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aktuelles --- 17.04.2006 ---

Wasserreiches Lesotho leidet unter Dürre

NASA-Luftaufnahme von Lesotho

Das Hochland von Lesotho ist wasser- und schneereich, wie auf der Luftaufnahme der NASA zu sehen ist. Lesotho macht gute Geschäfte mit diesem Wasserreichtum. Jedes Jahr nimmt der nur 30.000 Quadratkilometer großen Binnenstaat, der von Südafrika eingeschlossen ist, fast 30 Millionen Dollar durch den Verkauf von Wasser an seinen reichen Nachbar ein. Das entspricht 75% des Staatsetats. Das Wasser wird in zwei großen Stauseen gespeichert und dann in Rohren in die Region Johannesburg geleitet. Zusätzlich wird mit Turbinen Elektrizität erzeugt. Das Lesotho Highland Water Project, das mit großer Unterstützung der Weltbank entstand, gilt den Befürwortern als strahlendes Beispiel dafür, wie Länder durch eine beiderseits nützliche Zusammenarbeit Wasserprobleme lösen können.

Allerdings muss es irritieren, dass Lesotho einerseits 20-26 Kubikmeter Wasser pro Sekunde exportiert, andererseits aber in der Hauptstadt Maseru und einigen anderen niedriger gelegene Landesteilen Wasserknappheit herrscht. Wie der UN-Informationsdienst IRINnews am 21. März 2006 berichtete, mussten während der Dürreperiode in den ersten Monaten des Jahres viele Frauen viele Kilometer weit laufen, um einen Kanister Wasser zu holen. In dem Beitrag beschreibt eine der Frauen, Makemohele Koetle, die südwestlich von Maseru lebt, ihre Erfahrungen so:

„Das Leben ist schwierig geworden, denn wir müssen jedes Mal große Entfernungen zurücklegen, um an eine Stelle zu kommen, wo wir Wasser holen können. Und wenn wir dort ankommen, warten schon viele Leute vor uns darauf, an die Reihe zu kommen.“

Der Wassermangel hat auch auf die Landwirtschaft gravierende Auswirkungen. "Lesotho hungert im Schatten des reichen Südafrika". So lautete am 7. Februar 2006 der Titel eines BBC-Berichts von Justin Pearce aus Lesotho . In dem Beitrag kommt der Bauer Moloko Lekhoana zu Wort. Er berichtete: "Im letzten Jahr habe ich nur drei Sack Mais geerntet." Und die Trockenheit in diesem Jahr lässt nicht erwarten, dass es eine bessere Ernte geben wird. Die Bewohner seines Dorfes Morifi bauen bereits seit einem Jahr mit finanzieller Unterstützung der Regierung und des World Food Programme einen Erdwall, mit dem in der Regenzeit das Wasser aufgefangen werden soll. Es wird damit gerechnet, dass es noch ein weiteres Jahr dauern wird, bis der Damm in Handarbeit fertig gestellt ist.

Dieser Dammbau mit einfachsten Hilfsmitteln bildet einen deutlichen Kontrast zu dem gewaltigen Einsatz von Technik, Fachleuten und Kapital für den Bau der Staudämme, die helfen, das Wasser für den Export nach Südafrika zu speichern. Zwar gibt es Pläne für den Bau des Metolong-Staudamms nahe Maseru, um Wasser für trockene Regionen des Landes zu speichern, aber dafür müssen noch Kredite beschafft werden. Dieses Vorhaben rentiert sich im Gegensatz zum Wasserexport nicht, und so ist die Finanzierung schwierig.

Währenddessen wird die Lebenssituation der Menschen in den niederschlagsarmen Gebieten Lesothos immer schwieriger. Mit dem Wassermangel geht eine Verschlechterung der Bodenqualität einher, sodass in den ersten Monaten des Jahres 2006 ein Viertel der Bevölkerung Lesothos unter Hunger gelitten hat. Moloko Lekhoana sieht einen Hauptgrund dafür in der Überweidung: "Die Tiere sind überall herumgezogen." Die Dürre hatte allerdings inzwischen zur Folge, dass viele Tiere verhungert sind oder aus wirtschaftlicher Not verkauft werden mussten. So fehlen vielen Bauernfamilien mittlerweile Tiere, um die Pflüge zu ziehen, sodass manche Felder nicht mehr bestellt werden. Ein weiterer Grund für die Bodenerosion sind Monokulturen. Viele Landwirte haben Jahr für Jahr Mais angebaut. Jetzt nehmen die Erträge drastisch ab.

