Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 29.06.2007 ---

Folgen des internationalen Rohstoffbooms

Titelseite des Inkota-Briefes

Die internationalen Rohstoffpreise steigen stark an, seit vor allem China und Indien einen wachsenden Bedarf an Öl, Kupfer, Zinn etc. haben. Für rohstoffexportierende Länder im Süden der Welt könnte dies eine gute Nachricht sein - aber die Realität ist komplexer. Wer sich mit dieser Thematik näher beschäftigen möchte, für den bietet das Themenheft "Der neue Rohstoffboom: Krisen und Konflikte" der Zeitschrift „INKOTA-Brief“ (Ausgabe 140 vom Juni 2007) fundierte Beiträge. Im Editorial schreibt Michael Krämer zu den negativen Auswirkungen der rasch steigenden Rohstoffpreise:

Eine Folge sind neue wirtschaftliche Spielräume für einige rohstoffreiche Länder Afrikas und Lateinamerikas. Doch nur wenige Länder können sich so über die neue Bonanza freuen wie zum Beispiel Venezuela unter Präsident Chávez, dessen expansive Sozialpolitik ohne die zusätzlichen Erdölmilliarden gar nicht möglich wäre ... Viele Länder leiden unter einem Fluch der Ressourcen. „Blutdiamanten“ und Edelhölzer haben jahrelang die Kriege in Liberia und Sierra Leone finanziert. Und in mehreren afrikanischen Ländern haben große Erdölvorkommen Reichtum nur für eine kleine Schicht ermöglicht. Gewalttätige Konflikte, Korruption und ein ausgeprägter Klientalismus prägen viele rohstoffreiche Länder. Nicht vergessen werden darf, dass die korrupten Eliten häufig auf die Unterstützung oder zumindest Duldung der Regierungen der Industrieländer zählen können.

In einem Überblicksartikel stellt Dominic Johnson unter der Überschrift „Der neue Rohstoffboom“ dar, wie der steigende Ressourcenverbrauch die Wirtschaft und Politik weltweit verändert. Er ruft in seinem Beitrag u.a. in Erinnerung, dass die heutigen Rohstoffpreise nach vielen Jahren des Preisverfalls erst wieder das Index-Niveau der 1970er Jahre erreicht haben. Er analysiert dann, welche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren dazu führen, dass die arme Bevölkerung in vielen Ländern so wenig oder gar nicht von den steigenden Rohstoffpreisen profitiert. Silas Siakor stellt in einem weiteren Beitrag des „INKOTA-Briefes“ dar, warum sich der Diamantenreichtum als Fluch für Liberia und Sierra Leone erwiesen hat. In mehreren Beiträgen geht es um Öl und andere Energiequellen, um deren Kontrolle international hart gekämpft wird. Lesenswert auch der Beitrag von Werner Paczian über die Gewinnung von Biotreibstoffen in Brasilien, ein Boom, der die Abholzung der Regenwälder beschleunigt und soziale Konflikte verschärft.

Frank Kürschner-Pelkmann stellt am Beispiel des Nils dar, wie sich die Konflikte um die Ressource Wasser innerhalb der Länder und zwischen Nachbarstaaten verschärfen. In Ägypten verursachen die Modernisierung der Landwirtschaft und der rasch wachsende städtische Wasserbedarf massive soziale Auseinandersetzungen, die sich mit zunehmender Wasserknappheit noch verschärfen werden:

Die Umverteilung des Wassers zugunsten der markt- und exportorientierten Landwirtschaft und der Städte hat nach den Gesetzen der Marktwirtschaft ihre Logik, für viele arme Kleinbauern bedeutet dieser Prozess, dass sie ihre Lebensgrundlage verlieren und in die Armenviertel am Rande großer Städte ziehen müssen.

Weitere Informationen zum Rohstoff-Themenheft finden Sie auf der Website von INKOTA.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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