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aktuelles --- 18.06.2006 ---

Der Kampf gegen die globale Wasserkrise

Titelseite der Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte

Mitte des Jahrhunderts könnten bis zu sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein. Dies ist der Ausgangspunkt dafür, dass die Beilage „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Ausgabe 25/2006 der Wochenzeitung Das Parlament sich dem Thema „Wasser“ widmet. Im einleitenden Essay des Heftes stellt Frank Kürschner-Pelkmann dar, warum die Wasserknappheit nicht automatisch gute Geschäfte mit dem Gut Wasser ermöglicht. „Der Traum vom schnellen Wasser-Geld“, so das Ergebnis der Analyse der bisherigen Privatisierung von Trinkwasser, hat oft zu Verlusten bei den beteiligten Unternehmen, zu einer Desillusionierung von lokalen Politikern und Entwicklungsorganisationen und vor allem zu einer schlechten Versorgung der Bevölkerung geführt.

Hermann Lotze-Campen befasst sich in einem Beitrag mit dem Zusammenhang von „Wasserknappheit und Ernährungssicherung“. Er sieht vorher, dass bei zunehmender Verknappung verstärkt um das verbliebene Wasser konkurriert wird. Die Aufgabe bestehe deshalb darin, die weltweite Nahrungsmittelproduktion in den nächsten 25 Jahren um etwa 40% zu erhöhen und gleichzeitig den landwirtschaftlichen Wasserverbrauch um 10 bis 20% zu vermindern. Dies erfordert eine Effizienzsteigerung bei der landwirtschaftlichen Wassernutzung. Dafür gibt es durchaus Möglichkeiten:

Etwa 60 Prozent der globalen Agrarproduktion findet ohne künstliche Bewässerung statt. In wasserarmen Regionen wie z.B. Sub-Sahara-Afrika kann eine bessere Nutzung des anfallenden Regens durch einfache, kostengünstige Maßnahmen erzielt werden ... Auch in der künstlichen Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen gibt es noch ein großes Potenzial für Effizienzgewinn. In vielen Bewässerungssystemen erreichen nur etwa 25 bis 30 Prozent des zugeführten Wassers auch tatsächlich die relevanten Nutzpflanzen.

Holger Hoff und Zbigniew W. Kundzewicz vom Potsdam Institut für Klimaforschung analysieren in der Beilage von „Das Parlament“, wie sich der globale Klimawandel auf die Süßwasservorräte auswirkt. Global werden steigende Temperaturen zu einer Erhöhung der Niederschläge führen, es ist aber zu erwarten, dass eine Reihe von Trockengebieten noch trockener werden. Die Autoren befürchten, dass im Südlichen Afrika die Niederschlagsmenge zurückgehen und die Temperaturen in allen Teilen Afrikas steigen werden, einer Region, wo schon heute eine dramatische Wasserknappheit besteht. Erforderlich sei deshalb eine Entwicklungszusammenarbeit, die die erwarteten Klimaveränderungen berücksichtigt. Statt späterer Katastrophenhilfe seien jetzt umfassende Anpassungsmaßnahmen erforderlich.

Lena Partzsch hat einen Beitrag zum Thema „Partnerschaft - Lösung der globalen Wasserkrise?“ verfasst, in dem sie sich am Beispiel der EU-Initiative „Wasser fürs Leben“ mit den Partnerschaften zwischen staatlichen Akteuren, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren beschäftigt. Die Autorin schreibt zu den Ergebnissen der EU-Initiative:

Mit der Entscheidung, eine Partnerschaft unter Beteiligung des Privatsektors zu initiieren, hat sich die EU implizit gegen eine Kooperation mit jenen zivilgesellschaftlichen Akteuren entschieden, die sich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung richten. Ein Beweggrund dafür war, dass auf privates Kapital zum Ausbau der Infrastruktur gesetzt wurde - eine Erwartung, die sich nicht erfüllt hat.

„Virtueller Wasserhandel zur Überwindung der Wasserkrise“ lautet der Titel des Aufsatzes von Lena Horlemann und Susanne Neubert. Grundgedanke des Konzepts ist es, dass Länder mit Wasserknappheit profitieren können, wenn sie die Erzeugung wasserintensiver Produkte einschränken oder einstellen und diese aus Ländern importieren, die über ausreichend Wasser verfügen. In der praktischen Umsetzung, so machen die Autorinnen deutlich, stößt dieses einleuchtend klingende Konzept auf zahlreiche Hindernisse.

Im abschließenden Beitrag der Beilage untersucht Christiane Fröhlich die Rolle der Ressource Wasser in Konflikten. Hierfür wählt sie exemplarisch die Konflikte an Nil, Indus, Jordan sowie Euphrat und Tigris. Im Blick auf Staudämme, die oft konfliktverschärfend wirken, heißt es in dem Beitrag:

Staudämme sind nationale Prestigeprojekte, die vor allem Großbauern mit fruchtbaren Böden, der Industrie und den Städten zugute kommen - sie erreichen die an Wasserknappheit leidenden Kleinbauern meist nicht. Doch dezentrale, angepasste Ansätze sind weder wirtschaftlich noch politisch besonders attraktiv, da sie kaum Exportaufträge oder politisches Prestige abwerfen. Hier ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig, um Armut zu begrenzen und zukünftigen Konflikten vorzubeugen.

Die Beilage „Wasser“ kann bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden bei der bpb.de.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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