Die landwirtschaftlichen Erträge sind zu einer Zeit zurückgegangen, wo die Bevölkerung von knapp zwei Millionen Menschen dringender denn je auf sie angewiesen ist. Bis vor einigen Jahren arbeiteten hunderttausende Männer in südafrikanischen Bergwerken. Aber Rationalisierungsmaßnahmen und die Erschöpfung mancher Rohstoffvorkommen haben dazu geführt, dass die Zahl dieser Wanderarbeiter ständig zurückgeht. Beschäftigungsmöglichkeiten im eigenen Land gibt es aber außerhalb der Landwirtschaft kaum und entsprechend groß ist die Not der Familien, die nun vollständig auf diese Einnahmequelle angewiesen sind. 45% der Erwachsenen sind arbeitslos, und der Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der offiziellen Armutsgrenze lebt, wird mit 49% angegeben. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Kosten der Familien für die Behandlung von AIDS-Patienten ständig steigen. Es wird geschätzt, dass etwa ein Drittel der Erwachsenen in Lesotho von HIV/AIDS betroffen sind.

Katse Dam in Lesotho

Gegenwärtig nehmen die kritischen Stimmen zum "Lesotho Highland Water Project" weiter zu. Wie bei vielen ähnlichen Staudammprojekten sind auch in diesem Falle beträchtliche Bestechungsgelder geflossen. Der Generaldirektor des Projektes, Masuphe Sole, ist wegen der Annahme einer Bestechungssumme in Millionenhöhe zu einer 15-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Aber auch der kanadische Acres-Konzern und das deutsche Unternehmen Lahmeyer International wurden zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil sie der Bestechung überführt wurden. Weitere Unternehmen wie Hochtief müssen mit einer Anklage rechnen, wenn die personell schlecht ausgestattete Justiz in Lesotho es schafft, die Prozesse vorzubereiten. Im Februar 2006 wurde Anklage gegen einen weiteren Verantwortlichen des "Lesotho Highland Water Project" erhoben, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Und wieder fällt bei der Frage, wer gezahlt haben könnte, der Name Lahmeyer International.

In Lesotho haben sich viele der fast 30.000 Menschen organisiert, die durch das Fluten der ersten beiden Stauseen aus ihren Wohngebieten vertrieben wurden und die Kompensationszahlungen als völlig unzureichend ansehen. Viele der vertriebenen und umgesiedelten Familien wohnen zwar in der Nähe der Stauseen, erhalten aber nichts von dem gespeicherten Wasser, sondern leiden unter Wassermangel. International finden sie Unterstützung durch Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie International Rivers Network . Der Widerstand dagegen, in den nächsten Jahren einen dritten Staudamm für den Wasserexport nach Südafrika und die Stromerzeugung zu errichten, wächst in Lesotho und international. Gegenwärtig finden Untersuchungen zur Vorbereitung des Baus statt, der frühestens in vier Jahren fertig gestellt sein soll. Ende Februar wurde bekannt, dass einer der beiden vorhandenen Staudämme einen Riss aufwies. Dies verstärkte die Vorbehalte gegen das größte Staudammprojekt Afrikas. Die Verantwortlichen beeilten sich zu betonen, dass es sich um ein kleines Vorkommnis handle, das bei einem so großen Bauwerk zu erwarten sei Gefahr ging von dem Schaden nicht aus. Aber das Vertrauen vieler Menschen in Lesotho in Aussagen und Ankündigungen der Betreiber des "Lesotho Highland Water Project" ist inzwischen deutlich gesunken.

Nach Auffassung von Umweltschutzorganisationen wie des "International Rivers Network" gibt es Alternativen zum Bau der Staudämme und zum Wassertransfer nach Südafrika. Konsequentes Wassersparen, die Beseitigung von Leckagen in den Leitungsnetzen und die verstärkte Nutzung von Wasserkreisläufen in der Industrie würden es ermöglichen, den südafrikanischen Wasserverbrauch drastisch zu vermindern. Die Kritiker können sich darauf berufen, dass die World Commission on Dams strenge Auflagen für den Bau von Staudämmen erarbeitet hat und Institutionen wie die Weltbank sich verpflichtet haben, sich an diesen Maßstäben zu orientieren. Das Staudammprojekt in Lesotho ist allerdings bisher ein Beispiel dafür, wie dringend notwendig es ist, die Kriterien tatsächlich im Interesse der betroffenen Bevölkerung und der Natur einzuhalten.

Hinweis: In "Das Wasser-Buch" von Frank Kürschner-Pelkmann finden Sie einen Abschnitt zur Geschichte des "Lesotho Highland Water Project".

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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