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aktuelles --- 16.01.2005 ---

Kenia: Verwüstung schafft Gewalt

Im Internationalen Jahr der Wüsten und Wüstenbildung wird die internationale Aufmerksamkeit verstärkt darauf gelenkt, wie die Ausbreitung der Wüsten bestehende Konflikte verschärft und neue Konflikte entstehen lässt. Dies zeigt sich seit Jahren immer wieder im ostafrikanischen Kenia. Globale Klimaveränderungen, die von Menschen verursacht werden, haben in Kenia zur Konsequenz, dass es in den nördlichen Landesteilen immer seltener regnet. Zur Ausbreitung der Wüsten trägt außerdem bei, dass die Vegetation der Savannengebiete übernutzt und zerstört wird.

In einigen Regionen Nordkenias sind inzwischen drei Regenzeiten ausgefallen, sodass viele Ziegen und Kühe, aber auch Kamele sterben. Die Zahl der hungernden oder akut vom Hunger bedrohten Menschen wurde Anfang 2006 vom World Food Programme auf 2,5 Millionen Menschen geschätzt, etwa ein Zehntel der Bevölkerung Kenias.

Foto eine Wüste in Kenia mit Tierskeletten

Um die wenigen Wasserquellen und guten Weideflächen gibt es Konflikte, die zum Teil mit Gewalt ausgetragen werden. Dabei wirkt sich verheerend aus, dass aus den von Kriegen heimgesuchten Nachbarländern Somalia, Äthiopien und Uganda große Mengen moderner Waffen nach Kenia gelangt sind, die jetzt in diesen Auseinandersetzungen eingesetzt werden. Auch Viehdiebstähle, die zwischen den ethnischen Gruppen des Nordens eine lange Tradition haben, werden heute mit AK-47-Schnellfeuergewehren beantwortet. Solche Konflikte werden durch die Dürre noch verschärft.

Wario Dabaso, Mitglied eines lokalen Friedens- und Versöhnungskomitees, hat die Situation gegenüber einem Journalisten so beschrieben:

„Für all diese Menschen sind die Tiere ihr größter - und einziger - Besitz. Wenn sie sehen, dass ihre geliebten Tiere eines nach dem anderen sterben, beginnt die Gewalt; die Menschen sind bereit zu sterben - und zu töten -, um diesen Besitz zu schützen.“

Angeheizt werden diese Konflikte noch dadurch, dass Politiker sie ausnutzen, um ihre eigene Machtbasis zu verstärken und dafür eine ethnische Gruppe gegen eine andere aufhetzen. Saafo Roba, Koordinator der Nichtregierungsorganisation "Waso Trust" in der Provinzstadt Isiolo, äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur Inter Press Service im April 2005:

„Die Menschen haben ein gutes Gedächtnis, und sie erinnern sich immer noch bitter daran, wie Politiker die verschiedenen Clans dafür mobilisiert haben, einander (2002 und 2003) zu töten. Ein Politiker stellte bestimmten Gruppen Weideland und Wasser als Belohnung dafür zur Verfügung, dass sie seine Rivalen angriffen. Und die Menschen, die jetzt hier eintreffen, sagen mir, dass das gleiche jetzt auch in anderen Gebieten passiert.“

Viele Nomadenfamilien ziehen jetzt mit ihren Herden weiter südlich, um dort Wasser und Gras zu finden und sich vor gewaltsamen Auseinandersetzungen in Sicherheit zu bringen. Das verschärft Konflikte mit den ethnischen Gruppen, die vom Ackerbau leben und fürchten, dass die Tiere der Nomaden auf der Suche nach Nahrung die Felder verwüsten. Die Nomaden ihrerseits sehen verbittert, dass angesichts einer wachsenden Bevölkerungszahl immer mehr Ackerbauernfamilien in Regionen vordringen, die bisher von den Viehzüchtern genutzt wurden. Das sind vor allem Savannengebieten an Flüssen oder anderen Wasserquellen, die den Nomaden nun versperrt sind. Auch durch die Schaffung von Nationalparks ist der Lebensraum der Nomaden stark eingeschränkt worden. Viele Touristen-Lodges sind an attraktiven Wasserstellen errichtet worden, die den Nomaden jetzt nicht mehr zugänglich sind.

