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aktuelles --- 28.08.2006 ---

Interview zur Bedeutung des Wassers in der Zukunft

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Das Inforadio hat am 25. August 2006 ein Interview mit Frank Kürschner-Pelkmann zum Thema „Bedeutung des Wassers in der Zukunft“ gesendet.

Birgit Karnath sprach mit ihm. Das Interview im Wortlaut:

Birgit Karnath: Wird Wasser eigentlich wirklich knapper in Zukunft oder steigt bloß der Verbrauch?

Frank Kürschner-Pelkmann: Es ist beides. Das Wasser wird sehr viel knapper werden, und gleichzeitig steigt der Verbrauch. Bei der Weltwasserwoche in Stockholm ist eine Studie vorgelegt worden, die sichtbar gemacht hat, dass ein Drittel der Menschheit bereits in Weltregionen lebt, wo es Wasserknappheit gibt und dass die Gefahr besteht, dass noch mehr Menschen davon betroffen sein werden, und gleichzeitig steigt der Wasserbedarf in der Welt rapide an.

Birgit Karnath: Und woran liegt das, dass das Wasser weniger wird? Einfach daran, dass sich mehr Menschen die knappen Ressourcen teilen müssen oder ist das auch eine Klimafrage?

Frank Kürschner-Pelkmann: Es ist auch eine Klimafrage, vor allen in Regionen wie im südlichen Afrika, wo die Niederschläge bereits deutlich abgenommen haben und wo befürchtet wird, dass in den nächsten Jahrzehnten die Niederschläge weiter abnehmen. Und das zusätzliche Risiko ist, dass es zwar noch regnet, aber dann unregelmäßiger aber dafür sehr viel heftiger. Und das ist für die Landwirte natürlich eine Katastrophe.

Birgit Karnath: Was sind die Folgen dieser Entwicklung, steigende Preise, Kriege vielleicht sogar?

Frank Kürschner-Pelkmann: Es werden erst einmal steigende Preise sein. Die Ernährungssituation vieler Menschen wird sich verschlechtern und es ist auch mit Auseinandersetzungen zu rechnen, und zwar mehr innerhalb von Ländern. Wir haben schon in den letzten Jahren in Kenia mehrere bewaffnete Auseinandersetzungen gehabt, vor allen zwischen Ackerbau und Viehzüchtern, die beide das gleiche Wasser nutzen wollten. Und wenn Menschen in existenzieller Not sind, ist die Gefahr größer, dass sie auch zu allen Mitteln greifen, um zu Wasser zu gelangen. Zwischen den Staaten ist es so, dass es in den meisten Flusseinzugsgebieten, also an den meisten Flüssen, eine dominierende militärische Macht gibt. So zum Beispiel am Nil ist das Ägypten. Und diese dominierenden Mächte können eigentlich den anderen Anrainerstaaten des Flusses ihre Interessen aufzwingen, aber ob das auf die Dauer Kriege verhindert, weiß man nicht.

Birgit Karnath: Bis jetzt ist es ja bei uns im industrialisierten Westen nicht direkt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, aber fast, was es da an Auseinandersetzungen gibt. Was denken Sie, wann wird es soweit sein, dass das zum dominierenden Thema wird in der Welt?

Frank Kürschner-Pelkmann: Ich fürchte, dass das Mitte dieses Jahrhunderts sehr viel stärker zu einem Thema geworden sein wird, und dass die Auswirkungen sich auch bei uns zeigen werden. Einmal durch steigende Migration aus den armen Ländern in reiche Länder, aber auch dadurch, dass immer mehr westliche Länder in diese Konflikte verwickelt sein werden.

Birgit Karnath: In welcher Form?

Frank Kürschner-Pelkmann: Dass einfach, wie jetzt im Kongo westliche, militärische Interventionen stattfinden, um wenigstens eine gewisse Stabilität sicher zu stellen und solche Notwendigkeiten werden immer mehr ansteigen, wenn die Wasserknappheit größer wird.

Birgit Karnath: Was muss passieren, um gegenzusteuern?

Frank Kürschner-Pelkmann: Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen. Ein wichtiger Schritt ist, zu sehen, dass man den Wasserverbrauch der Menschen reduziert. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, eine wichtige Maßnahme ist, dass man die weit verbreiteten Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft sehr viel effizienter gestaltet. In Ländern wie Usbekistan am Aralsee, aber auch in vielen asiatischen Ländern sind die Bewässerungssysteme sehr ineffizient. Das heißt, es wird sehr viel Wasser verschwendet. In gleicher Weise muss man versuchen, die städtische Wasserversorgung zu verbessern. In vielen Städten wie Lagos oder im Senegal geht die Hälfte des Leitungswassers verloren, auf dem Weg vom Wasserwerk zum Wasserhahn. Und das ist für Länder, die unter Wasserknappheit leiden natürlich eine Katastrophe. Man muss auch überlegen, ob man die Ernährungsgewohnheiten verändert. Ein Mensch, der viel Fleisch isst, verbraucht bis zu dem Zehnfachen an Wasser im Vergleich zu einem Vegetarier. Das ist zwar auf den einzelnen Menschen bezogen nicht sehr viel, aber je mehr Fleisch essende Menschen es auf der Welt gibt, desto schwieriger wird es, die Ernährungssituation für alle sicher zu stellen.

Birgit Karnath: Sie haben jetzt beschrieben, was passieren müsste. Für wie realistisch halten Sie, dass Politik und Wirtschaft das durchsetzen werden?

Frank Kürschner-Pelkmann: Es gibt eine ganze Reihe von Erfolgen auf diesem Wege. Zum Beispiel hat Südafrika es geschafft, dass inzwischen über 90 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das ist nicht unbedingt ein Wasserhahn im eigenen Haus, aber das ist ein Gemeinschaftswasserhahn in der Nähe. Auch in der Landwirtschaft hat es deutliche Verbesserungen gegeben, weil einfach klar war, dass die bisherigen, ineffizienten Bewässerungssysteme zu einer ökologischen Katastrophe führen werden. Und das veranlasst mehr und mehr Entwicklungsorganisationen, den Akzent darauf zu legen, Bewässerungssysteme zu verbessern und nicht immer neue Bewässerungssysteme zu bauen.

Das Interview von Birgit Karnath im Inforadio können Sie hören unter:
Radio zum Lesen, 28.08.2006: Bedeutung des Wassers in der Zukunft

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