zur Startseite Frank Kürschner-Pelkmann

Kontakt und Impressum 


aktuelles --- 03.01.2006 ---

Krise der Wasserversorgung in Simbabwe

Flagge von Zimbabwe

Wer einen Wasseranschluss in Simbabwe hat, der musste in den letzten Jahren eine drastische Verschlechterung der Versorgung erleben.

Selbst in der Hauptstadt Harare kommt es in vielen Stadtteilen zu tagelangen Versorgungsunterbrechungen, und auch die Wasserqualität hat sich Besorgnis erregend verschlechtert. In der Provinzstadt Chegutu erklärte der Bürgermeister, die Stadt sei „so gut wie tot“, weil statt der erforderlichen 30 Millionen Liter Trinkwasser nur noch 12 Millionen Liter aufbereitet werden könnten und davon noch ein erheblicher Teil durch Leckagen verloren gehe. Die simbabweschen Zeitungen, die unter massivem Druck der Regierung stehen, berichten trotzdem ausführlich über die Versorgungsmisere in den Städten des Landes, und es wird auch deutlich, dass die Situation in ländlichen Gebieten noch schlechter ist.

Die Zwangsumsiedlung von mehreren Hunderttausend Menschen aus städtischen Armenvierteln aufs Land im Jahre 2005 haben die Versorgung mit Trinkwasser dramatisch verschlechtert. In den Behelfslagern ist der Zugang zu Wasser und die sanitäre Situation meist noch weniger gewährleistet, als sie es in den zerstörten Slumgebieten war. Dabei wären intensive Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der städtischen und ländlichen Versorgungssysteme allein schon deshalb nötig, weil Simbabwe nach einer Reihe von Dürrejahren mit einem gravierenden Wassermangel konfrontiert ist.

Landesweit hat einer von fünf Simbabwern keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zwei keinen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen Entsorgung. Diese Statistiken erfassen, wer einen Wasseranschluss hat oder zum Beispiel in der Nähe eines Gemeinschaftswasserhahns wohnt, aber es wird nicht berücksichtigt, dass zunehmend häufiger kein Tropfen Wasser aus diesen Hähnen kommt.

Angesichts der schlechten und oft unterbrochenen Versorgung verweigern viele Kunden die Bezahlung der Wasserrechnungen. Sie wollen nicht für eine Leistung zahlen, die sie gar nicht erhalten. Die Zahlungsverweigerung erhöht die Finanzprobleme der Wasserbetriebe weiter, die ohnehin unter einer hohen Inflationsrate leiden. Oft fehlt es zudem (wie in anderen Betrieben) an Benzin, um dringend erforderliche Fahrten durchzuführen. Unter diesem Benzinmangel leidet auch die Müllabfuhr in vielen Städten, sodass die Müllfahrzeuge stillliegen, während sich die Abfallberge an den Straßenrändern türmen. Einige Kommunen sind dazu übergegangen, wenigstens einen Teil des Mülls mit Ochsenfuhrwerken einzusammeln. Ein erheblicher Teil des Mülls gelangt trotzdem in Teiche und Bäche.

Das stellt erhebliche Gesundheitsrisiken dar, die noch dadurch vergrößert werden, dass vielen Familien bei einem der häufigen tagelangen Unterbrechungen der Wasserversorgung nichts übrig bleibt, als ihr Trinkwasser aus diesen Gewässern zu holen. Ein Teil des Mülls gelangt auch in den Lake Chivero, aus dem die Hauptstadt einen großen Teil ihres Trinkwassers bezieht. Als sei dies nicht genug Risiko, kommt als Problem hinzu, dass das Trinkwasser von Harare nicht ausreichend gechlort wird. Wie die simbabwesche Tageszeitung The Herald am 22. Dezember 2005 berichtete, hat die Stadtverwaltung in einer Untersuchung festgestellt, dass die unzureichende Chlorung dazu führt, dass das Leitungswasser nicht den Mindeststandards für eine gesundheitliche Unbedenklichkeit entspricht, wie sie von der Weltgesundheitsorganisation WHO und auch in Simbabwe selbst festgelegt worden sind. Genannt werden u. a. die hohe Belastung mit Bakterien sowie mit Algen, die Gifte produzieren. Nicht nur Privathaushalte sind von diesen Belastungen betroffen, sondern auch Wirtschaftsunternehmen wie Brauereien. Einige haben angekündigt, sie müssten die Produktion bald einstellen. Auch Schulen in Harare und anderen Orten mussten wiederholt geschlossen werden, weil kein Wasser mehr zum Trinken, Händewaschen und die Reinigung der Toiletten zur Verfügung stand.

