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aktuelles --- 26.01.2006 ---

Trockenheit in der Schweiz

migros_magazin

"Die große Trockenheit" lautet der Titel einer Reportage im Migros-Magazin vom 24. Januar 2006. Die Zeitschrift der Schweizer Handelskette stellt ausführlich dar, wie sich geringe Niederschläge und niedriger Wasserstand des Rheins auswirken. Die Schweiz hat sich wegen ihres Wasserreichtums immer wieder als "Wasserschloss Europas" bezeichnet, nun heißt es zu Anfang des Zeitschriftenartikels:

„Die Schweiz hat ein Wasserproblem: Quellen versiegen, Bäche trocknen aus, Seen weisen Rekordtiefstände auf. An einigen Orten wird das Trinkwasser knapp, andernorts drohen wirtschaftliche Einbußen.“

Der Wasserstand des Bodensees befinde sich auf einem historischen Tiefstand. Sogar lange im Wasser versunkene Schiffswracks liegen jetzt auf dem Trockenen. Während Archäologen sich darüber freuen, dass sie am trockenen Ufersaum des Bodensees nach Funden graben können, ohne dass getaucht werden muss, haben die Fährschiffe zunehmende Probleme, die Häfen anzulaufen. Auch die Schweizer Nebenflüsse des Rheins sind von der Trockenheit betroffen. Über die Töss heißt es in dem Zeitschriftenbeitrag:

„Knapp 20 Kilometer der Töss sind diesen Januar ausgetrocknet und mit ihr der gesamte Fischnachwuchs.“

Die Binnenschiffer sind von dem Wassermangel ebenfalls betroffen und können die Schweizer Häfen nur mit deutlich weniger Ladung erreichen.

Angesichts der Wasserknappheit erweisen sich Wasserkraftwerke als problemverschärfend. Das Migros-Magazin zitiert den Bündner Hauptfischereiaufseher Florian Bebi mit den Worten:

„Sorgen bereiten uns die schwankenden Wassermengen aus den Kraftwerken, nicht das Niedrigwasser. Innert kürzester Zeit kommt mal viel, mal wenig Wasser. Das ist verheerend für die Fische im Rhein.“

Zur Erläuterung heißt es in dem Artikel:

„Wird mittags und abends viel Strom verbraucht, respektive produziert, fließt schwallartig Wasser in den Rhein. An den Wochenenden und nachts, wenn wenig Strom benötigt und produziert wird, sinkt die Wassermenge. Dann sitzen Laich und Fische plötzlich auf dem Trockenen. Die Kraftwerke beeinflussen die ganze Wasserführung des Rheins ...“

Diese Fakten lassen Zweifel aufkommen, dass Elektrizität aus Wasserkraft, die in Deutschland teuer als Ökostrom verkauft wird, per se wirklich eine umweltfreundlich erzeugte Energie ist. Die Schweizer Kraftwerksbetreiber ihrerseits klagen über Wassermangel. Im Flusskraftwerk Laufenburg liefen im Januar nur fünf der zehn Turbinen, für mehr reichte das Rheinwasser nicht. Im letzten Jahr konnte von dem Kraftwerk zehn Prozent weniger Strom erzeugt werden.

Während in der Schweizer Presse immer häufiger Artikel über den Wassermangel erschienen, fand vom 23. Januar an eine fünftägige Konferenz der Weltwetterorganisation statt, an der Klimaexperten aus aller Welt teilnahmen, die sich mit der weiteren Erderwärmung und ihren Folgen beschäftigten. Diese Erwärmung betrug im 20. Jahrhundert durchschnittlich 0,6 Grad. Dafür seien vor allem die Treibhausgase verantwortlich, diagnostizierten die Klimaexperten. So habe sich der Kohlendioxid-Anteil an der Luft um 33 Prozent erhöht, so hoch war der Anteil zuletzt vor 420.000 Jahren. Für das 21. Jahrhundert wird eine Klimaerwärmung von durchschnittlich 1,4 bis 5,8 Grad befürchtet. Wenn diese Prognosen zutreffen, so ist zu befürchten, wird aus dem Wasserschloss Schweiz eine Trockenzone.

Auch in Deutschland müssen sich diejenigen, die Wassersparen für überflüssig halten, fragen lassen, ob sie die Auswirkungen der Klimaveränderungen ernst nehmen. Vor allem aber zeigen die Erfahrungen der Schweiz und die Prognosen der Klimaexperten, dass dringend und kurzfristig Schritte erforderlich sind, um den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu vermindern.

Der Beitrag kann gelesen werden unter: Migros-Magazin

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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