Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 24.02.2007 ---

Gold oder Wasser

Logo der CAFOD-Kampagne

„Reinigen Sie Ihr Gold!“ Unter diesem Slogan hat die katholische Hilfsorganisation CAFOD zum Valentinstag 2007 in Großbritannien eine Initiative gestartet, mit der Schmuckhändler aufgefordert werden, die Herkunft ihres Goldes zu überprüfen und ggf. ihr Einkaufsverhalten zu verändern. In einer E-Mail-Aktion fordern Bürgerinnen und Bürger die Schmuckhändler sowie die Produzenten von Elektronik unter Verwendung von Gold auf:

Goldbergbau gehört zu den schmutzigsten Industrien der Welt. Er zerstört lokale Gemeinschaften und die Umwelt und kann Konflikte anheizen. Ich fordere Händler und Produzenten von Goldschmuck, Elektronik und anderen Gütern auf, sicherzustellen, dass das Gold in ihren Produkten nicht auf Kosten lokaler Gemeinschaften, Arbeiter und der Umwelt produziert wurde. Ich fordere die globale Bergbauindustrie auf, Händler und Verbraucher mit Alternativen zu schmutzigem Gold zu versorgen.

Weltweit setzen sich inzwischen zahlreiche Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen gegen eine Goldgewinnung zur Wehr, die die Umwelt zerstört und den Menschen die Lebensgrundlage raubt. Zu diesen Organisationen gehört FIAN in Deutschland. „Der moderne Goldabbau ist eine Katastrophe für Menschen um Umwelt“, schreibt die Menschenrechtsorganisation auf ihrer Website. Eine Übertreibung? Die Zeiten sind vorbei, wo die Helden in Jack Londons Romanen mit primitivsten Hilfsmitteln in den kalten Flüssen Kaliforniens oder Alaskas standen und nach „Nuggets“, großen Goldstücken, suchten. Heute ist die Goldsuche weit gehend industrialisiert. Im Tagebau werden riesige Gesteins- und Erdmassen bewegt, um auch noch Hundertstel Millimeter kleine Goldpartikel zu finden. So lohnt sich schon die Gewinnung von einem Gramm Gold aus einer Tonne Gestein. 99,9999 Prozent des Gesteins verwandeln sich in diesem Prozess bei der vorherrschenden Form der Goldgewinnung in hochgiftigen Abfall. Das Gold wird mit Zyanidlösungen aus den Gesteinsmassen gelöst. Zyanide sind Salze der Blausäure und höchst gefährlich für Mensch und Natur. Im menschlichen Körper verhindert dieser Stoff den Sauerstofftransport und ist deshalb schon in kleinsten Mengen (ein Milligramm) tödlich.

Oft werden mit diesem Verfahren der Goldgewinnung nur ein oder zwei Gramm pro Tonne Gestein gewonnen, aber dank des hohen Goldpreises lohnt sich der Aufwand finanziell. 2.500 Tonnen Gold werden weltweit jedes Jahr gewonnen, vorwiegend durch den industriellen Bergbau und meistens erkauft durch schwere Schädigungen der Natur, vor allem des Wassers.

Gefahren für Mensch und Natur

Die meisten Goldminen lagern riesigen Mengen Gestein mit Zyanidrückständen und mit der Zyanidlauge in großen Rückhaltebecken, die durch Dämme geschützt werden. Bricht ein solcher Damm, ist die Katastrophe groß, und das ist in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach geschehen. Im Jahre 1996 vernichtete eine Zyanid-Ausschüttung den gesamten Fischbestand im Angonaben-Fluss in Ghana. Durch die Vergiftung des Flusses wurde auch mindestens neun Dörfern die Trinkwasserversorgung genommen. Der Konzern, der die Umweltkatastrophe verursacht hatte, zahlte den Dorfbewohnern lediglich “als Geste des guten Willens“ eine kleine Summe als Entschädigung.