Eine Region, in der es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt ist das Rift Valley in Zentralkenia. Ein Beispiel dafür waren die Konflikte um das Wasser des Ewaso Kedont-Flusses. Ein Geschäftsmann mit guten politischen Beziehungen zweigte immer mehr Flusswasser für seine Blumenfarm ab, sodass die etwa 30.000 Massai am Unterlauf des Flusses immer weniger Wasser für ihre Tiere hatten. Sie trieben deshalb ihr Vieh weiter oberhalb am Flusslauf ans Wasser und zerstörten dabei Zäune und Felder der Bauernfamilien, die sich dort angesiedelt hatten. Dieser Konflikt eskalierte im Januar 2005 zu Kämpfen zwischen nomadischen Massai und sesshaften Kikuyu, denen mindestens 14 Menschen zum Opfer fielen. Die "Gerechtigkeits- und Friedenskommission" der katholischen Kirche veröffentlichte einen Untersuchungsbericht, in dem u. a. darauf hingewiesen wird, wie wichtig es wäre, dass die Regierung die Sorgen der Menschen um Land und Wasser ernst nehmen und für dauerhafte Lösungen sorgen würde.

Neben dem World Food Programme der Vereinten Nationen leisten die katholische und die protestantischen Kirchen Kenias umfangreiche Hilfe in den von Dürre und Hunger betroffenen Gebieten und bemühen sich gleichzeitig, zur Versöhnung zwischen verfeindeten Gruppen beizutragen. Außerdem sind die Kirchen bemüht, die Gesellschaft über die Ursachen der Dürrekatastrophen und ihre Folgen zu informieren und eine rasche und umfassende Hilfe für die Opfer zu fordern. Kirchen und Menschenrechtsorganisationen verweisen darauf, dass die Naturkatastrophen dann zu gewaltsamen Konflikten führen, wenn Menschen an den Rand der Gesellschaft und Wirtschaft gedrängt werden und um ihr Überleben kämpfen müssen. Eine Landreform zugunsten der Armen, die Achtung der Land- und Wasserrechte der Nomaden, eine Bekämpfung von Korruption und Bereicherung durch eine kleine Elite sowie eine Entwicklungspolitik im Interesse der armen Bevölkerungsmehrheit sind deshalb unverzichtbar, wenn es nicht bei jeder Dürre zu neuer Gewalt kommen soll. Ebenso ist es selbstverständlich erforderlich, langfristig angelegte Programme gegen die Ausbreitung der Wüsten und für eine Erhaltung der verbliebenen Wälder und der Savannen zu verwirklichen. Pater Eugenio Ferrari, der als Missionar in Kenia tätig ist, betont:

„Wenn der Notstand vorbei ist, dann sollte das Problem langfristig angegangen werden, damit der chronische Wassermangel in bestimmten Teilen des Landes behoben wird. Auch in den regenarmen Gebieten gibt es Grundwasser, man müsste nur Brunnen bohren und das Wasser fördern und verteilen. Außerdem müssen die Viehbestände wieder hergestellt werden. Nur so werden die Menschen wieder in die Regionen zurückkehren, die sie infolge der Trockenheit massenhaft verlassen haben. Wenn diese Menschen weiterhin fern von ihre Heimat in Barackensiedlungen leben, dann werden sie ihre Kultur und ihre Identität verlieren.“

(Frank Kürschner-Pelkmann)


Hinweis: Das Foto zu diesem Beitrag wurde dem Informationsangebot des World Food Programme der Vereinten Nationen entnommen, das sich in Kenia und vielen anderen von Dürre und anderen Katastrophen betroffenen Ländern bemüht, die hungernde Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen.

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