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aktuelles --- 17.12.2006 ---

Kommentar: Kein Geld in Wasser anlegen

Titelseite Südwind

Fonds mit ethischen oder ökologischen Ansprüchen sind aufs Wasser gekommen: Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen, scheint eine saubere Sache zu sein. Ist es nicht, solange Anteile internationaler Wasserkonzerne im Spiel sind, meint Frank Kürschner-Pelkmann. Dieser Kommentar erschien in der Ausgabe 12/2006 der österreichischen entwicklungspolitischen Zeitschrift Südwind.

Beim x-ten Artikel über die „saubere Geldanlage“ Wasser packte mich die Wut. Schon klar, dass Wasser von manchen AnlegerInnen als ideale Gewinnquelle angesehen wird. Aber warum wird in Informationsbeiträgen über diese Anlagemöglichkeit so häufig zunächst die globale Wasserkrise in den düstersten Farben geschildert, um von dort aus direkt zu den glänzenden Gewinnmöglichkeiten mit dem „blauen Gold“ zu kommen? Hat niemand unter den AutorInnen und RedakteurInnen den menschlichen Anstand zu sehen, wie zynisch es ist, einen direkten Zusammenhang herzustellen zwischen der Wassernot von Millionen Menschen einerseits und den Gewinnen mit der knappen „Ware“ Wasser andererseits?

Zwei Beispiele: „Experten gehen davon aus, dass im Jahre 2025 ein Drittel der Menschheit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben wird. Für Anleger lohnt sich daher der Blick auf Unternehmen, die ihr Geld mit der Versorgung, Aufbereitung, Reinigung und Entsorgung von Wasser verdienen“ (Handelsblatt, 19.6.2002). Und: „Experten gehen davon aus, dass dieses [das Süßwasser] mittlerweile zu zwei Dritteln verschmutzt und ungenießbar ist. Tendenz steigend! ... Wir können Ihnen nur raten: Verpassen Sie nicht einen der spektakulärsten Trends der kommenden Jahre und Jahrzehnte“ (finanzen.net, 20.10.2005).

Weltweit verfügen 1,2 Milliarden Menschen über keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und weit mehr als zwei Milliarden Menschen über keine sanitäre Entsorgung. Schon ein Bruchteil des um die Welt vagabundierenden Spekulationskapitals würde ausreichen, die Probleme auf Dauer zu lösen. Nur: Die meisten Betroffenen müssen mit ein oder zwei Dollar am Tag überleben. Sie fallen als kaufkräftige KundInnen internationaler Wasserunternehmen aus. Im Süden tätige Konzerne wie Veolia und Suez konzentrieren sich deshalb auf die „Rosinen“ der Wasserversorgung, auf relativ wohlhabende städtische Regionen. Doch von Buenos Aires bis Jakarta haben nicht nur ihre KundInnen, sondern auch die Konzerne selbst so schlechte Erfahrungen gemacht, dass sie kaum noch Interesse entwickeln, sich an neuen Privatisierungen zu beteiligen - es sei denn, es fließen reichlich Entwicklungsgelder. Wenn die Weltbank und westliche Entwicklungsministerien die Erneuerung des Leitungsnetzes finanzieren, übernehmen Wasserkonzerne gern gut bezahlte Managementkontrakte. Allerdings musste die Weltbank in einem Forschungspapier im Februar 2005 eingestehen, dass private Wasserunternehmen nicht messbar effizienter sind im Vergleich zu öffentlichen Versorgungsbetrieben.

Die Schweizer Privatbank Pictet hat 2000 in ihren „Pictet Global Sectors Funds Water“ den weltweit ersten Wasserfonds aufgelegt. Bisher sind annähernd zwei Milliarden Euro hinein geflossen. Zu den etwa 50 aufgenommenen Werten gehören Suez und Veolia. Auch Fonds, die als „nachhaltig“, „ethisch“ oder „ökologisch“ firmieren, zögern oft nicht, Anteile international tätiger Wasserkonzerne in ihr Portfolio aufzunehmen. So zum Beispiel „SAM. Sustainable Water Fund“ und „Sarasin OekoSar Equity“.

Neben den französischen Wasserkonzernen sind auch britische Wasserunternehmen bei Fonds beliebt, weil sie anscheinend Ökonomie (hohe Renditen) und Ökologie (Wasserversorgung) in Einklang bringen. Severn Trent (Birmingham) wurde sogar in den „Natur Aktien Index“ (NAI) für ökologisch und sozial nachhaltig arbeitende Unternehmen aufgenommen. Übersehen werden dabei neben umstrittenen internationalen Aktivitäten auch die Geschichte und Leistungen dieser Unternehmen in Großbritannien selbst.

Lukrativ wurden sie dadurch, dass die Regierung Margret Thatchers sie unter für die AnlegerInnen äußerst günstigen Bedingungen privatisiert hat, zum Schaden der britischen Bevölkerung. Seither haben sie bei KundInnen und UmweltschützerInnen einen denkbar schlechten Ruf, u.a. wegen ständig steigender Wasserpreise und gleichzeitig völlig unzureichenden Reparatur-, Investitions- und Umweltleistungen. Es gibt kein Industrieland, wo so viel Wasser durch Leckagen verloren geht wie England, in manchen Fällen mehr als 30 Prozent.

Und doch gibt es Unternehmen in der Wasserbranche, die einen wichtigen und sinnvollen Beitrag zur Lösung globaler Wasserprobleme und zur nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen in Entwicklungsländern leisten. Doch diese sind meist gar nicht an den Börsen notiert. Ein Beispiel dafür ist die Hans Huber AG. Sie wurde 2006 mit dem Deutschen Umweltpreis für die Entwicklung von Technologien zur Frischwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung ausgezeichnet, die auf die Bedürfnisse von Schwellen- und Entwicklungsländern abgestimmt sind.

Fondsgesellschaften, die glaubwürdig zur Lösung globaler Wasserprobleme beitragen wollen, müssten ausschließlich Anteile von nachweisbar ethisch, sozial und ökologisch vorbildlich arbeitenden Unternehmen auswählen und Anteile von Unternehmen mit dubiosen Geschäftspraktiken verkaufen, auch wenn diese hohe Renditen erzielen. Dazu zählen auch Konzerne, die ihr Geld mit dem Bau umstrittener Staudämme oder mit Flaschenwasser verdienen. Einen solch glaubwürdigen Fonds habe ich bisher nicht entdeckt.

Viele verantwortungsbewusste Menschen in Europa setzen sich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in ihren eigenen Kommunen zur Wehr. Da ist es nur konsequent, einen weiten Bogen um Fonds zu machen, in denen die Unternehmen vertreten sind, die von Privatisierungen profitieren oder sich gegen den massiven Widerstand der lokalen Bevölkerung an großen Infrastrukturvorhaben beteiligen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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