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aktuelles --- 16.03.2006 ---

Themenheft "Wasser für jeden"

Ausgabe 3/2006 der Zeitschrift Entwicklung + Zusammenarbeit

Die Zeitschrift "Entwicklung und Zusammenarbeit" hat die Ausgabe 3/2006 unter das Thema "Wasser für jeden" gestellt. Chefredakteur Dr. Hans Dembowski schreibt im Editorial:

„Was nötig ist, um an einem Ort alle Menschen mit Wasser zu versorgen, ist bekannt. Gebraucht wird ein System, das den lokalen Gegebenheiten entspricht. Es muss natürliche Ressourcen effizient nutzen, der gesamten Bevölkerung Zugang gestatten und zuverlässig funktionieren ... Der soziopolitische Kontext ist wesentlich. Es kommt auf solide Regierungsführung an, auf die örtliche Bereitschaft zu verantwortlichem Handeln und auf substanzielle Partizipation der Bevölkerung.“

Dr. Fathi Zereini, Professor an der Universität Frankfurt und Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Gesellschaft für Umweltstudien, wendet sich in einem Interview vehement gegen die Verschwendung von Wasser in der Landwirtschaft: „Es ist Unfug, fossiles Grundwasser aus der Sahara zu verwenden, um in Libyen Getreide anzubauen. Mit fossilem, nicht erneuerbarem Wasser müssen keine Erdbeeren in Saudi-Arabien bewässert werden ... Wasser wird verschwendet - ohne Gedanken daran, was in zehn, geschweige denn in hundert Jahren passiert.“ Die Verschwendung verschärfe auch regionale Konflikte, so an Nil und Jordan. Um so wichtiger seien sparsamer Umgang mit dem Wasser und zugleich eine intensive regionale Zusammenarbeit.

Auch in Indien gibt es sich verschärfende Konflikte um das knappe Wasser. Sunita Narain, die Leiterin des Zentrums für Wissenschaft und Umwelt in Delhi, stellt in ihrem Beitrag dar, dass gewaltige Infrastrukturprojekte wie Staudämme die Wasserkonflikte verschärfen, statt sie zu lösen. Kritisch stellt die Autorin im Blick auf die Regierungspolitik fest:

„Man versteht nicht, dass die Nation mit dem Wasser auskommen muss, das sie hat. Man ignoriert die örtlichen Verhältnisse, die wichtiger sind als jegliches Planungsdokument. Man unterschätzt das Abwasser, eine Ressource, die nicht vergeudet werden darf.“

Sunita Narain plädiert für lokale und regionale Lösungen der Wasserprobleme: „Im Prinzip braucht jede Stadt eine Strategie, die auf lokalen Reserven, lokaler Versorgung und lokaler Abwasserreinigung basiert. Städte müssen ihr Grundwasser sorgsam beurteilen und solche Reserven effizient nutzen. Externes Wasser sollten sie erst holen, wenn sie ihre eigenen Quellen optimiert haben.“

Auch in den meisten afrikanischen Städten fehlt eine solche effiziente Wassernutzung, und viel Wasser geht durch Leckagen verloren. Mit deutscher Unterstützung ist es in der nordtansanischen Küstenstadt Tanga gelungen, eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, die Wasserverluste zu reduzieren und die Kunden zu veranlassen, ihre Wasserrechnungen zu bezahlen. Im Durchschnitt müssen drei Prozent des Familieneinkommens für die Bezahlung des Wassers aufgewendet werden, der ärmste Teil der Bevölkerung erhält Wasser kostenlos. Einen Grund für die Erfolge, die für andere tansanische Städte zum Vorbild geworden sind, benennt der deutsche Wasserfachmann Dr. Jörg Hartmann in seinem Beitrag so:

„Es war sinnvoll, die Investitionen in die Projekte zu dezentralisieren und die Wasserwerke als voll verantwortliche Investoren zu behandeln. Beides hat auf lokaler Ebene zu dringend benötigtem Selbstvertrauen, zu Fähigkeiten und Verantwortungsbewusstsein geführt. Die Kompetenzen lokaler Berater, Unternehmen und Zulieferer haben sich ebenfalls beträchtlich verbessert.“

Im vierten Beitrag des Themenschwerpunkts "Wasser für jeden" analysiert Frank Kürschner-Pelkmann die bundesdeutsche Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor. In dem Beitrag wird festgestellt, dass in Bereichen wie Brunnenbau, Bewässerungslandwirtschaft und Staudammbau in den letzten Jahrzehnten aus Fehlschlägen viel gelernt worden ist. Umstritten bleibt, auf welchem Wege die oft desolate Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung verbessert werden kann. Hier ist eine stärkere Armutsorientierung erforderlich und es gilt, die Erwartungen an den Beitrag des Privatsektors zu dämpfen. Auch die Weltbank hat in einer Analyse festgestellt, dass die Eigentumsverhältnisse keinen statistisch signifikanten Unterschied bei der Effizienz von Wasserbetrieben auslösen.

Wenn die UN-Millenniumsziele erreicht werden sollen, gilt es, ein soziales Tabu zu brechen:

„In vielen Gesellschaften wird nicht öffentlich über Toiletten und sanitäre Fragen gesprochen. Auch in Regierungsgesprächen kommt dieses buchstäblich anrüchige Thema zu wenig vor ... Die Abwasserentsorgung ist heute in vielen Ländern in einem weit schlechteren Zustand als die Trinkwasserversorgung.“

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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