Bei der Iduapriem-Goldmine stellte die Menschenrechtsorganisation FIAN im September 2002 bei der Reise einer Delegation nach Ghana fest, wie gravierend auch ohne akute Katastrophen die negativen Auswirkungen der Goldgewinnung für das Wasser und die übrige Umwelt sind. Zahlreiche Anwohner der Mine litten unter Durchfall und Hautkrankheiten. Die einzige gute Nachricht: Auch die Kreditgeber, die Weltbank und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), erkannten, welche Schäden von der Mine ausgingen und erklärten sich bereit, gemeinsam mit FIAN und WACAM (einem Zusammenschluss der vor Ort Betroffenen) auf den Betreiber einzuwirken, die Missstände zu beseitigen. Der weltweite Handlungsbedarf ist groß. Von Guayana bis Papua-Neuguinea hat es in den letzten Jahren zahlreiche Umweltkatastrophen und Umweltschäden bei der Goldgewinnung gegeben, und immer wurde das Wasser schwer belastet.

Goldförderung in Indonesien

Im September 2004 berichtete die „New York Times“ von einem besonders gravierenden Fall von Umweltfrevel durch eine Goldmine auf der indonesischen Insel Sulawesi. Eigentümer der Mine ist die "Newmont Mining Corporation" mit Sitz in Denver, der größte Goldproduzent der Welt. Das mit Gift belastete Gestein und Wasser des Produktionsprozesses ist dort einfach in die Buyat-Meeresbucht geschüttet worden. Die Folgen in einem benachbarten Fischerdorf wurden in dem Zeitungsbericht so beschrieben: „Erst begann der Fisch zu verschwinden. Dann entwickelten sich an den Körpern der Dorfbewohner merkwürdige Hautausschläge und Beulen. Im Januar gab Masna Stirman mit Unterstützung einer Hebamme einem Mädchen das Leben, dessen Körper mit kleinen Beulen und dessen Haut mit Runzeln übersät war.“ Das Kind starb nach wenigen Monaten.

Eine indonesische Menschenrechtsorganisation nahm sich des Falls an und unterstützte die Familie des verstorbenen Kindes dabei, das Bergbauunternehmen auf Schadensersatz zu verklagen. Das Unternehmen hat alle Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, die Mine arbeite in Übereinstimmung mit den Umweltgesetzen der USA und Indonesiens. Die indonesischen Behörden wurden nach kritischen Medienberichten aktiv und warfen dem US-Konzern vor, die Abfälle aus der Goldgewinnung illegal ins Meer zu schütten. Newmont zeigte sich uneinsichtig und ließ verlauten, der Konzern werde nach Beendigung der Goldförderung das Gebiet in einem besseren Umweltzustand als vorher hinterlassen. Robert E. Moran, ein Hydrogeologe, der für Bergwerksunternehmen und Umweltgruppen arbeitet, sagte hingegen über das Wasser, das die Goldmine ins Meer leitet, es handle sich um eine potenziell „giftige Brühe“. Die indonesischen Behörden erhoben Anklage gegen den US-Konzern und nahmen am 22. September 2004 fünf leitende Mitarbeiter fest. Die amerikanische Botschaft intervenierte umgehend und warnte öffentlich, ein solches Vorgehen könne zu einer weiteren Verminderung der dringend nötigen Investitionen in Indonesien führen. Ende Dezember 2004 einigte der Konzern sich mit den Dorfbewohnern auf einen außergerichtlichen Vergleich, der recht ungünstig für die Dorfbewohner ausfiel, aber sie hatten keine Hoffnung, sich auf juristischem Wege gegen einen großen internationalen Konzern durchzusetzen. Nichtsdestoweniger wurde der Newmont-Direktor Richard Ness von einem indonesischen Gericht angeklagt, dass das Bergbauunternehmen giftige Substanzen in eine Meeresbucht geschüttet habe. Das Urteil steht noch aus.

