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aktuelles --- 30.08.2005 ---

Kommentar

Wasser sparen überflüssig?

„Experten: Wasser sparen ist schädlich und teuer!“ So lautete am 7. Juli 2005 eine Schlagzeile in der „Bild“-Zeitung. Der Bericht ist Teil einer Kampagne von Teilen der Wasserwirtschaft, um die Deutschen zu einem höheren Wasserverbrauch zu veranlassen. In der „Financial Times Deutschland“ wurde Manfred Scholle, Vorstandsmitglied von Gelsenwasser, am 2. August 2005 mit dem Satz zitiert: „Es macht ökonomisch und ökologisch keinen Sinn, in Nordrhein-Westfalen Wasser zu sparen.“ Sind also alle Wasserspar-Appelle verfehlt?

Dass kommerziell arbeitende Wasserkonzerne wie Gelsenwasser auf einen höheren Wasserverbrauch hoffen, ist aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar. Etwa 80% der Kosten eines Wasserbetriebes sind Fixkosten, entstehen also weitgehend unabhängig von der verkauften Wassermenge. Jeder zusätzlich verkaufte Kubikmeter Wasser verursacht also recht geringe Mehrkosten, erhöht aber die Rendite. Umgekehrt vermindert jeder weniger verkaufte Kubikmeter Wasser die Kosten kaum, aber die Gesamtkosten müssen auf weniger verkauftes Wasser umgerechnet werden. Klar, dass Wasser sparen für die Kalkulationen der Wasserbetriebe ungünstig ist. Genau das ist einer der Gründe dafür, dass Bürgerinitiativen sich gegen eine Privatisierung der Wasserversorgung zur Wehr setzen, die ökologische Fragen im Zweifelsfall hintan stellen. Einer der großen Akteure in diesem Privatisierungsgeschäft ist Gelsenwasser. Das Unternehmen, das 5,5 Millionen Bundesbürger mit Wasser versorgt, gehörte früher zu EON und wurde dann an die Städte Dortmund und Bochum verkauft. Manche sprachen von einer „Re-Kommunalisierung“, aber tatsächlich agiert Gelsenwasser weiterhin als Privatunternehmen. Aber auch städtisch betriebene Wasserwerke werden immer stärker kommerzialisiert und sollen Gewinne erzielen – und da erscheint Wasser sparen manchen als der falsche Weg.

Der zweite Grund für den Kampf gegen das Wasser sparen ist die Tatsache, dass die Leitungsnetze für Trinkwasser und Abwasser als Folge der bereits erzielten Sparerfolge vielerorts überdimensioniert sind. Dadurch kann es in extremen Fällen zu eine Verkeimung der Leitungen kommen, weil sich die Flussmenge vermindert. Aber dieses Problem lässt sich durch gelegentliches Durchspülen und vor allem durch eine Neudimensionierung des Leitungsnetzes vermeiden. Das hat den Nachteil, Geld zu kosten, während ein erhöhter Wasserverbrauch Geld in die Kassen der Wasserbetriebe und indirekt auch der Kommunen bringt.

Dennoch spricht unter ökologischen Gesichtspunkten alles dafür, den Wasserverbrauch weiter zu vermindern. Dafür das Beispiel Hamburg. Die Stadt gewinnt ihr Trinkwasser ausschließlich aus Grundwasser. Das ist gegenüber früheren Zeiten ein großer Fortschritt, den es zu erhalten gilt. Aber 40% des Wassers wird aus bodennahen Grundwasserleitern gewonnen, die potenziell durch Schadstoffe im Boden gefährdet sind. Außerdem bezieht Hamburg einen Teil seines Trinkwassers aus der Nordheide, nach Auffassung einer dortigen Umweltinitiative zulasten der Natur. Es gibt also weiterhin gute Gründe, Wasser zu sparen. Dies ist übrigens auch die Auffassung der Hamburger Umweltbehörde und vieler anderer Institutionen und Initiativen, die sich für den sorgsamen Umgang mit dem Lebens-Mittel Wasser einsetzen. Es spricht weiterhin alles dafür, den Wasserhahn beim Zähneputzen nicht laufen zu lassen und auch die vielen anderen Wassersparmöglichkeiten zu nutzen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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