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aktuelles --- 14.06.2006 ---

ILO analysiert globalen Arbeitsmarkt

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„Die Liberalisierung des Handels und der Kapitalströme im Verein mit enormen Verbesserungen im Bereich der Kommunikation und des Transports bedeutet jedoch, dass mehr und mehr Arbeitnehmer und Arbeitgeber zunehmend in einem globalen Markt konkurrieren“, schreibt der Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, Juan Somavia, in seinem Bericht für die Internationale Arbeitskonferenz, die in den ersten zwei Juni-Wochen in Genf getagt hat. Der Bericht unter dem Titel „Sich wandelnde Strukturen in der Welt der Arbeit" analysiert detailliert, wie sich die wirtschaftliche Globalisierung auf die Arbeitsmärkte in Industrie- und Entwicklungsländern auswirkt. In seiner Einleitung schreibt der ILO-Generalsekretär: „Die Forderung nach Gerechtigkeit im Funktionieren der globalen Märkte und fairen Regeln für die Globalisierung nimmt rasch zu.“ Die ILO setzt sich in dieser Situation für eine menschenwürdige Arbeit als globalem Ziel ein.

Im ILO-Bericht wird dargestellt, wie sich die Einkommenskluft zwischen armen und reichen Ländern, aber auch innerhalb der Länder, ständig vergrößert. Im Bericht heißt es dann: „Die Hälfte der Arbeitskräfte der Welt arbeitet in Armut, und sie sind in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht von der Globalisierung ausgeschlossen ...“ So sind die Reallöhne unqualifizierter Arbeitskräfte in der afrikanischen und lateinamerikanischen Industrie in den letzten Jahren gefallen. 535 Millionen arbeitende Männer und Frauen auf der Welt erzielen ein Einkommen von weniger als zwei Dollar am Tag. Demgegenüber haben sich Beschäftigung und Lohnniveau im verarbeitenden Gewerbe in wirtschaftlich erfolgreichen Ländern wie China, Indien und Malaysia erhöht.

Von 1995 bis 2005 nahm die Zahl der Arbeitslosen von weltweit 157,3 Millionen auf 191,8 Millionen zu. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 6,0% auf 6,3%. Beunruhigend ist vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Entwicklungsländern, die zwei- bis dreimal so hoch ist wie unter Erwachsenen. Besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind junge Frauen. In sich entwickelnden Volkswirtschaften hat sich laut ILO-Bericht zudem gezeigt, „dass die Liberalisierung des Handels und der Investitionen zu einem größeren geschlechtsspezifischen Lohngefälle geführt hat“. Als ein Grund hierfür wird der Lohndruck in hochmobilen arbeitsintensiven Firmen (etwa im Textilbereich) genannt, wo besonders viele Frauen tätig sind.

Im Blick auf Arbeitsplatzverluste wird festgestellt, dass Billigimporte bisher wenig Auswirkungen haben, aber viele Arbeitnehmer in einzelnen besonders betroffenen Branchen sich vor der Arbeitslosigkeit fürchten. Das Ausmaß der Auslagerung im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich sei "nach wie vor bescheiden und dürfte in einem schrittweisen Tempo wachsen, das keine plötzlichen Gesamtauswirkungen auf die Arbeitsmärkte der entwickelten Länder haben wird“.

Der Globalisierungsprozess hat wesentlich dazu beigetragen, dass die internationale Arbeitsmigration rasch zunimmt. Nach ILO-Angaben gab es im Jahre 2000 bereits 86 Millionen Arbeitsmigranten auf der Welt. Rechnet man die Familienangehörigen hinzu, die mit immigriert sind, erreichte die Zahl der Betroffenen 175 Millionen Menschen, was 3% der Weltbevölkerung entspricht. 10 bis 15% der Migranten leben illegal im jeweiligen Aufenthaltsland und sind damit besonders gefährdet, Opfer von Zwangsarbeit und sexueller Ausbeutung zu werden.

Initiativen der ILO und zahlreicher Nichtregierungsorganisationen in aller Welt haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Zahl der arbeitenden Kinder in den letzten vier Jahren um 11% vermindert hat. Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der Kinder in gefährlichen Tätigkeiten in den letzten vier Jahren sogar um 26% zurückgegangen ist. Die Konzentration der Kampagnen gegen die erzwungene Arbeit von Kindern auf gefährliche Tätigkeitsbereiche hat sich also positiv ausgewirkt. Dies zeigt sich auch darin, dass die Zahl der Kinder von 5 bis 14 Jahren in diesen gefährlichen Tätigkeiten sogar um 33% zurückgegangen ist.

Beunruhigend ist weiterhin die Zahl von 2,2 Millionen Menschen, die jedes Jahr durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sterben. Schwer wiegende, nicht tödliche Unfälle treffen jedes Jahr 270 Millionen Arbeitnehmer. Die tatsächlichen Zahlen sind vermutlich noch wesentlich höher, weil in einer ganzen Reihe von Ländern Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle weder festgestellt noch gemeldet werden. Ein besonderer Problembereich ist im Blick auf Arbeitsunfälle der informelle Sektor.

Die ILO äußert sich in ihrem Bericht insgesamt ausgesprochen kritisch zum informellen Sektor: „Das Wachstum der informellen Ökonomie zu stoppen und umzukehren, ist eine prioritäre Aufgabe in vielen Entwicklungsländern. Sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer in der informellen Wirtschaft leiden unter Unsicherheitsfaktoren, die auf einen Mangel an fairen und durchsetzbaren Regeln beruhen. Schwache Eigentumsrechte verhindern Investitionen. Die unzureichende Durchsetzung von Arbeitsgesetzen begünstigt die Verbreitung gefährlicher Arbeitsmethoden, überlanger Arbeitszeiten und niedriger Löhne.“

Im Bericht wird festgestellt, dass die informelle Wirtschaft oft der Überlebenssicherung dient, und es heißt deshalb zu den Strategien zur Überwindung dieser Probleme u.a.: „Die Informalität muss verringert werden, indem man die Armut bekämpft, in der sie ihre Wurzeln hat.“

Angesichts des globalen Trends zur Flexibilisierung der Arbeit betont der Bericht, wie wichtig die Durchsetzung der ILO-Arbeitsnormen ist, die es den Beschäftigten erlauben, Grundfreiheiten geltend zu machen. Die internationalen Übereinkommen sichern den Beschäftigten u.a. das Recht auf die Mitgliedschaft in Gewerkschaften, verbieten Zwangsarbeit und Kinderarbeit, sollen Diskriminierungen aller Art verhindern und legen Mindeststandards auf Gebieten wie Arbeitsschutz und Länge der Arbeitszeit fest. Im globalen Wettbewerb um Arbeit und Gewinne kommt den ILO-Arbeitsnormen eine wachsende Bedeutung zu, um Lohn- und Sozialdumping so weit wie möglich zu verhindern.

Der Bericht „Sich wandelnde Strukturen in der Welt der Arbeit“ der ILO kann auf der Website der internationalen Organisation auf Deutsch als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Weitere Informationen zur Arbeit der ILO sind auf der Website der Vertretung in Deutschland der Internationalen Arbeitsorganisation zu finden: http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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