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aktuelles --- 16.01.2006 ---

Wasserland Österreich

Aus Anlass der Übernahme der EU-Präsidentschaft durch Österreich betont das Land seinen bewussten Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser. Umweltminister Josef Pröll betont:

„Wir in Österreich haben in den vergangenen Jahren unser Verantwortungsbewusstsein für das Wasser mit einer Vielzahl von Maßnahmen verankert. Hier kann Österreich auch Impulsgeber für Europa sein.“

Um dieses Wasser-Engagement sichtbar zu machen, wurden in Zusammenarbeit von Lebensministerium (Umweltministerium), Österreichischer Vereinigung für das Gas- und Wasserfach sowie dem Wiener Glasunternehmen Lobmeyr ein schön gestalteter Trinkwasserkrug und ein Trinkwasserglas herausgebracht. Die "europe"-Gläser wurden von der Designerin Miki Martinek von der Universität für angewandte Kunst Wien entworfen, die mit dem zarten Glas die Verletzlichkeit der Ressource Wasser sichtbar macht. Österreich ist stolz darauf, dass 99 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser bezogen wird, sodass in der Regel auf eine Aufbereitung mit Chemikalien verzichtet werden kann.

Das Lebensministerium betont das „Recht auf Wasser“ und setzt sich für einen Vorrang der regionalen Entwicklung und die Sicherstellung von Wasserdienstleistungen zu einem Preis ein, den sich jeder und jede leisten kann. Das Ministerium formuliert:

„Ziel ist eine effiziente Wasserwirtschaft als Schutz gegen Liberalisierung und Ausverkauf. Im Rahmen der Diskussion um die Liberalisierung setzten wir uns dafür ein, die Verfügungsgewalt über unsere Wasserdienstleistungen auch in Zukunft in hauptsächlich kommunaler oder regionaler Hand zu behalten und nicht allein den Markt- und Wettbewerbsmechanismen zu überlassen. Das Allgemeinwohl und die Volksgesundheit hängen sehr stark von einer funktionierenden Wasserversorgung ab und deshalb muss diese einer strikten öffentlichen Steuerung unterworfen werden.“

Umweltschutzorganisationen setzen sich dafür ein, dass der Schutz des Wassers stärker die tatsächliche Politik prägt, etwa wenn es um die Ausbaggerung oder Uferbefestigungen von Flüssen geht. Auch der Bau neuer Wasserkraftwerke ist in der österreichischen Gesellschaft umstritten. Gleiches gilt für den weiteren Ausbau der Donau für die Binnenschifffahrt. Zum Hochwasserschutz und zur Erhaltung artenreicher Auwälder stellt der WWF Österreich fest:

"Hochwässer sind natürliche Ereignisse, die für die Gewässerökologie eine bedeutende Rolle spielen: Sie gehören zur typischen und unverzichtbaren Dynamik jeder Aulandschaft und liefern einen wichtigen Beitrag zur notwendigen Anreicherung des Grundwassers. Hochwässer können für den Menschen dann gefährlich werden, wenn Siedlungen in natürliche Überschwemmungsgebiete hineingebaut werden. Deshalb setzt der moderne Wasserbau immer stärker auf den so genannten passiven Hochwasserschutz. Und das bedeutet, den Flüssen jenen Raum in der freien Landschaft zu geben, den sie für den Rückhalt von Hochwässern brauchen. So kann man sicherstellen, dass die Wasserstände nicht zu hoch werden, sondern sich in die Breite ausdehnen - ein wirksamer Schutz für flussabwärts liegende Siedlungen, der oft auch ökonomischer ist als konventionelle technische Maßnahmen ... Aulandschaften gehören zu den artenreichsten Lebensräumen dieser Welt. Ein Beispiel: Die Donau-Auen östlich von Wien beherbergen rund 5.000 Tierarten und mehr als 600 Farn- und Blütenpflanzen. Tatsache ist aber auch: Fast eintausend jener bekannten Arten, die typisch für unsere Fließgewässer sind, stehen auf den Roten Listen der gefährdeten Arten. Denn der Artenreichtum eines Auwaldes entwickelt sich nur dann, wenn der Fluss Architekt der Landschaft ist und nicht der Mensch ... Die Revitalisierung unserer Flüsse ist auch aus diesem Grund eine Investition in die Zukunft: Sauberes Trinkwasser wird im dritten Jahrtausend zu den wertvollsten Rohstoffen dieser Welt gehören."

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 (die österreichische Mitgliedsorganisation von Friends of the Earth International) weist auf die Bedrohung des Trinkwassers durch die konventionelle Landwirtschaft hin:

„Nach 1945 war Österreichs Regierung bestrebt, die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung durch eine autarke Landwirtschaft zu sichern. Durch Rodung und das Trockenlegen von Feuchtgebieten entstanden riesige neue Nutzflächen. Gleichzeitig wurde der intensive Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden (Pflanzen"schutz"mittel, sprich: Pflanzenschutzgifte) gestartet. Während seither für die Hersteller der Pflanzenschutzgifte die Umsätze in den Himmel wachsen - jährlich rund 80 Millionen Euro -, sickern die Gifte in den Boden. Jährlich werden ganze 6.500 Tonnen Pestizide auf österreichische Felder gesprüht. Wasserlösliche Substanzen werden mit dem Regenwasser ausgewaschen und gelangen ins Grundwasser.“

Wie gravierend dieses Problem ist, ging aus einem Bericht der "Oberösterreich Nachrichten" vom 29. April 2005 hervor. In der Überschrift ist von einem "Nitrat-Cocktail" die Rede, und im Beitrag selbst wird erläutert, dass das Wasser aus vielen Hausbrunnen in Oberösterreich stark mit Nitraten belastet ist. Weitere Probleme für die Erhaltung des natürlichen Wasserreichtums Österreichs wie die Verwendung von hochwertigem Wasser für Schneekanonen könnten erwähnt werden, aber Kritik aus Deutschland sollte zurückhaltend formuliert werden: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen auf die Glaskrüge "europe" werfen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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