Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 29.06.2007 ---

Islamistischer und christlicher Fundamentalismus

Titelseite der epd-Dokumentation

Die Evangelische Akademie im Rheinland hat im März 2007 eine Tagung zum Thema „Islamismus und christlicher Fundamentalismus - Herausforderungen der Moderne?“ veranstaltet, deren Beiträge Ende Juni als epd-Dokumentation 27/2007 erschienen sind. Die Tagung wurde in Zusammenarbeit der Akademie mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Beratungsstelle für christlich-islamische Begegnung der Evangelischen Kirchen in Rheinland und Westfalen durchgeführt.

Jörgen Klußmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie im Rheinland, schreibt in der Einleitung der Dokumentation:

Für eine aufgeklärte Gesellschaft, die an die Freiheit des Einzelnen und die Verantwortung für die Gemeinschaft glaubt und dies mittels demokratischer Mitbestimmung und durch eigene Anstrengungen zu erreichen sucht, müssen die Fundamentalismen unabhängig von ihrem religiösen oder ideologischen Hintergrund alarmierend sein. Doch eine rein ablehnende Haltung wird hier nichts fruchten. Denn was hat die Menschen in die Fänge von Fundamentalismen getrieben? Ist es nicht gerade die Heilserwartung selbst, die enttäuschte Erwartungen aufwiegen will? Die Versprechen von Demokratie, Freiheit, Wohlstand und die Beteiligung an Entscheidungen über das Wohl und Wehe der Gesellschaft haben sich vielfach nicht erfüllt ... Besonders die Menschen in den Entwicklungsländern und den Transformationsländern, aber auch die unteren Bevölkerungsschichten, die besonders in den letzten Jahren eher noch weiter verarmen, sind von den Versprechungen der westlichen demokratischen Politik enttäuscht worden.

In einem einführenden Beitrag stellt Professor Peter Antes dar, was Fundamentalismus ist und macht deutlich, dass die Fremdbezeichnung vieler komplexer religiöser und sozialer Prozesse mit dem Schlagwort Fundamentalismus der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Anschließend befassen sich mehrere Autoren mit dem Begriff und der vielschichtigen Realität des Islamismus.

Professor Hans G. Kippenberg stellt in der Dokumentation den christlichen Fundamentalismus in den USA dar, der mit Kreuzzugsvorstellungen die religiöse Debatte in den USA beeinflusst und gleichzeitig die Auseinandersetzungen der verbliebenen Supermacht vor allem mit islamisch geprägten Ländern verschärft. Dr. Reinhard Hempelmann befasst sich in seinem Beitrag mit der Frage, inwieweit Evangelismus und Fundamentalismus identisch sind und hilft, die Ursprünge und theologischen Positionen beider Bewegungen besser zu verstehen.

Frank Kürschner-Pelkmann stellt den facettenreichen christlichen Fundamentalismus in den Ländern der Dritten Welt dar. Ein Schwerpunkt des Beitrags liegt auf der Interaktion von christlichen Fundamentalisten im Norden und Süden der Welt. Es wird deutlich, warum dieser Fundamentalismus die gegenwärtig ohnehin nicht selten spannungsreichen christlich-muslimischen Beziehungen weiter verschlechtert und in ungünstigen Fällen zum Ausbruch von Gewalt beiträgt. Zugleich ist der christliche Fundamentalismus auch eine Anfrage an die großen und traditionsreichen Kirchen, denn die Menschen, die zu fundamentalistischen Gruppen abwandern, vermissen offenbar Grundlegendes in den Kirchen. Am Ende des Referats stehen acht Thesen, und die Schlussthese knüpft an die Einführung von Jörgen Klussmann an:

Wenn man dem religiösen Fundamentalismus in verschiedenen großen Religionen der Welt die Grundlage entziehen will, müssen die Lebensbedingungen und Lebensperspektiven von Millionen Armen im Süden der Welt grundlegend verbessert werden. Wer auf dieser Welt offenbar nicht mehr als Armut und Elend zu erwarten hat, wird leicht bereit sein, den apokalyptischen Visionen von Fundamentalisten zu folgen.

Weitere Informationen zur Tagung finden Sie auf der Website des Evangelischen Pressedienstes im Bereich epd-Dokumentation.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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