In einer weiteren Auseinandersetzung um die Goldförderung von Newmont Peru haben Tausende Menschen im September 2004 den US-Konzern daran gehindert, die Vorbereitungen für die Ausweitung der Goldgewinnung in der Nähe der nordperuanischen Stadt Cajamarca fortzusetzen. Newmont ist maßgeblich an dem dortigen Bergbauunternehmern Yanacocha beteiligt. Die Menschen fürchten, dass die Goldgewinnung zu einer Verseuchung ihres Trinkwassers führen wird. Die kirchliche Zeitschrift „Wendekreis“ in der Schweiz berichtete in der Februar-Ausgabe 2007 über einen Priester und Umweltschützer, der immer wieder diffamiert worden ist:

Der 44-jährige Priester Marco Arana aus dem Städtchen Cajamarca im Norden Perus ist solche Anschuldigungen seit Langem gewohnt. 1991 eröffnete das Bergbauunternehmen Yanacocha in Cajamarca ein neues Bergwerk und versprach der Bevölkerung Arbeit und Wohlstand. Marco Arana war damals Pfarrer im anliegenden Dorf Porcón und Zeuge, wie einer der weltweit größten Goldproduzenten den armen Bauern ihr Land zu einem Spottpreis abluchste. Marco Arana verteidigte damals die Bauern gegen die Mine. Heute ist Yanacocha die größte Goldmine Südamerikas und Marco Arana einer der führenden Köpfe der peruanischen Umweltbewegung ... Am 27. September 2006 erhielt Marco Aranas Nichte einen anonymen Telefonanruf: „Wenn dein Onkel sich weiter mit der Mine anlegt, dann wird er mit einer Kugel im Kopf enden.“ Knapp vier Wochen vorher war die Anwältin Mirtha Vásquez, Direktorin der Umweltorganisation Grufides, telefonisch bedroht worden: „Wir werden dich vergewaltigen und danach umbringen.“ Zur gleichen Zeit bemerkten die Mitarbeiter von Grufides, dass sie bei ihrer Tätigkeit verfolgt und gefilmt wurden. Am 14. November konnten sie einen der Verfolger stellen und der Polizei übergeben. Die Untersuchung ergab, dass eine Sicherheits-Firma seit Monaten damit beschäftigt war, Marco Arana, Mirtha Vásquez und weitere Umweltaktivisten und -aktivistinnen und Priester in Cajamarca rund um die Uhr zu verfolgen und zu filmen ... Bei der Suche nach den Auftraggebern der Observierungsaktion gab sich die beteiligte Firma zugeknöpft. Verschiedene Mails und gefundene Adressen weisen jedoch in Richtung der landesweit größten Sicherheits-Firma „Forza“, die auch für die Sicherheit der Goldmine „Yanacocha“ zuständig ist ... Der Konflikt gleicht dem zwischen David und Goliath und dreht sich im Wesentlichen um zwei Dinge: Land und Wasser. Bauern wollen ihr Land weiterhin landwirtschaftlich nutzen, und sie wehren sich dagegen, dass auch im Wassereinzugsgebiet Gold abgebaut wird. Sie befürchten, dass die Qualität und Quantität des Wassers beeinträchtigt wird.

