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aktuelles --- 29.05.2006 ---

Impressionen in der südafrikanischen Kapregion

Neues Haus in Masiphumelele

Masiphumelele - wir haben gesiegt. Dieser Xhosa-Name einer Townships 30 Kilometer von Kapstadt entfernt, überrascht auf den ersten Blick. Denn bei der Ankunft in Masiphumelele habe ich zunächst vor allem Hütten gesehen, die aus Holzresten und Wellblech provisorisch zusammengehämmert worden waren. Aber wenn man mit Charlotte Nomthunzie einen Rundgang durch die Township macht, lernt man schnell, warum der Name dennoch gerechtfertigt ist. Wenn ein Mitglied einer Familie eine Anstellung findet, besteht die Chance, die Hütte durch ein solides Haus zu ersetzen. Es fällt auf, wie viele Häuser inzwischen fertig gestellt oder im Bau sind. Charlotte erklärt, dass die Township-Bewohner Zuschüsse für den Hausbau erhalten können, wenn ein gewisses eigenes Kapital vorhanden ist. Weitergebaut wird, wann immer neues Geld eingenommen wird.

Masiphumelele gehört mit gut 20.000 Einwohnern zu den kleinen Townships, und hier zeigen deshalb auch kleinere Programme Wirkung. Dazu gehören zum Beispiel ein Kindergarten, eine Tauschbörse und ein Gartenprojekt, die wir besuchen konnten. Zu den erfolgreichen Initiativen gehört auch die Band Buyambo, die Charlotte für den Abschluss des Rundgangs engagiert hat. Die Band, die mit Trommeln, Marimbas, Hörnern, Rasseln und Gesang eine begeisternde Musik produziert, ist gerade von einer Auslandstour zurückgekehrt und verkauft eigene CDs.

Ein gutes Beispiel für die Aufbruchsstimmung wenigstens von Teilen der Bevölkerung von Masiphumelele ist Charlotte selbst. Ihre Mutter war Hausangestellte, und die jüdische Familie, bei der sie arbeitete, ermöglichte der Tochter Charlotte eine gute Schulbildung. Schon seit einigen Jahren organisiert sie nun in perfektem Englisch Touren durch Masiphumelele, scheint fast jeden zu kennen, den sie auf der Straße trifft, und arrangiert nebenbei per Handy die nächste Tour.

Nicht alle Bewohner von Masiphumelele entwickeln eine solche Dynamik und haben so gute Voraussetzungen, den sozialen Aufstieg zu schaffen. Aber immerhin gibt es inzwischen eine flächendeckende Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Und es gibt vor allem im Tourismus der Kapregion mindestens in der Hauptsaison Jobs. Allerdings ist die Kluft zwischen Arm und Reich in Südafrika insgesamt und auch in der Kapregion enorm groß. Die Armen haben weiterhin fast alle eine dunkle Hautfarbe und die Reichen sehr überwiegend eine weiße. Das schafft Spannungen, und trägt auch zur recht hohen Kriminalität bei. Dass an vielen Häusern, in denen wohlhabendere Familien wohnen, ein Schild mit der Aufschrift „Armed Response“ prangt, macht nachdenklich. Einbrecher werden gewarnt, dass sie mit einer Gegenwehr mit Schusswaffen rechnen müssen - wenn nicht von den Bewohnern, dann von einem der vielen privaten Sicherheitsdienste.

Allerdings ist die Sicherheitssituation weniger bedrohlich als zum Beispiel in Johannesburg, und wer bestimmte Verhaltensregeln beachtet, kann sich in der Kapregion durchaus sicher fühlen. Das tun offenbar auch viele Hunderttausend ausländische Touristen und die zahlreichen Ausländerinnen und Ausländer, die sich Apartments oder Häuser am Kap kaufen. Wer durch die Geschäftsstraßen der Kleinstädte Fish Hoek oder Simonstown auf der Kaphalbinsel spazieren geht, stößt auf zahlreiche Immobilienfirmen - darunter auch Dependenzen eines deutschen Unternehmens, das ansonsten hauptsächlich Villen und luxuriöse Eigentumswohnungen in Hamburg verkauft. Der Immobilienboom hat zu drastischen Preissteigerungen geführt, und macht es noch unwahrscheinlicher, dass bald sehr viele schwarze Familien nach Fish Hoek ziehen. Bisher konnte sich das nur eine einzige Familie leisten.

Fish Hoek ist ein günstiger Ausgangspunkt für die Erkundung von Kapstadt und der Kaphalbinsel. Der Ort liegt auf halber Strecke zwischen dem Zentrum von Kapstadt und dem Kap der Guten Hoffnung. Ein Vorortszug fährt häufig und erreicht nach knapp einer Stunde den Hauptbahnhof von Kapstadt. Wer es gut plant, kann die Fahrt in einem etwas altertümlichen, sehr gemütlichen Speisewagen zurücklegen, der manchen Zügen angehängt ist.

Robben-Island

In Kapstadt selbst gibt es so viel zu entdecken, dass zwei Wochen Urlaub nicht ausreichen. Zu den eindrucksvollsten Zielen gehört die Insel Robben Island vor der Küste von Kapstadt. Dort befand sich früher ein Gefängnis, wo während der Apartheid-Zeit viele politische Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden, darunter auch Nelson Mandela. Wer das Gefängnis besucht und von einem früheren politischen Häftling erfahren hat, wie die Menschen hier drangsaliert wurden, dem erscheint es noch mehr als Wunder, dass Nelson Mandela und seine Mithäftlinge den weißen Herrschern die Hand zur Versöhnung und zum gemeinsamen Aufbau des neuen Südafrika gereicht haben.

