus Äthiopien, Tansania, Ruanda und Uganda haben am 14. Mai 2010 in der ugandischen Stadt Entebbe ein Abkommen über die Neuverteilung des Flusswassers geschlossen. Kenia, Burundi und vermutlich weitere Anrainerstaaten wollen der Vereinbarung beitreten. Für die Staaten am Nil und am Viktoriasee geht es vor allem darum, Bewässerungsprojekte, Wasserkraftwerke und Staudämme entlang des längsten Flusses Afrikas zu verwirklichen, selbst wenn Ägypten und der Sudan dem nicht zustimmen.

Ägypten und Sudan sind strikt gegen den neuen Vertrag, in dem ihre Wasserrechte aus der Kolonialzeit nicht anerkannt werden. In Verträgen von 1929 und 1959 billigten sich Ägypten und der Sudan 87 Prozent der Gesamtwassermenge des Nils. Die anderen Länder, damals überwiegend Kolonien, wurden nicht an den Vertragsverhandlungen beteiligt und haben den Vertrag nie anerkannt. Der Nil ist mit fast 6700 Kilometer Länge einer der bedeutendsten Flüsse der Welt. Die beiden Quellflüsse Weißer Nil aus dem Viktoriasee und Blauer Nil aus dem Tanasee in Äthiopien fließen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum zusammen und dann quer durch Ägypten. Einschließlich der Zuflüsse zum Viktoriasee gehören insgesamt zehn Staaten zu den Anrainern des Flusseinzugsgebietes des Nils.

Ägypten hängt zu 95 Prozent seines Wasserverbrauchs vom Nil ab und verteidigt entsprechend hartnäckig seine Ansprüche auf den größten Teil des Flusswassers. Die Regierung des Landes beharrt auf den alten Verträgen und vertritt die Auffassung, sie könnten nur im Konsens verändert werden. Das würde Ägypten faktisch ein Vetorecht gegen eine stärkere Nutzung des Nilwassers durch die anderen Anrainerstaaten geben. Die fühlen sich an einen Vertrag nicht gebunden, an dem sie nicht beteiligt waren und den sie in hohem Grade als ungerecht betrachten.

Die Konflikte haben sich in den letzten Jahren durch eine rasch steigende Bevölkerung in allen Anrainerstaaten sowie Dürren in Ländern wie Äthiopien verschärft. Deshalb wollen verschiedene Länder verstärkt Staudämme für Bewässerungsprojekte bauen, die zugleich helfen können, die Energieknappheit zu überwinden. Auf diesem Hintergrund wurde der neue Vertrag abgeschlossen. Vor allem Ägypten droht mit Gegenmaßnahmen. Ägyptens Wasserminister Nasir Allam hat einen Aufenthalt in den Niederlanden abgebrochen, um in Kairo über Maßnahmen zu diskutieren. Der Außenminister erklärte empört, Ägypten werde keine Vereinbarung unterzeichnen, die beinhaltet, dass es auf seine historischen Rechte verzichten müsste.

Dieser Konflikt ließe sich entschärfen, wenn alle Anrainerstaaten umsichtig und sparsam mit dem knappen Wasser umgehen würden. So lässt sich vor allem mit effizienteren Bewässerungstechniken viel Wasser sparen, ebenso durch die Verbesserung der städtischen Wasserversorgung und -nutzung. Dies würde sowohl die Kooperationsbereitschaft aller Anrainer als auch hohe Investitionen erfordern. Die einzige Alternative ist eine ständige Verschärfung der Konflikte der Anrainerstaaten, je knapper das Wasser wird.

Mehr Informationen über die Konflikte um das Wasser des Nils finden Sie in "Das Wasser-Buch" von Frank Kürschner-Pelkmann.

Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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