Die Krise der Wasser- und Abwassersysteme ist nicht zu trennen von der politischen und wirtschaftlichen Krise Simbabwes. Unter Führung von Präsident Robert Mugabe hat nicht nur die Wirtschaft einen rapiden Niedergang erlebt, sondern es haben sich auch die Beziehungen Simbabwes zu vielen anderen Staaten der Welt derart verschlechtert, dass kaum noch internationale Hilfe zu erwarten ist, jedenfalls dann nicht, wenn diese Hilfe über die Regierungsstrukturen laufen soll. Welche Probleme dies schafft, hat Misheck Shoko, der Bürgermeister von Chitungwiza kürzlich so formuliert: "Die Probleme in Chitungwiza sind von der Stadtverwaltung nicht mehr zu lösen. Wir können von uns aus keine Entwicklungsgelder einwerben, um unser altes und marode Abwasser- und Wassersystem zu verbessern, weil die Zentralregierung diktiert, dass solche Mittel durch ihre Haushalte laufen müssen." So wartet der Bürgermeister der Vorstadt von Harare vergeblich auf dringend erforderliche Gelder. The Herald berichtete am 8. Dezember 2005, dass Einwohner der Stadt bitter berichteten, man habe ihnen gesagt, sie sollten bei den Wahlen für die Kandidaten der Regierungspartei Zanu-PF stimmen, dann würde für ausreichend Wasser gesorgt.

Schlecht ist die Versorgungssituation auch in Bulawayo, Simbabwes zweitgrößter Stadt, die zudem in einer Region liegt, die nach einigen Dürrejahren unter akutem Wassermangel leidet. Dies ist ein gravierendes Problem für zahlreiche kommunale Wasserversorger und macht es zum Beispiel um so dringender, die Wasserverluste durch Leckagen drastisch zu vermindern. Der Bürgermeister von Bulawayo beklagt, dass er ohne Zustimmung der Zentralregierung keine Kredite aufnehmen könne, um dringend erforderliche Reparaturarbeiten und Investitionen ausführen zu lassen.

Regierungsvertreter wehren sich gegen die Vorwürfe von Bevölkerung und lokalen Verwaltungen und werfen den lokalen Behörden vor, die gesetzten Ziele bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung nicht einzuhalten. Die Regierungspolitik der Übernahme der Wasseraufbereitung für große Städte wie Harare durch die nationale „ Zímbabwe National Water Authority“ hat die Probleme nicht gelöst, sondern neue Abstimmungsprobleme mit den kommunalen Betrieben geschaffen, die weiterhin für die Lieferung des Wassers an die Haushalte zuständig sind. Die Konsequenz ist, dass die kommunalen Wasserbetriebe erst sehr kurzfristig erfahren, wie viel Wasser zur Verfügung steht und dann ad hoc ganze Stadtteile vorübergehend nicht mehr versorgen, weil das bereitgestellte Wasser nicht reicht. Es wird damit völlig unberechenbar, ob und wie lange Wasser fließt.

Wie lässt sich eine Lösung der Probleme finden? Eine Privatisierung der Wasserversorgung, wie sie zum Beispiel von der Weltbank in vielen Ländern propagiert worden ist, kommt für Simbabwe praktisch nicht in Frage. Vor einigen Jahren zeigte der britische Biwater-Konzern zunächst Interesse an der Übernahme der Wasserversorgung von Harare, stellte aber rasch fest, dass sich ein solcher Kontrakt nicht rechnen würde und zog sich aus den Verhandlungen zurück. Das war noch vor der drastischen Verschlechterung der Versorgungssituation und der Versorgungseinrichtungen in den letzten Jahren. Wasserkonzerne sind allenfalls an den „ Rosinen“ der Wasserversorgung im Süden der Welt interessiert - und das ist Harare wahrlich nicht, ganz zu schweigen von simbabweschen Provinzstädten.

Erforderlich sind deshalb viele kleine Projekte und Programme zur Verbesserung einzelner Wasserwerke, Kläranlagen und Leitungsnetze. Dies wäre sehr viel einfacher, wenn Simbabwe eine verantwortungsbewusste Regierung hätte, das Regime um Robert Mugabe also abgelöst würde. Aber angesichts der lebensbedrohlichen Situation für viele Menschen und vor allem für Kinder, die unter wasserbedingten Krankheiten leiden, muss dennoch versucht werden, dringend erforderliche Reparaturen und Investitionen mit Entwicklungsgeldern zu finanzieren. Dies wird Kirchen und Nichtregierungsorganisationen vermutlich leichter möglich sein als der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit. Erforderlich ist außerdem, zur Fortbildung und auch zur Motivation der Beschäftigung von Wasser- und Abwasserbetrieben beizutragen, zum Beispiel durch die Vergabe von Stipendien für Fortbildungskurse. Schließlich verdienen die Nichtregierungsorganisationen in Simbabwe, die unter großen persönlichen Risiken die Misere der Wasserversorgung anprangern und Verbesserungen auf diesem und anderen Gebieten einfordern, eine größere Unterstützung von außen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie u. a. in einem Beitrag von UN Integrated Regional Information Networks:

IRIN-News

sowie in Presseberichten unter:

allafrica.com

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Aktuelle Nachrichten aktuelles-Archiv
Aktuelle Meldungen

wasser-und-mehr.de, Copyright © 2006-2010 Kürschner-Pelkmann