Gefahren auch in Europa

Auch Europa ist vor solchen Umweltkatastrophen nicht sicher, selbst wenn die Goldgewinnung mit Zyanid in den meisten europäischen Ländern verboten ist. Aber Ende Januar 2000 flossen mehr als 100.000 Tonnen schwermetallhaltige Zyanidlauge aus einem Rückhaltebecken der Mine von Baia Mare/Rumänien in die Flüsse Lapus, Somes und Theiß flossen. Von dort gelangte das Gift in die Donau. Es setzte ein massenhaftes Fischsterben ein, und das Flusswasser fiel für die Trinkwassergewinnung aus. Das Unglück in der im australischen Besitz befindlichen Mine wird von Umweltschützern als eine der größten Umweltkatastrophen seit Tschernobyl angesehen. In Ungarn ist man sehr besorgt, dass Rumänien in Rosia Montana nur 190 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt eine weitere Goldmine eröffnen will. Das kanadisch-rumänische Konsortium plant, 300 Tonnen Gold und 1.600 Tonnen Silber zu gewinnen. Im Tagebau soll Gestein auf einer Fläche mit dem Durchmesser von 30 Kilometern abgetragen werden. Nicht nur ungarische, sondern auch rumänische Umweltschützer haben große Vorbehalte gegen das gigantische Vorhaben geäußert. Für die rumänische Ökologin Mikaela Lazarescu ist klar: "Goldbergbau mit Zyanid geht nicht ohne Umweltverschmutzung." Es besteht noch Hoffnung, dass sich Gretchens Feststellung im „Faust“ nicht ein weiteres Mal bewahrheitet: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“

Nichtregierungs- und Menschenrechtsorganisationen werfen Institutionen wie die Weltbank vor, noch immer Gelder für solche Investitionsprojekte bereitstellen. Problematisch ist auch, dass unter dem Einfluss der Weltbank die Bergbaugesetze in vielen Ländern liberalisiert worden sind, was den Effekt hat, dass internationale Bergbaukonzerne noch stärker in armen Ländern tätig werden und neue Bergwerke eröffnen können. Beim Weltsozialforum im Januar 2007 wurde mit vielen Beispielen dargestellt, wie sich dies auf die Armen auswirkt. Während internationale Konzerne und einflussreiche Politiker durch den Goldabbau große Einnahmen erzielen, geht die lokale Bevölkerung meist leer aus und muss dazu die ökologischen Folgen des Bergbaus tragen. Menschenrechts- und Umweltgruppen, die sich in Afrika gegen solche zerstörerischen Bergbauprojekte zur Wehr setzen, haben in Nairobi beschlossen, ein Netzwerk zu bilden, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Kampagnen durchzuführen.

Nur etwa 15 Prozent des jährlich gewonnenen Goldes werden von der Elektronik- und Zahnindustrie verwendet. Der größte Teil des mühsam gewonnenen Edelmetalls wird zu Schmuck verarbeitet oder wandert für immer in Form von Barren in die Tresore von Notenbanken oder Privatbanken. Ein Verkauf des für die Stabilität der Währungen längst nicht mehr benötigten Goldes für industrielle Zwecke würde den umweltschädlichen Goldabbau weit gehend überflüssig machen. FIAN und andere Menschenrechtsorganisationen forderten im September 2005 angesichts zahlreicher Menschenrechtsverletzungen, „den verantwortungslosen Goldabbau zu stoppen“.

Goldbarren

CAFOD hat im Rahmen seiner Kampagne 12 „goldene Regeln“ für Juweliere und andere Nutzer von Gold aufgestellt. Dazu gehören unter anderem: Achtung der grundlegenden Menschenrechte bei der Goldgewinnung; freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Bevölkerung zu Bergbauvorhaben; sichere Arbeitsbedingungen und Achtung der Arbeiterrechte und der Arbeitsstandards entsprechend den ILO-Konventionen; Gewährleistung, dass für die Vorhaben nicht Menschen von ihrem Land vertrieben werden; keine Versenkung der Bergbauabfälle in Ozeanen, Flüssen oder Seen. Es soll auch gewährleistet sein, dass die unabhängige Überprüfung der genannten Regeln überprüft wird. Neben diese Regeln hat CAFOD auf der Website einen Goldbarren gestellt, auf dem zu lesen ist: „Reines Gold? Schau genauer hin.“

Mehr Informationen zur FIAN-Kampagne finden Sie auf der FIAN-Website.

Eine Studie von CAFOD kann als PDF-Datei heruntergeladen werden unter dem Titel "Counting the cost of Gold".

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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