Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 24.04.2012 ---

Eine-Welt-Presse 2012: "Globale Grüne Wirtschaft"

Titelseite der Zeitung

Angesichts globaler Wirtschafts- und Finanzkrisen, der Klimaerwärmung, zunehmender Umweltprobleme und wachsender sozialer Spannungen sollen durch die Umsetzung des Konzepts der grünen Wirtschaft umfassende Lösungen ermöglicht werden. Unter dem Titel "Globale Grüne Wirtschaft" zeigt die diesjährige Ausgabe der Zeitung "Eine-Welt-Presse" Ansätze für eine CO2-arme, ressourceneffiziente und sozialverträgliche Wirtschaft - aber auch bestehende Schwachstellen. Die "Eine-Welt-Presse" wird von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen herausgegeben und soll zur Diskussion anregen und internationale Themen in die Bildungsarbeit einbringen.

Kontroverse Debatten über ein Konzept

Vor der UN-Konferenz "Rio+20" im Juni 2010 in Rio de Janeiro wird kontrovers über das Konzept der grünen Wirtschaft diskutiert. In der Zeitung betont Achim Steiner, der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP, dass das Konzept der grünen Wirtschaft zunächst von einigen Ländern und Gruppen der Zivilgesellschaft als Reform der Industrieländer kritisiert worden sei, aber nun setze sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die grüne Wirtschaft „für alle Volkswirtschaften in unterschiedlichen Phasen ihrer Entwicklung eine Antwort bietet - und vielleicht sogar noch wichtiger für aufstrebende als für entwickelte Volkswirtschaften ist“.

Demgegenüber kritisiert Achim Brunnengräber, der an der FU Berlin lehrt, dass mit dem Konzept der grünen Wirtschaft kein klarer Richtungswechsel verbunden sei.

„Eine große Transformation ist aber ohne einen tiefgreifenden Wandel der Lebens- und Produktionsweise, des Energiesektors und des Welthandels nicht zu haben. Bleibt die Hoffnung, dass die Impulse in Richtung einer Energiewende und einer nachhaltigen Gesellschaft von neuen sozialen Bewegungen, nicht-staatlichen Organisationen, den sogenannten NGOs, oder den Wut-Bürgerinnen und -Bürgern ausgehen.“

Eine Kritik an der Vorstellung von einer grünen Wirtschaft lautet, dass kein Abschied von Wachstumskonzepten genommen und selbst in Industrieländern ein - nun grünes - Wachstum propagiert wird, statt ernst zu nehmen, dass die "Grenzen des Wachstums" längst erreicht sind. Die Kritiker bezweifeln, dass durch nachhaltigere Formen der Produktion mehr Ressourcen eingespart werden können, als durch ein weiteres Wachstum zusätzlich verbraucht werden. Es sei eine Illusion, auch in den Industrieländern mehr grünes Wachstum zu versprechen, statt Einschränkungen und Verzicht bei denen einzufordern, die bereits jetzt über die Verhältnisse unserer Erde produzieren und konsumieren.

Ein "Weiter so" führt in die Sackgasse

Frank Kürschner-Pelkmann, der zur Redaktion dieser Zeitung gehört, schreibt im einleitenden Beitrag zu dieser Debatte:

„Die Kritik am Konzept der grünen Wirtschaft lässt erkennen, dass es bisher deutliche Schwachstellen hat. Es kann trotzdem zu einer Grundlage für eine Umgestaltung der globalen Wirtschaftsbeziehungen, des Umgangs mit der Natur und der sozialen Beziehungen werden. Im Rahmen des Übergangs zu einer grünen Wirtschaft lassen sich zahllose bereits bestehende und neue Initiativen einbeziehen, die eine Nachhaltigkeit zum Ziel haben. Die Herausforderung wird darin bestehen, diese Integrationskraft zu bewahren, ohne die Augen und den Mund zu verschließen angesichts der vielen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Missstände und deren Verursachern. Nur so ist dem Vorwurf zu begegnen, dass auch die übelsten Unternehmen, die Natur und Menschen ausbeuten, sich durch ein "greenwashing" rein waschen können. Ein ‚Weiter so' führt ökologisch und sozial in die Sackgasse. Die Zukunft der Wirtschaft ist grün - oder tiefschwarz.“

