Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 22.03.2007 ---

Wasser - Kampf bis zum lezten Tropfen?

Der nachfolgende Beitrag von Helmar Dumbs erschien am 22. März in der österreichischen Tageszeitung Die Presse.

Das Gastrecht war nur so lange aufrecht, bis es ums Wasser ging: Da wollte Niger die 150.000 im Land lebenden tschadischen Flüchtlinge, vor allem Viehzüchter, so schnell wie möglich los werden. Es war zu unüberbrückbaren Spannungen mit der einheimischen Landbevölkerung gekommen. Wegen einer immer knapperen Ressource: Wasser, dem „blauen Gold“.

Es ist ein fataler Faktorenmix, der in vielen Gebieten der Erde - Sahelzone, Naher Osten, aber auch China und Indien - Wasser oft zur Mangelware macht: Starkes Bevölkerungswachstum und steigender Bedarf von Industrie und Landwirtschaft lassen die Gier nach dem Nass rasch anwachsen. Gleichzeitig führen Klimawandel, und ein verschwenderischer Umgang mit dem lebenswichtigen Gut regional zu enormer Verknappung.

„Kriege um Wasser“ werde das 21. Jahrhundert erleben, hatte Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan gewarnt. Ob es soweit kommt, ist umstritten. Nein, meint Max Santner, Leiter der Internationalen Hilfe beim Roten Kreuz: „Egal ob in der Euphrat-Tigris-Region oder zwischen Indien und Pakistan, man hat immer Wege gefunden, sich beim Wasser zu einigen.“

Aber warum? „Bei den bisherigen Konflikten um Wasser war eine Partei meist drückend überlegen“, meint der Publizist und Wasserexperte Frank Kürschner-Pelkmann. So kann etwa die Türkei Syrien und dem Irak quasi ihren Wasser-Willen aufzwingen. Das gleiche gelte für Ägypten, dessen Wasser-Konkurrenten am Nil, Äthiopien und Sudan, nicht nur militärisch unterlegen, sondern einander auch spinnefeind seien.

Wasser werde weniger Kriege auslösen als vielmehr „konfliktverschärfend wirken“. Das Paradebeispiel ist der Nahe Osten: Bei den Friedensverhandlungen von Camp David forderte Israel von den Palästinensern einen beträchtlichen Teil des Grundwassers im Westjordanland: „Das konnten sie nicht akzeptieren“, so Kürschner-Pelkmann. Und auf den Golan kann Israel seiner Meinung nach nur verzichten, wenn Damaskus Garantien abgibt, Israel nicht das Wasser abzugraben.

Totes Meer, Foto: Global Nature Fund

Mit Jordanien hat sich Israel auf die Verteilung des Jordan-Wassers geeinigt. Eine friedliche Lösung mit fatalen Folgen: Die Wassermenge, die das Tote Meer erreicht, ist drastisch geschrumpft: „Das Tote Meer ist tatsächlich fast tot“. Der Wasserspiegel sinkt rapide, es fließt wertvolles Grundwasser in den See, das dort rasch verdampft.

Weltweit ist in toto genug Süßwasser da. Es handelt sich primär also um ein Verteilungsproblem. Und um eines der gezielten, nachhaltigen Verwendung. Genau das passiert nicht: 75 Prozent des Wassers werden in der Landwirtschaft verbraucht, dabei werden oft „die falschen Früchte am falschen Ort angebaut, was zu Wasserknappheit führt“, erklärt Andreas Wurzer vom WWF Österreich.

Der Wasserhunger der Landwirtschaft wird sich aus ökologischen Gründen noch vergrößern: Um dem Klimawandel zu begegnen, soll vermehrt Biomasse zum Einsatz kommen. Mehr Biosprit bedeutet aber mehr Felder, um die nötigen Pflanzen anzubauen.

„Man glaubt, mit der Biomasse den Stein der Weisen gefunden zu haben. Aber es besteht die Gefahr, dass dadurch große Wasserprobleme auftreten“, fürchtet Wurzer. Außer Streit ist jedenfalls, dass großer Handlungsbedarf besteht: Die Menschheit habe zwar die Fähigkeit, sich an Mangelsituationen anzupassen, meint Max Santner vom Roten Kreuz. Bei den rasanten Veränderungen durch den Klimawandel müsse aber rasch reagiert werden: „Ohne Eingriff von außen wird das nicht gehen.“

Außer Streit ist auch, dass es, wenn schon keine regelrechten Wasser-Kriege, dann doch innerhalb der am stärksten betroffenen Staaten mehr Verteilungskämpfe geben wird. Und die können - Kenia ist nur ein Beispiel - genauso tödlich enden, wenn es um den letzten Tropfen Wasser geht.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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