Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 06.09.2010 ---

Interview zur Weltwasserwoche in Stockholm

Das nachfolgende Interview mit Frank Kürschner-Pelkmann zur Weltwasserwoche wurde von SR 2 KulturRadio des Saarländischen Rundfunks am 6. September 2010 um 7.40 Uhr ausgestrahlt.

Frank Kürschner-Pelkmann, Foto von Birgit Uhl

Wasserqualität, -verschmutzung und -verschwendung, aber auch Wasserhandel, Wasser ist Macht und ein Grundrecht für alle - diese Themen stehen auf dem Programm der Weltwasserwoche, die das Weltwasserinstitut diese Woche abhält. Ich bin nun verbunden mit dem Autor und -experten Frank Kürschner-Pelkmann. Er arbeitet seit vielen Jahren zum Thema Wasser.

Herr Kürschner-Pelkmann, eigentlich haben wir doch längst den Weg zu energie- und wassersparenden Techniken beschritten. Ich sage nur Waschmaschine A+++. Aber das scheint nicht auszureichen, was läuft denn da schief?

Der Hauptgrund ist, dass es bei den Wassersparkonzepten, wie sie bisher vorherrschen, das Thema virtuelles Wasser sehr stark vernachlässigt wird, das heißt also das Thema, wie viel Wasser in den Produkten ist, die wir tagtäglich verbrauchen. Ein Mitteleuropäer verbraucht etwa 4.000 Liter Wasser in Form der Produkte, die täglich gekauft und konsumiert werden.

Also Wasser, das bei der Herstellung verwendet wird.

Ja, zum Beispiel in Tomaten oder Salat aus Südspanien oder in Autoreifen oder in Computern oder in T-Shirts, wo die Baumwolle aus Kasachstan kommt oder ähnliche Dinge. Das Problem ist, dass vieles von diesem virtuellen Wasser aus Ländern kommt, die sehr stark unter Wasserarmut leiden. Deshalb gibt es einen Zusammenhang zwischen der Wasserarmut in Ländern des Südens der Welt und unserem Konsum.

Die Schuld an der Wasserkrise, an dieser der Wasserarmut, die wir immer noch erleben, die liegt eigentlich immer noch bei uns?

Sie liegt zu einem erheblichen Teil bei uns. Man kann aber die Verantwortung der Unternehmen und der Regierungen im Süden der Welt auch nicht ignorieren. Es gibt zum Beispiel sehr viele Bewässerungssysteme, die absolut ineffizient sind, wo man also ganze Felder überflutet, statt das Wasser gezielt an die Pflanzen zu leiten. Dadurch wird die Wasserknappheit in diesen Ländern sehr stark erhöht.

Sie haben gerade die Technik angesprochen. Wie ist es denn mit der Wasserwirtschaft. Weltweit gibt es ja die Privatisierung der Wasserversorgung seit einigen Jahrzehnten. Darf man denn so etwas überhaupt tun, um nicht nur der Wasserverschwendung Einhalt zu gebieten, sondern auch eine Gerechtigkeit zu erzeugen bei der Wasserversorgung?

Es hat seit den 90er Jahren Versuche gegeben, Wasserversorgungsbetriebe im Süden der Welt aufzukaufen durch große internationale Unternehmen. Die Hoffnung war, dass dort, wo Knappheit herrscht, auch ein guter Markt vorhanden ist. Was die Unternehmen allerdings zu wenig berücksichtigt hatten, ist erstens, dass die Kaufkraft der Bevölkerung in armen Ländern gering ist, und zweitens haben sie unterschätzt, wie groß der Investitionsbedarf in diesen Ländern ist. Hinzu kommt, dass die Wasserunternehmen sich nur auf die großen Städte wie Manila auf den Philippinen und Jakarta in Indonesien konzentriert haben und die ländlichen Gebiete völlig beiseite gelassen haben, weil dort von vornherein kein Geschäft zu erwarten war.

Darf man dann dem freien Markt, den Unternehmen das Grundrecht an Wasser überlassen?

Es gibt viele soziale Bewegungen im Süden der Welt, die genau dies bestreiten. Und deshalb hat es auch in Städten wie Manila und Jakarta sehr heftige Proteste dagegen gegeben, dass die Wasserversorgung privatisiert wurde. Und diese Proteste waren in verschiedenen Fällen auch erfolgreich. In den letzten Jahren hat sich allerdings auch aus der Sicht von großen Unternehmen wie RWE gezeigt, dass im Süden der Welt, vielleicht mit der Ausnahme Chinas, keine großen Geschäfte zu machen sind. RWE hat sich ganz aus dem internationalen Wassergeschäft zurückgezogen mit Ausnahme einiger weniger Tochterunternehmen in Osteuropa. Und die großen französischen und britischen Wasserversorgungsunternehmen haben sich ähnlich verhalten.
Das Problem ist, dass die Weltgemeinschaft damit um einige Jahre zurückgeworfen ist. Die Weltbank hatte zunächst die Hoffnung, dass die Milliardenbeträge, die für die Wasserversorgung erforderlich sind, von den großen privaten Unternehmen aufgebracht werden können. Das hat sich als Fehlschlag erwiesen, und man steht praktisch wieder bei der Stunde Null und muss nun noch stärker versuchen, auch öffentliche Gelder zur Verfügung zu stellen und auch nach kostengünstigen Techniken zu suchen, die es zum Teil gibt.

Abschließend die Frage an Sie: Nehmen wir das Wasserproblem, das zum Beispiel in Israel und Palästina bereits Ursache von Konflikten ist, bereits genügen Ernst oder müsste da noch etwas ganz anderes getan werden?

Das Wasserproblem wird etwas ernster genommen in den letzten Jahren. Das noch größere Manko ist der Umgang mit den sanitären Problemen der Welt. Es gibt weltweit 2,6 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen sanitären Entsorgung haben, also vereinfacht gesagt, sie haben keine Toiletten. Und dieses Problem führt dazu, dass immense Gesundheitsprobleme entstehen. Bei der Weltwasserwoche, die jetzt in Stockholm beginnt, wird dies ein großes Thema sein. Der Direktor des Internationalen Stockholm Wasserinstituts fordert, dass sich die Welt sehr viel stärker diesen sanitären Problemen zuwendet.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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