Energie für eine grüne Wirtschaft

In einem Gespräch mit Stephan Opitz, Bereichsleiter der KfW Entwicklungsbank, geht es um die Frage, wie in Entwicklungsländern bezahlbare Konzepte einer umwelt- und klimafreundlichen Energieversorgung für alle Menschen umgesetzt werden können. Stephan Opitz sagt in dem Gespräch u.a.:

„Heute haben 1,3 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu modernem Strom. Das ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit und deshalb 2012 auch Thema des UN-Jahres ‚Nachhaltige Energie für alle'. Ziel dieser UN-Initiative ist, dass bis 2030 jeder Mensch Zugang zu moderner Stromversorgung und sauberer Kochenergie erhält. Wir müssen es schaffen, weltweit Elektrizität herzustellen und Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, ohne Umwelt und Klima zu belasten.“

In einem weiteren Beitrag der "Eine-Welt-Presse" wird das konzertierte Handeln der Vereinten Nationen in Energiefragen dargestellt, insbesondere die Rolle von UN Energy. Christina Kamp schreibt:

„Das Aufgabenspektrum von ‚UN Energy' ist breit, denn Energiefragen tangieren praktisch alle Lebensbereiche. Saubere, erneuerbare Energie und verbesserte Technologien können zum Beispiel die Belastungen durch Atemwegserkrankungen verringern. Denn der Rauch, der beim Kochen mit Holz oder Holzkohle entsteht, ist gesundheitsschädlich. Erhöht man die Energieeffizienz durch verbesserte Öfen mit Rauchabzug oder stellt auf Biogas um, hat das auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit vor allem von Frauen und Kindern.“

Ermutigende Beispiele auf dem Weg zur grünen Wirtschaft

In mehreren Beiträgen der Zeitung wird dargestellt, welche Erfahrungen einzelne Länder bei den Bemühungen gemacht haben, das Konzept der grünen Wirtschaft umzusetzen. Besonders ermutigend sind die erfolgreichen Bemühungen Ugandas, Teile der landwirtschaftlichen Produktion auf einen Bioanbau umzustellen und sich damit international neue lukrative Märkte zu erschließen. Für die beteiligten Bauernfamilien wie auch für die Vermarktungsbetriebe sind mit der Umstellung höhere Erträge verbunden, für das Land ein stärkerer Schutz der Umwelt und des Klimas.

Die Karibikinsel Barbados war bisher auf teure Ölimporte angewiesen, um den Energiebedarf zu decken. Seit einigen Jahren werden systematisch nachhaltige Formen der Energieerzeugung gefördert, wobei der Einsatz von Solaranlagen für die Warmwasserbereitung besonders erfolgreich ist. Aber nicht jede Form der Erzeugung erneuerbarer Energie ist ökologisch und sozial unbedenklich, stellt Rainer Hörig in einem ausführlichen Beitrag zur Energiegewinnung in Indien dar. Wenn ein großer Windenergiepark ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet und ohne Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung gebaut wird, sind Proteste und Widerstand unvermeidlich. Auch die stärkere Berücksichtigung der Wälder beim Klimaschutz birgt mehr Konfliktstoff als zunächst erwartet, wird in einem weiteren Zeitungsbeitrag vermittelt. Aber dennoch findet das Konzept der grünen Wirtschaft weltweit viel Unterstützung und dies auch im boomenden China, wo die Regierung erkannt hat, dass eine Wachstumspolitik ohne Rücksicht auf die Umwelt bisherige wirtschaftliche und soziale Erfolge gefährdet. Durch die Nutzung von Solar- und Windenergie, durch eine landesweite Aufforstungspolitik und viele andere Maßnahmen wird die Zusage umgesetzt, entschiedene Schritte auf dem Weg zu einer grünen Wirtschaft zu unternehmen.

Weitere Informationen zur Zeitung finden Sie auf der Website menschliche-entwicklung-staerken.de der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Hier besteht auch die Möglichkeit, die Zeitung zu bestellen oder als pdf-Datei herunterzuladen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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