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aktuelles --- 17.12.2006 ---

Mit Badehose und Golfschläger in die Wüste

Abu Simbel in der ägyptischen Wüste

Der nachfolgende Beitrag zum Tourismus in Wüstengebieten ist in der Ausgabe 45 (Dezember 2006) des Informationsdienstes TourismWatch erschienen, die den Themenschwerpunkt „Wasser und Tourismus“ hat.

„Der Wüsten-Tourismus wächst rasch, aber die Toleranzschwelle dieser Ökosysteme hinsichtlich der Besucherzahlen ist niedrig“, heißt es in dem Bericht „Tourism and Deserts“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP, der 2006 erschienen ist. Das gilt besonders für die äußerst knappe Ressource Wasser.

Für Länder wie Marokko und Tunesien sind Urlaubsaufenthalte oder Exkursionen in Wüstengebiete zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, weil sie damit in der harten Konkurrenz mit anderen Mittelmeer- und Schwarzmeerzielen punkten können, die kein "Meer ohne Wasser" bieten, wie die Nomaden ihre Heimat, die Sahara nennen. In Tunesien sind besonders die Oasen des Bled el Djerid („Land der Datteln“) beliebte Urlaubsziele. Zur dortigen Wüstenstadt Tozeur gibt es Direktflüge aus Deutschland.

Möglich ist der Tourismusboom nur durch die intensive Nutzung der fossilen Grundwasservorräte unter der Oase. Mehr als 800 Jahre lang hatte es in Tozeur ein ausgeklügeltes Wasserverteilungs- und Bewässerungssystem gegeben. Die wenigen Reisenden, die die Oase besuchten, begnügten sich mit einigen Litern Quellwasser - die heutigen Touristen erwarten dagegen Swimmingpools und grüne Rasenflächen. Nun sorgen Tiefbrunnen und leistungsstarke Motorpumpen für scheinbar unbegrenzte Wassermengen, die aus bis zu 3.000 Metern Tiefe heraufgeholt werden. Allerdings sinkt der Grundwasserspiegel, was dazu führt, dass erste Dattelpalmen vertrocknen und damit die Existenzgrundlage der Bauernfamilien bedroht ist. Besonders beunruhigend ist, dass Tozeur nun auch über einen Wasser schluckenden 18-Loch-Golfplatz verfügt.

In Marokko warnte der Umweltminister im März 2006 vor einer Vernichtung der Oasen im Südosten des Landes durch die Ausbeutung der Grundwasservorräte für Tourismus und Golfplätze. Um die Oasen zu retten, will die marokkanische Regierung nun das Wassersparen fördern.

Neben Pauschalurlaubern in der Wüste nimmt auch die Zahl der Individualtouristen zu, die mit Geländefahrzeugen und satellitengestützten Navigationsgeräten auf der Suche nach ultimativen Abenteuern durch abgelegene Wüstenregionen preschen. Inspiration für diese Form der Wüsten„entdeckung“ bietet die jährliche Rallye Paris-Dakar, ein Event mit großer Medienresonanz, das nicht selten Todesopfer fordert. Weniger publiziert wird, dass Fahrzeugreifen die festen Oberflächenstrukturen der Wüste zerstören und damit die Wanderbewegung der Dünen fördern. Auf diese Weise werden Sandstürme verstärkt und Oasen bedroht. Deshalb führt der Geologe Andrew Goudie von der Universität Oxford einen Kampf gegen dieses Zerstörungswerk: „Die Oberflächen der Wüsten sind seit Jahrtausenden stabil geblieben. Doch wenn man sie zerbricht, wird der Sand vom Wind davon geweht.“

Welche Ausmaße der Luxus- und Massentourismus in Wüstenregionen annehmen kann, zeigen die Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf. Dank hoher Öleinnahmen sind hier zahlreiche Meerwasser-Entsalzungsanlagen gebaut worden, um den rasch wachsenden Wasserbedarf von Einheimischen und Touristen zu decken. Besonders Dubai hat sich zu einem internationalen Touristenzentrum entwickelt. Hier steht das höchste Hotel der Welt, es wurden fünf Golfplätze angelegt und wem das alles nicht reicht, der kann auf einer 400 m langen Kunstschneepiste Ski fahren. Der Freizeitpark „Wild Wadi“ bietet Surfmöglichkeiten in entsalztem Meerwasser mit künstlichen Wellen sowie eine Wildwasserbahn. Jedes Jahr kommen mehr als sechs Millionen Touristen nach Dubai, Tendenz steigend. Allein in der künstlichen Insellandschaft „The Palm“ entstehen 25 neue Hotels. Damit Dubai in grüner Pracht erscheint, wurde ausgerechnet Eukalyptus angepflanzt, eine Pflanze, die zwar schnell wächst, aber enorm viel Wasser verbraucht. Die Entsalzung von Meerwasser ist extrem teuer und energieaufwändig. Deshalb wird sich der Stromverbrauch in Dubai von 2005 bis 2011 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Während in Dubai und einigen weiteren Metropolen am Golf scheinbar unbegrenzte Wassermengen verschwendet werden, leiden gleichzeitig 45 Millionen Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika an Wassermangel und mehr als 80 Millionen verfügen über keine Sanitärinfrastruktur.

Sowohl die UNESCO als auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) bemühen sich, nachhaltige Formen des Tourismus in Wüstenregionen zu fördern. UNEP hat in der tunesischen Oase Nefta das 400-Betten-Hotel „Caravane Serail“ dabei beraten und unterstützt, systematisch Wassersparmaßnahmen einzuführen, z.B. die Abdeckung des Swimmingpools außerhalb der Nutzungszeiten, ein sparsames Verfahren der Gartenbewässerung und die Installation von WC-Spartasten in den Gästezimmern. Gleichzeitig wurde die Qualität des Trinkwassers erhöht, das vorher mit Kalzium und Sandpartikeln belastet war.

In der erwähnten UNEP-Veröffentlichung „Tourism and Deserts“ werden Empfehlungen gegeben, wie Touristen sich in Wüsten verhalten sollten. Als wichtig wird zum Beispiel angesehen, das wertvolle Wasser nicht zu verunreinigen, keine Batterien und andere Abfälle wegzuwerfen, die die Gewässer nachhaltig schädigen können, und möglichst viel Trinkwasser mitzubringen, um nicht der lokalen Bevölkerung einen Teil des knappen Wassers in der Wüste zu nehmen. Die UNESCO will Touristen zu mehr Achtung vor den Kulturen und der Umwelt der Sahara ermutigen und hat deshalb das Programm „Die Sahara der Kulturen und Völker“ entwickelt. Dazu schreibt die UNESCO: „Reisen in der Sahara bedeutet im Allgemeinen ein intellektuelles und spirituelles Vorhaben. Die Touristen, die Respekt gegenüber den Menschen und ihrer Umwelt zeigen, sind fasziniert von der ursprünglichen Natur der Sahara, angelockt vom nomadischen Leben und bereit, Ratschlägen zu folgen, die ihnen gegeben werden.“

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Foto: Pixelquelle.de

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