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aktuelles --- 23.05.2006 ---

Arme sind Opfer des globalen Klimawandels

Titelseite der Studie von Christian Aid

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden unter ungünstigen Bedingungen mehr als 180 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara an den Folgen des globalen Klimawandels sterben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der britischen Entwicklungsorganisation Christian Aid. Die Studie unter dem Titel „The climate of poverty: facts, fears and hope“ stellt im Detail dar, wie sich der Klimawandel in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien auswirkt. Wenn nichts Entscheidendes geschieht, so Christian Aid, drohen die bisherigen Erfolge des Engagements für eine sinnvolle und nachhaltige Entwicklung zunichte gemacht zu werden.

Unter Berufung auf verschiedene Studien zum Klimawandel wird dargestellt, dass sich die Zahl der Dürre- und Flutkatastrophen bereits in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht hat und noch weiter zunehmen wird. Zwar lässt sich wissenschaftlich noch nicht exakt bestimmen, in welchem Maße die Klimaveränderungen zur Erhöhung der Zahl und der Stärke von Naturkatastrophen beigetragen haben, aber dass ein enger Zusammenhang besteht, ist sehr wahrscheinlich. Auffällig ist auch, dass die Menschen in wirtschaftlich armen Ländern sehr viel stärker von den Katastrophen betroffen sind als die Menschen in reichen Ländern. Dies liegt u.a. daran, dass arme Länder sehr viel weniger Geld für den Küstenschutz und andere vorbeugende Maßnahmen aufwenden können und dass viel Arme gezwungen sind, in Gebieten zu leben, die besonders flutgefährdet sind.

In unserem Jahrhundert werden die Meeresspiegel um bis zu 95 Zentimeter steigen, eine erschreckende Perspektive für Küstenregionen in aller Welt, vor allem aber für die sehr flachen pazifischen Atolle. Sehr bedrohlich ist auch die Ausweitung der malaria-gefährdeten Regionen durch die Erhöhung der Durchschnittstemperaturen. Betroffen sind zum Beispiel Bergregionen Tansanias und Ruandas, die in der Vergangenheit malaria-frei waren. Außerdem zeichnet sich ab, dass die Ernteerträge in verschiedenen Regionen in Afrika als Folge von höheren Temperaturen und unregelmäßigeren Niederschlägen deutlich sinken werden. Es ist zu befürchten, dass all diese Prozesse die Zahl der Umweltflüchtlinge stark erhöhen werden.

Am Beispiel Kenias wird in der Studie dargestellt, wie eine zunehmende Zahl langer Dürreperioden sowie ein Schwinden der Wasserressourcen die gesellschaftlichen Konflikte verschärfen. Vor allem im Norden Kenias ist es wegen Dürren und Wassermangel zu Konflikten unter Viehzüchtern, aber auch zwischen ihnen und Ackerbauern gekommen. Viele dieser gewaltsamen Auseinandersetzungen sind das Ergebnis von verzweifelten Lebenssituationen. Christian Aid weist außerdem darauf hin, dass die Konflikte eine immer größere Zahl von Opfern fordern, weil inzwischen moderne Waffen in Kenia und seinen Nachbarstaaten weit verbreitet sind. Zunehmend kommt es in der Region auch zu grenzüberschreitenden Kämpfen, was zu zwischenstaatlichen Konflikten führt und eine Eskalation der Auseinandersetzungen heraufbeschwört.

In Bangladesch zeigt sich, wie verschiedene Folgen des Klimawandels sich gegenseitig verstärken können. Der steigende Meeresspiegel und heftigere Taifune bedrohen vor allem 35 Millionen Menschen in den Küstengebieten. Allein bei der Flutkatastrophe 2004 wurden 30 Millionen Menschen obdachlos. 80% der erwarteten Ernte des Landes wurden zerstört. Gleichzeitig nimmt die Wassermenge in den Flüssen zu, weil die Gletscher des Himalaja als Folge der höheren Durchschnittstemperaturen auf dramatische Weise schrumpfen. Höhere Meeresspiegel und mehr Flusswasser zusammen werden Bangladesch in den kommenden Jahrzehnten immer wieder überfluten, muss befürchtet werden. Die längerfristigen Perspektiven sind nicht günstiger, denn wenn die Himalaja-Gletscher erst einmal auf ein Minimum geschrumpft sind, wird die durchschnittliche Menge des Flusswassers deutlich abnehmen. Dass Wasser der Flüsse bildet aber die Grundlage für die Landwirtschaft und damit die Grundlage des Überlebens der meisten Familien in Bangladesch.

Großes Gewicht wird in der Studie auf Möglichkeiten gelegt, die Klimaveränderungen abzumildern. Dies ist vor allem eine Verantwortung in den wirtschaftlich reichen Ländern der Welt. Es sei aber auch nötig, in ärmeren Ländern Schritte zu unternehmen, um den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen zu vermindern. Das gelte besonders für „Schwellenländer“ wie China, Indien und Südafrika. In anderen afrikanischen Ländern bieten Projekte zur Erzeugung von nicht-fossiler Energie zahlreiche neue Arbeitsplätze und Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung. Dies gilt besonders für Vorhaben im Bereich der Solarenergie. Aber auch Wasserkraft, Windenergie und andere regenerative Energieformen ermöglichen die Deckung des größten Teils des Energiebedarfs. Bisher besitzen nur 8% der ländlichen Haushalte in Afrika südlich der Sahara einen Elektrizitätsanschluss. Das macht das Leben in vielerlei Hinsicht mühsamer und hat den Effekt, dass die Abholzung zur Brennholzgewinnung weiter zunimmt. Zum Beitreiben von Wasserpumpen kann Solarenergie genutzt werden, während heute unter hohen Kosten Dieselpumpen eingesetzt werden. Auch volkswirtschaftlich hat eine solche Energiewende große Vorteile, denn ärmere afrikanische Länder werden so unabhängiger von Ölimporten und können die eingesparten Devisen für andere Zwecke nutzen.

Weiter steigende Ölpreise lassen es als dringend geboten erscheinen, alternative Energieformen systematisch zu fördern. Hierfür ist auch ein sehr viel stärkeres Engagement der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und der vielen nichtstaatlichen Entwicklungsorganisationen erforderlich. Parallel dazu muss sehr viel mehr geschehen, um die Ursachen für die globalen Klimaveränderungen in den westlichen Industriestaaten möglichst rasch zu beseitigen. Die Studie von Christian Aid zeigt überzeugend auf, dass die Klimakatastrophe sich vor allem für die Armen der Welt verheerend auswirkt, dass es aber praktikable und erprobte Möglichkeiten gibt, diesen Prozess zu stoppen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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