zur Startseite Frank Kürschner-Pelkmann

Kontakt und Impressum 


aktuelles --- 07.04.2006 ---

Argentiniens Wasserversorgung bald ohne Suez

In der Wirtschaftspresse war Anfang April 2006 zu lesen, dass der französische Suez-Konzern einen Käufer für seine Anteile an dem regionalen argentinischen Wasserversorgungsunternehmen "Aguas Cordobesas" sucht.

Die Meldung konnte nicht überraschen, denn das Argentinien-Engagement des französischen Wasserkonzerns Suez hatte in den letzten Jahren in ein Desaster gemündet. Ende letzten Jahres zog Suez sich aus der Wasserversorgung der Provinz Santa Fé zurück. Schon vorher hatte der internationale Wasserkonzern versucht, seine Anteile an Aguas Argentinas zu verkaufen, dem Unternehmen, das für die Wasserversorgung von Buenos Aires und Umgebung verantwortlich ist. Es fand sich aber kein Käufer. Auch die argentinische Regierung suchte offenbar vergeblich nach einem Investor, der bereit war, den Scherbenhaufen zu übernehmen, den Suez hinterlässt. Unter Verweis auf die schlechten Versorgungsleistungen und die unzureichende Qualität des Wassers kündigte die Regierung schließlich am 21. März 2006 an, dass der Vertrag mit Suez und seinen Partnern mit sofortiger Wirkung beendet sei und die Wasserversorgung in staatlicher Regie fortgeführt werde. Die argentinische Regierung plant nun umfangreiche Investitionen, um die Versorgung zu verbessern und bisher unversorgte Stadtteile an das Leitungsnetz anzuschließen.

Zum Hintergrund: 1993 übernahmen das französische Unternehmen Suez und das spanische Unternehmen Aguas de Barcelona für 30 Jahre die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung für die argentinische Hauptstadt und die umliegenden Kommunen. Dies war Teil der Privatisierungspolitik der Regierung, die unter dem Druck der Kreditgeber stand. Aber das von den ausländischen Konzernen kontrollierte Wasserversorgungsunternehmen "Aguas Argentinas" hat die Erwartungen großer Teile der Bevölkerung von Buenos Aires nicht erfüllt. Es wird die Qualität des Wassers ebenso kritisiert wie der schleppende Anschluss an das Versorgungssystem von Haushalten, die bisher über kein Leitungswasser verfügen.

Der damalige Bürgermeister der Hauptstadt, Fernando de la Rúa, stellte bereits im März 1999 enttäuscht fest: „Aguas Argentinas hatte angekündigt, die Preise um 27 Prozent zu senken. Tatsächlich sind die Preise aber um 20 Prozent gestiegen.“

Ende 1999 wurden die Preise noch einmal um 36 Prozent erhöht. Begründet wurden diese Preiserhöhungen mit notwendigen Investitionen. Aber tatsächlich wurden die Investitionen zu großen Teilen mit Krediten der Weltbank, der Europäischen Entwicklungsbank und anderer internationaler Organisationen finanziert.

Bis 2002 machte Suez beträchtliche Gewinne in Buenos Aires, aber dann geriet das Land immer stärker in eine Wirtschaftskrise, und dies hatte zur Folge, dass die Koppelung des Peso an den US-Dollar aufgehoben wurde. Von dieser Koppelung hatten bis dahin internationale Unternehmen profitiert, denn sie vermieden Währungsrisiken. Nun wurde der Peso stark abgewertet, und die Regierung setzte gegen den Widerstand von Suez durch, dass auch die Wasserpreise auf der Grundlage des Peso und nicht des US-Dollars berechnet wurden. "Aguas Argentinas" wollte daraufhin die Wasserpreise kräftig erhöhen, um die realen Einnahmen wieder auf das alte Niveau zu bringen. Dies wurde von den Behörden verweigert, und es kam in den folgenden Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen über Wasserpreiserhöhungen. "Aguas Argentinas" machte - wie viele andere Unternehmen des Landes - erhebliche Verluste, die Suez nicht hinnehmen wollte. Der französische Konzern verklagt die argentinische Regierung seither vor dem International Centre for the Settlement of Investment Disputes, einer Schiedsstelle der Weltbank, auf einen Schadensersatz von 1,7 Milliarden Dollar. Neutral ist diese Schiedsstelle nur eingeschränkt, denn eine andere Weltbank-Tochter hält eine Beteiligung an "Aguas Argentinas". Suez hat außerdem eine Klage auf Schadenersatz über 190 Millionen Dollar im Blick auf das gescheiterte Engagement in Santa Fe eingereicht.

Die Tageszeitung Buenos Aires Herald verwies am 6. April 2006 darauf, dass es bei der rechtlichen Auseinandersetzung auch um die Frage gehen wird, welche Leistungen "Aguas Argentinas" seit 1993 tatsächlich erbracht hat: "Die französische Unternehmensgruppe stellt die Behauptung auf, dass zwei Millionen Haushalte an das Wasserleitungsnetz und eine Million an das Abwassernetz angeschlossen worden seien. Demgegenüber betonen Kritiker, dass die Hälfte der Haushalte in Buenos Aires keine Abwasseranschlüsse besitze und ein Drittel keine Trinkwasseranschlüsse." 300.000 Einwohner im Großraum Buenos Aires erhielten stark mit Nitrat belastetes Wasser. Unstrittig ist, dass die Klärung des Abwassers bisher in einem katastrophalen Zustand ist. Fast die gesamten Abwässer von Buenos Aires sind bisher ungeklärt in den Fluss gepumpt worden, weil nicht in Kläranlagen investiert wurde. Das geht aus einer Pressemeldung des Weltbank-Tochterunternehmens International Finance Corporation vom 14. April 2003 hervor. Die Finanzierungseinrichtung stellte einen Kredit zur Verfügung, um diesen Zustand innerhalb von fünf Jahren zu verbessern. Die Folge des Missstandes: Der Rio de la Plata (der "Silberfluss") ist in manchen Bereichen zu einer Kloake geworden.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Aktuelle Nachrichten aktuelles-Archiv
Aktuelle Meldungen

wasser-und-mehr.de, Copyright © 2006-2010 Kürschner-Pelkmann