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aktuelles --- 02.07.2006 ---

Wasser aus der Flasche - in Afrika umstritten

Wasser in Plastikflaschen von Rand Water

Das südafrikanische Wasserunternehmen Rand Water bietet sein Leitungswasser inzwischen auch in Plastikflaschen an, die den Flaschen großer Flaschenwasser-Unternehmen ähneln. Aber auf den Flaschen von „Rand Water“ ist zu lesen: „Um Qualitätswasser zu erhalten, füllen sie die Flasche an ihrer Wasserleitung wieder auf.“ Das Wasserunternehmen will so deutlich machen, dass Leitungswasser qualitativ dem zu weit höheren Preisen verkauften Flaschenwasser in nichts nachsteht. Karl Lubout von „Rand Water“ betonte kürzlich gegenüber der Presse:

Wir bieten Weltklasse-Wasser an ... In Tests können Menschen nicht zwischen Flaschenwasser und Leitungswasser unterscheiden - und es gibt keinen gesundheitlichen Vorteil, Flaschenwasser zu trinken.

Diese Auffassung wird von der südafrikanischen Water Research Commission bestätigt, die kürzlich in verschiedenen Städten das Leitungswasser sowie eine Reihe von Flaschenwassern untersucht hat. Das Ergebnis ist, dass das Leitungswasser in Großstädten wie Johannesburg von hoher Qualität ist. In manchen kleineren südafrikanischen Städten seien noch Investitionen in Wasseraufbereitungstechnologien erforderlich. Daran werde gearbeitet. Die Qualität des Flaschenwassers sei je nach Marke unterschiedlich, die Qualität des Inhalts einer Flasche hänge aber auch davon ab, wie lange es schon in den Regalen der Supermärkte und anderer Läden gestanden hat. Je länger es dem Licht und anderen Faktoren ausgesetzt sei, desto stärker verschlechtere sich die Qualität. Die „Water Ressource Commission“ legte in einer Erklärung vom 13. Juni 2006 Wert darauf, dass sie keine Kluft zwischen der Flaschenwasser-Industrie und den Menschen in Südafrika aufbauen wolle. In der Erklärung werden aber Fragen aufgelistet, die sich die Menschen selbst stellen sollten, darunter die Frage:

Möchte ich mehr für die Bequemlichkeit zahlen, Wasser aus der Flasche zu erhalten, statt Wasser aus der Leitung zu trinken (das die meisten, wenn nicht alle chemischen Stoffe enthält, die in Flaschenwasser zu finden sind)?

Der Flaschenwasser-Boom in Südafrika wurde am 13. Juni 2006 im südafrikanischen Parlament diskutiert. Dr. Rivka Kfir von der „Water Reserach Commission“ sagte den Mitgliedern des Wissenschafts- und Technologieausschusses laut südafrikanischer Nachrichtenagentur SAPA: „Es besteht keine Notwendigkeit, Flaschenwasser im Parlament zu verwenden, sie können Wasser aus der Leitung nutzen ... darin liegt kein Fehler.“ Sie betonte auf Rückfrage, das Leitungswasser in großen Städten habe eine hohe Qualität. Auch erinnerte sie daran, dass die beiden letzten Wasserminister immer verärgert waren, wenn ihnen Flaschenwasser serviert worden war. Der Ausschussvorsitzende Eugene Ngcobo erklärte daraufhin:

Es ist sehr wichtig, dass wir als Mitglieder des Ausschusses für Wissenschaft und Technologie dem Parlament vor Augen führen, dass dieses (das Flaschenwasser) in der Tat eine Verschwendung von Geld, Zeit und Gesundheit darstellt. Es ist nicht so rein wie das normale Leitungswasser.

Er forderte die Abgeordneten auf, sich an einer Kampagne zu beteiligen, dies bekannter zu machen. Dieses Thema wurde am 15. Juni 2006 von der Johannesburger Zeitung Business Day aufgegriffen, die von „fehlgeleiteter Wahrnehmung“ und das „clevere Marketing“ der Flaschenwasser-Industrie berichtete und darauf verwies, dass dies inzwischen ein Multi-Milliarden-Rand-Geschäft in Südafrika sei.

Interessanterweise gab es zur gleichen Zeit eine ähnliche Debatte in Uganda. Wie die ugandische Zeitung The Monitor am 20. Juni 2006 berichtete, entzündete sich diese Diskussion an den Plänen der Regierung, eine zehnprozentige Steuer auf Flaschenwasser einzuführen. Ein Manager eines der führenden Getränkeunternehmen, der nicht beim Namen genannt werden wollte, bezeichnete diese geplante Steuer als „vollkommen dämlich“ und prognostizierte eine starke Reduzierung des Flaschenwasser-Verbrauchs in Uganda. Dieser Auffassung widersprach aber der Steuerfachmann einer Beratungsfirma. Er verwies darauf, dass auf Softdrinks eine Steuer von 12 Prozent erhoben werde, ohne dass dies zu einer Verminderung des Absatzes geführt habe.

Aus dem Zeitungsbericht geht auch hervor, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Uganda offenbar aus Gesundheitsgründen von Softdrinks zu Flaschenwasser wechseln. James Kakama, Manager einer Bar, wird mit dem Satz zitiert:

Es ist inzwischen üblich geworden, dass die Leute Flaschenwasser nehmen, und dies nicht, weil sie durstig sind, sondern weil dies zu einer Norm geworden ist.

In dem Beitrag wird erwähnt, dass im Jahre 2004 weltweit etwa 154 Millionen Liter Flaschenwasser verkauft wurden, eine Steigerung von mehr als 50 Prozent in nur fünf Jahren. Der weltweite Jahresumsatz ist auf 100 Milliarden US-Dollar gewachsen, und es werden jedes Jahr 2,7 Millionen Tonnen Plastik aufgewendet, um die Flaschen zu produzieren. Dr. Joyce Kikafunda, Ernährungswissenschaftlerin an der Makerere Universität, wird von „The Monitor“ mit der Aussage zitiert, dass das Flaschenwasser meist aus Leitungswasser bestehe, dem einige Mineralien hinzugefügt würden, „aber auch das gewöhnliche Leitungswasser enthält einige Mineralien, und der Unterschied kann aus nur wenigen Hinzufügungen bestehen“. In dem Artikel wird auch deutlich, dass klingenden Namen wie „Rwenzori“ oder „Kilimanjaro“ nicht darüber hinwegtäuschen können, dass dieses Flaschenwasser nicht aus den Bergregionen stammt, sondern aus der Wasserleitung.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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