District Six Museum

Die Geschichte der Apartheid und all die Absurditäten des Systems werden auch im District Six Museum eindrucksvoll deutlich. Der „District Six“ am Rande des Stadtzentrums von Kapstadt war bis in die 1970er Jahre ein quirliges Wohnquartier, in dem Menschen aller Rassen zusammenlebten und -feierten. Aber ein solches funktionierendes Miteinander über die Rassengrenzen hinweg durfte es im Apartheid-Staat nicht geben, zeigte es doch, wie hohl die offizielle Ideologie war, dass die Menschen in Südafrika von sich aus getrennt nach Rassen leben wollten. Also wurde der „District Six“ zum „weißen“ Gebiet erklärt und die bisherige Bebauung zerstört. Dies geschah gegen den massiven Widerstand der gesamten Bevölkerung des Viertels, und als endlich alles einplaniert war, nahmen auch die weißen Südafrikaner Abstand davon, sich hier anzusiedeln. Zu sehr war die Räumung des Viertels zu einem Symbol der Brutalität des Apartheid-Systems geworden. Die Kirchen, Moscheen und Synagogen wurden nicht mit abgerissen und erinnern an die Zeit, als hier Menschen unterschiedlicher Religionen und Glaubensüberzeugungen zusammengelebt haben. Jahrelang lag das Gebiet nach der Zerstörung öde da, bis die weiße Regierung dort eine Polytechnische Hochschule bauen ließ, um wenigstens einen Teil der leeren Flächen zu nutzen.

An die Geschichte des Viertels erinnert heute das „District Six Museum"“, das in einer früheren Kirche des Viertels untergebracht ist. Auf sehr eindrucksvolle Weise wird hier gezeigt, wie das Leben in diesem Viertel früher pulsierte und daraus dann auf brutale Weise eine kahle Fläche gemacht wurde. Es wurden u.a. zahlreiche historische Fotos gesammelt, auf denen frühere Bewohner sich oder ihre Eltern wiedererkennen. So ist dieses Haus auch eine Gedenkstätte, und auf einer großen Karte des früheren Viertels können frühere Bewohnerinnen und Bewohner dort ihren Namen eintragen, wo sie einmal gewohnt haben. Auch finden Seminare statt, bei denen Menschen, die aus dem „District Six“ vertrieben wurden, ihre Geschichte erzählen und versuchen können, diese traumatischen Erfahrungen zu bearbeiten. Auch viele Schulklassen kommen ins Museum, damit die Apartheid-Geschichte, die nicht mehr die eigene Erfahrung der Schulkinder ist, nicht in Vergessenheit gerät.

Das heutige „bunte“ Leben in Kapstadt kann man im „Company's Garden“ erleben, einem großen Park im Zentrum der Stadt, wo Menschen aller Rassen flanieren oder an den Tischen des sehr empfehlenswerten Gartenrestaurants sitzen. Am Rande des Parks liegt das South African Museum, in dem es zum Beispiel lohnt, die Abteilung mit Felszeichnungen zu besuchen.

Zu den weiteren Attraktionen Kapstadts gehört die Water Front, ein großes Gelände am Hafen mit Restaurants, Läden und dem Two Oceans Aquarium, in dem man stundenlang zahlreiche Fische wie Haie, aber auch Pinguine und Seehunde beobachten kann. Nicht nur an Regentagen ist dies ein lohnendes Ausflugsziel.

Wer Pinguine in der Natur beobachten will, der ist in Simonstown richtig. Am Rande der kleinen Hafenstadt hat sich eine große Pinguin-Kolonie angesiedelt, die von Holzbohlenwegen aus beobachtet werden kann. Fährt man weiter zum Kap, stößt man auf Affen-Familien, die das Gelände durchstreifen und gelernt haben, welche kulinarischen Leckereien in den Taschen mancher Touristen zu finden sind. Zum picknicken eignet sich das Gebiet deshalb allenfalls eingeschränkt, aber als Alternative gibt es das ausgezeichnete „Two Oceans Restaurant“.

Sehr sehenswert ist auch der Kirstenbosch Botanical Garden, der die vielfältige Pflanzenwelt des südlichen Afrika in einem großzügig gestalteten Park mit angrenzendem Naturschutzgebiet von insgesamt von 528 ha versammelt hat. Es gibt u.a. einen Duftgarten, einen Protea-Garten und einen Steingarten. Zusätzlich gibt es inzwischen auf den Park verteilt zahlreiche moderne Steinskulpturen aus Simbabwe. Ein Besuch in diesem Botanischen Garten ist sehr zu empfehlen.

Unser Ausgangspunkt für das Kennenlernen von Kapstadt und Kapregion war das Sunny Cove Manor, ein „bed and breakfeast“ direkt oberhalb des Meers, wo man - zur richtigen Jahreszeit - vom großen Zimmerfenster aus die Wale aus der Nähe betrachten kann. Sunny Cove Manor - bed and breakfeast„Sunny Cove Manor“ wird von dem amerikanischen Ehepaar Peter und Solveig Kjeseth betrieben. Sie haben sich früher in den USA gegen die Apartheid in Südafrika und Namibia engagiert und sich vor einigen Jahren bei einem Besuch in dieses Haus verliebt, das zu den ältesten Gebäuden in der Region gehört. Morgens beim reichlichen Frühstück geben sie gern jede Menge Tipps für Exkursionen und schaffen es auch, ihre Gäste miteinander ins Gespräch zu bringen, woraus schon gemeinsame Unternehmungen entstanden sind. Ganz in der Nähe des Hauses befindet sich eine Station des Vorortszuges nach Kapstadt. Und gern wird auch der Kontakt zu Charlotte hergestellt, um Masiphumelele zu besuchen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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