Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 07.07.2007 ---

Schmelzende Gletscher - ein Problem tropischer Länder

Titelseite der Zeitschrift Entwicklungspolitik Information Nord-Süd

Der nachfolgende Beitrag von Frank Kürschner-Pelkmann ist erschienen in der Ausgabe 12/2007 der Zeitschrift eins - Entwicklungspolitik Information Nord-Süd.

Zwei Studien des UN-Umweltprogramms United Nations Environment Programme (UNEP) weisen nach, dass tropische Länder von den Folgen des Schmelzens der Gletscher besonders stark betroffen sind. Die globalen Klimaveränderungen lösen diesen Prozess aus und verstärken ihn zugleich.

China wird ohne eine andere globale Klimapolitik bis zum Jahre 2050 zwei Drittel seiner Gletscherflächen verloren haben, und im Jahre 2100 wird das Land dann keine Gletscher mehr besitzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des UNEP zu den Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung auf die Himalaja-Region.

Noch gibt es dort etwa 15.000 Gletscher, aber ihre Flächen und Volumen nehmen rasch ab. Daher steigt die Wassermenge in Seen und Flüssen ständig an. Manche der 9.000 Gletscherseen haben sich seit den 1970er Jahren um bis zu 800% vergrößert. Es ist bereits zu einzelnen Flutkatastrophen in Bergtälern gekommen, als die Wassermassen natürliche Barrieren überspülten und wegschoben. Wenn die Gletscher geschmolzen sind, trocknen viele Bäche und Flüsse aus. Dr. Andreas Schild, der Generaldirektor des an der Studie beteiligten International Centre for Integrated Mountain Development, betont: „Veränderungen des Gletschereises und der Schneeschmelze wirken sich auf die verfügbare Wassermenge an den Unterläufen der Flüsse aus. Das Risiko von Wasserknappheit wird höher, was sich auf die Bewässerungslandwirtschaft, die Industrie und die Energieerzeugung auswirkt.“ Kommt es einmal zu stärkeren Niederschlägen, wird das Wasser nicht mehr von den Gletschern und Schneefeldern gebunden, sondern strömt ungebremst in die Täler.

Eine zweite UNEP-Studie mit dem Titel „Global Outlook for Ice and Snow“ weist nach, dass die Verminderung des Schneefalls und der Gletschergröße in allen Teilen der Welt negative Folgen hat. UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner erklärte bei der Präsentation der Forschungsergebnisse Anfang Juni 2007: „Dieser Bericht macht deutlich, dass das Schicksal der eis- und schneereichen Regionen der Welt genauso relevant ist für die Menschen, die in den Tropen oder in gemäßigten Klimazonen leben, wie für die Bewohner in der Arktis oder in Bergregionen mit Gletschern.“ Deshalb ist es beunruhigend für die ganze Menschheit, dass sich die Durchschnittstemperaturen in der Arktis doppelt so rasch erhöhen wie in der übrigen Welt.

Auch in dieser Studie werden die Auswirkungen der Himalaja-Gletscherschmelze als besonders gravierend eingeschätzt, weil hiervon etwa 40% der Weltbevölkerung betroffen sind. In Afrika sind bereits 80% der Gletscherflächen verschwunden, und am Kilimandscharo sind bereits Bäche ausgetrocknet, die früher von Gletscherwasser gespeist wurden. Das baldige Verschwinden der Anden-Gletscher wird sich auf die Trinkwasserversorgung vieler Millionen Menschen auswirken.

Global katastrophale Folgen hätte ein Schmelzen des gesamten Eispanzers von Grönland. Dann würden die weltweiten Meeresspiegel um sieben Meter steigen. Im UNEP-Bericht wird betont, dass sich die negativen Effekte des Schmelzens von Grönlandeis, Antarktiseis und des Gletschereises der Hochgebirgsregionen der Welt addieren werden. Dabei würde bereits ein Anstieg der Meeresspiegel um einen Meter etwa 145 Millionen Menschen die Lebensgrundlage rauben. Besonders Asien wäre betroffen. Gegenwärtig trägt das Schmelzen von Gletschern sowie Schnee- und Eisflächen bereits zu einem Drittel zum Anstieg der Meeresspiegel bei, Tendenz steigend.

UNEP warnt außerdem davor, dass die Klimaerwärmung in arktischen Regionen dazu führt, dass in bisherige Permafrost-Regionen das Eis schmilzt und riesige Sumpflandschaften entstehen. Bei diesem Prozess werden gewaltige bisher im Eis gebundene Methangasmengen freigesetzt. Diese Treibhausgase beschleunigen den Klimawandel in allen Regionen der Welt auf dramatische Weise. Es gibt also viel Grund für tropische Länder, mit Sorge auf die Klimaveränderungen an den Polen und in Hochgebirgsregionen zu blicken.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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