zur Startseite Frank Kürschner-Pelkmann

Kontakt und Impressum 


aktuelles --- 13.08.2006 ---

Konflikte und Krisen in Ozeanien

Titel des neuen Pazifik-Buches

Traumhaftes Leben auf Inseln und Atollen der südpazifischen Region. Dieses Bild vermitteln Reiseprospekte und auch manche Romane. Andererseits wird in den Tageszeitungen gelegentlich von gewaltsamen Auseinandersetzungen in pazifischen Staaten berichtet. Welche Ursachen haben diese Konflikte und was wird unternommen, um sie zu überwinden? Um diese Frage geht es in dem kürzlich erschienenen Buch „Konflikte und Krisen in Ozeanien“, das die Pazifik-Infostelle (Neuendettelsau) veröffentlicht hat. Herausgeber sind Volker Böge, Jochen Lohmann, Roland Seib und Marion Struck-Garbe. Sie schreiben in der Einleitung:

In Folge der vielfältigen Globalisierungserscheinungen entstehen neue innergesellschaftliche Probleme und verschärfen sich überkommene Konflikte. Alltagskriminalität, Korruption und sexuelle Gewalt sowie HIV/Aids sind zentrale Stichworte in diesem Zusammenhang. Es wäre verfehlt, ein paradiesisches Bild gewaltfreien Zusammenlebens in den südpazifischen Gesellschaften in der Zeit vor der Kolonisierung und der Globalisierung zu zeichnen; vielmehr hat es durchaus unterschiedliche Formen von Gewalt und Gewaltkonflikten gegeben ... Doch unter den Einflüssen der Moderne ist ein Formwandel der Gewalt, eine Intensivierung und Entgrenzung von Gewalt zu verzeichnen ... Doch braucht nicht allein von Gewalt und Gewaltkonflikten die Rede zu sein. Auch von erfolgreichen Bemühungen zur Überwindung von Gewalt und der Etablierung einer Kultur der Gewaltfreiheit und Versöhnung ist zu berichten.

In den hiesigen Medien wurde in letzter Zeit vor allem von australischen Interventionen zur Wiederherstellung der sozialen Stabilität auf den Salomonen und in Papua-Neuguinea berichtet, deren Hintergründe im ersten Beitrag des Buches analysiert werden. Selten wird demgegenüber in unseren Medien die Verantwortung ausländischer Mächte für Gewalt und Militarisierung in Ozeanien erwähnt. In einem Beitrag von Lorenz Gonschor geht es um „Die Militarisierung des Pazifiks durch äußere Akteure“. Es wird an die Gewalt erinnert, die im Zweiten Weltkrieg von Japan und den USA ausging. Die massive Militärpräsenz der USA vor allem auf der Insel Guam dauert bis heute an. Auch die amerikanischen und französischen Atomtests wirken bis in die Gegenwart nach und fordern weiterhin durch gesundheitliche Spätschäden Menschenleben.

In einem weiteren Beitrag stellt Lorenz Gonschor dar, dass Kolonialismus und Fremdbestimmung immer noch zur politischen Realität im Südpazifik gehören. Vor allem die USA und Frankreich halten weiterhin Inselregionen unter politischer und militärischer Kontrolle, aber auch die indonesische Besetzung von West-Papua auf einer sehr fragwürdigen politischen Grundlage muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden.

In einem Beitrag von Klaus Schilder wird herausgearbeitet, welche Verantwortung multinationale Konzerne für die Verschärfung sozialer und ökonomischer Konflikte in Ozeanien haben, die mehr als einmal zu gewaltsamen Auseinandersetzungen eskalieren. Das verdeutlicht der Autor am Beispiel von zwei Bergbauprojekten in Papua-Neuguinea und einem im benachbarten West-Papua.

In weiteren Kapiteln des Buches der Pazifik-Infostelle geht es um häusliche Gewalt, die in vielen pazifischen Ländern erschreckende Ausmaße angenommen hat, sowie die stark gestiegene Kriminalität, die oft mit Gewaltanwendung verbunden ist. So wurde Port Moresby, die Hauptstadt Papua-Neuguineas, 2002 in einer britischen Studie als die unsicherste Stadt der Welt bezeichnet. Deshalb kann es nicht überraschen, dass die Branche der privaten Sicherheitsdienste boomt und allein in Port Moresby 5.000 Beschäftigte hat. In einem solchen sozialen Kontext des Umbruchs und der Konflikte ist, so wird in einem weiteren Buchaufsatz deutlich, der Kampf gegen HIV/Aids besonders schwierig. Die sozialen Verwerfungen und gewaltsamen Konflikte haben auch Auswirkungen auf heutige Ausformungen des Cargo-Kultes, wie am Beispiel der Insel Tanna (Vanuatu) dargelegt wird.

Im letzten Teil des Buches werden Beispiele dafür gegeben, wie es in Ozeanien gelingt, gewaltsam ausgetragene Konflikte friedlich beizulegen. Die Beendigung des Krieges um die von Papua-Neuguinea abtrünnige Insel Bougainville ist ein herausragendes Beispiel hierfür. Volker Böge macht in seinem Buchbeitrag deutlich, dass dieser Erfolg ganz wesentlich darauf beruht, dass es gelungen ist, Versöhnungs- und Friedensprozesse in den einzelnen Orten der Konfliktregion in Gang zu bringen und dabei auf traditionelle Zeremonien der Konfliktlösung zurückzugreifen.

Josephine Tankunani Sirivi, Gründungspräsidentin der Bewegung der Frauen von Bougainville für Frieden und Freiheit, beschreibt den Versöhnungsprozess so:

Außerordentlicher Versöhnungswille machte die Stärke des Friedensprozesses in Bougainville aus und war die Hauptstütze seines Erfolges. Denn die von Leid, missglückten Verhandlungen und wirkungslosen Friedensabkommen geprägten zehn Jahre zwischen 1989 und 1997 waren mehr als wir, die Mütter von Bougainville, zu ertragen bereit waren ... Demut ist entscheidend für das Gelingen des Prozesses. Vergebung muss mit der Akzeptanz der Wahrheit einhergehen, um eine gemeinsame Basis für die unterschiedlichen Parteien zu schaffen, auf der Abmachungen über Entschädigung und Sühne getroffen werden können. Unsere Tradition und auch die christliche Lehre sagen, dass Vergebung ehrlich gemeint sein und von Herzen kommen muss. Es hätte keinen Sinn, mit der Zeremonie fortzufahren, wenn es diesbezüglich Zweifel gäbe.

Das Buch „Konflikte und Krisen in Ozeanien" hilft auf sehr gute Weise, die Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten dieser Konflikte zu erkennen und dabei auch wahrzunehmen, wie stark der Prozess der Globalisierung diese Auseinandersetzung verschärft.

Das Buch hat einen Umfang von 165 Seiten und kann zum Preis von 8,50 Euro bezogen werden unter www.pazifik-infostelle.org/publikationen/135230.html.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Aktuelle Nachrichten aktuelles-Archiv
Aktuelle Meldungen

wasser-und-mehr.de, Copyright © 2006-2010 Kürschner-Pelkmann