zur Startseite Frank Kürschner-Pelkmann

Kontakt und Impressum 


aktuelles --- 11.01.2006 ---

Wasserspiegel des Viktoriasees sinkt

Der Wasserspiegel des Viktoriasees ist in den letzten Jahren um ein bis zwei Meter gesunken. Dies berichtete die ugandische Zeitung Sunday Vision am 10. Januar 2006 und berief sich dabei auf eine neue Studie mit dem Titel "Study on Water Management of Lake Victoria". Die Illustration symbolisiert die gemeinsamen Anstrengungen von Kenia, Uganda und Tansania zur Bewahrung des Viktoriasees.

Der sinkende Wasserspiegel schädigt in erster Linie die Feuchtgebiete und Uferzonen und damit die Laichgebiete der Fische des mit mehr als 68.000 Quadratkilometern zweitgrößten Sees der Welt. Als eine Hauptursache für den sinkenden Wasserstand wird in dem Bericht angesehen, dass zu viel Wasser durch die Turbinen der beiden Wasserkraftwerke strömt, die Uganda am Übergang des Sees in den Nil gebaut hat.

Unter diesen Umständen ist es beunruhigend, dass Uganda den Bau eines dritten Staudamms am Nil plant. Der Bujagali-Damm soll mehr als eine halbe Milliarde Dollar kosten und bis zu 250 Megawatt Strom erzeugen. Die Umweltschutzorganisation International Rivers Network weist auf die negativen Effekte dieses Vorhabens auf die im Einzugsgebiet des geplanten Stausees lebenden Menschen hin, aber auch auf die Zerstörung der Bujagali-Wasserfälle sowie andere ökologischen Schäden durch das Großprojekt.

Die Befürworter des Staudammprojekts vertreten die Auffassung, dass der sinkende Wasserspiegel des Sees nicht durch zu große Abflüsse verursacht wird, sondern durch die größere Verdunstung als Folge der globalen Klimaveränderungen. Tatsächlich hat die Verdunstung zugenommen, aber das vermindert die Wassermenge deutlich, die aus dem See abfließen kann, ohne dass der Wasserspiegel weiter sinkt. Das verschärft den Konflikt zwischen dem Bestreben Ugandas, möglichst viel Energie aus Wasserkraft zu erzeugen, und dem Interesse an der Erhaltung des Sees. Die Zeitung Sunday Vision verweist außerdem auf eine Studie der Ostafrikanischen Gemeinschaft, nach der die großflächige Blumenproduktion für den Export zu einer deutlich erhöhten Wasserentnahme aus dem Viktoriasee geführt hat.

Der Viktoriasee und seine Zuflüsse bilden die Lebensgrundlage für etwa 30 Millionen Menschen in Kenia, Tansania und Uganda. Es ist beunruhigend, dass in vielen Studien nachgewiesen worden ist, was die Anwohner des Sees ohnehin beobachten: Das ökologische Gleichgewicht des Sees ist gravierend gestört. So hat sich die Wasserqualität vor allem durch die ungeklärten Abwässer der Großstädte und die Einleitungen von Pestizidresten und anderer Agrarchemie so stark verschlechtert, dass das Seewasser nicht mehr getrunken werden kann.

Diese hohe Schadstoffbelastung sowie die Überfischung verursachen ein Sinken der Fischerträge. Der ursprüngliche Fischreichtum und die Artenvielfalt sind ohnehin stark zurückgegangen, nachdem während der britischen Kolonialzeit der Nilbarsch im Viktoriasee ausgesetzt wurde. Der bis zu 70 Kilogramm schwere Raubfisch, der als Delikatesse nach Europa exportiert wird, hat wesentlich dazu beigetragen, dass etwa die Hälfte der ursprünglichen Fischarten ausgestorben ist. Äußerst negativ wirkt sich auch die explosionsartige Ausbreitung der Wasserhyazinthen aus, die wegen ihrer Schönheit in die Region geholt wurden und nun große Seeflächen bedecken. Sie entziehen dem See Sauerstoff, bilden ideale Brutmöglichkeiten für die Malaria-Fliegen und behindern Fischerei und Schifffahrt.

Auch die Zukunft anderer afrikanischer Seen ist akut bedroht. So hat der Tschadsee heute nur noch ein Fünftel der Fläche, die er vor 35 Jahren hatte. Auch der Naivashasee in Kenia schrumpft stark, weil zu viel Wasser für den menschlichen Verbrauch und vor allem die Bewässerungslandwirtschaft entnommen wird. Eine Untersuchung der UN-Umweltorganisation UNEP, die im Oktober 2005 veröffentlicht wurde, kam zum Ergebnis, dass fast alle 677 größeren natürlichen und künstlichen Binnengewässer in Afrika von zum Teil dramatischen Umweltschäden betroffen sind. Als Ursachen werden u.a. Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Überfischung und Desertifikation genannt.

Es gibt eine ganze Reihe von Initiativen zur Rettung des Viktoriasees vor dem ökologischen Kollaps. Dazu gehört das Lake Victoria Environmental Management Project, an dem sich seit 1994 die Regierungen von Kenia, Tansania und Uganda beteiligen. Die Illustration zu diesem Bericht ist dem Internet-Angebot des Projektes entnommen und symbolisiert die gemeinsamen Anstrengungen der drei Länder zur Bewahrung des Viktoriasees.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Aktuelle Nachrichten aktuelles-Archiv
Aktuelle Meldungen

wasser-und-mehr.de, Copyright © 2006-2010 Kürschner-Pelkmann