Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 14.08.2007 ---

Entwicklungspolitik: Wasser- und Abwasser vernachlässigt

WaterAid-Website

Die UN-Millenniumsentwicklungsziele der Halbierung der Zahl der Menschen ohne Wasserversorgung und Abwasserentsorgung bis 2015 sind in verschiedenen Weltregionen nicht zu erreichen, wenn kein Umdenken in der internationalen Entwicklungspolitik erfolgt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der britischen Organisation WaterAid. Ebenso sind andere Millenniumsentwicklungsziele sehr viel schwerer erreichbar, wenn die Zusammenhänge zwischen Zielen wie Armutsbekämpfung, Verbesserung der Bildungs- und Gesundheitssituation und einer angemessenen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ignoriert werden.

WaterAid verweist in dem Bericht "Global cause and effect" darauf, dass der bezahlbare Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu einer gesundheitlich unbedenklichen Abwasserentsorgung ganz oben auf der Prioritätenliste der Armen im Süden der Welt steht. Aber „das internationale Hilfssystem geht nur auf eine sehr unzureichende Weise auf die Forderung der Armen nach solchen Diensten ein“.

Im Bericht von WaterAid wird nicht nur kritisiert, dass zu wenig Finanzmittel für den Wasser- und Abwasserbereich zur Verfügung gestellt werden, sondern auch, dass viele Schulen über keine angemessenen Toiletten verfügen und Kinder so daran gehindert werden, die Bildungsangebote wahrzunehmen. Besonders ältere Mädchen beenden ihren Schulbesuch vorzeitig oder kommen während der Menstruationszeiten nicht in die Schule, wenn es keine oder nur völlig unzureichende Toiletten gibt, die keine Sauberkeit und Privatheit bieten. In Uganda berichteten 94% der älteren Mädchen, dass sie Probleme hätten, ihre Schule während der Menstruationszeit zu besuchen, 61% bleiben in dieser Zeit zu Hause. Zu berücksichtigen ist zusätzlich, dass viele Mädchen die Schule nicht besuchen können, weil sie jeden Tag große Entfernungen zurücklegen müssen, um Wasser für ihre Familien zu holen.

Seit langer Zeit ist bekannt, dass unsauberes Trinkwasser und fehlende Toiletten zu den wichtigsten Krankheitsursachen auf der Welt gehören. Im WaterAid-Bericht wird darauf verwiesen, dass mehr als 90% aller Durchfallerkrankungen auf diese Mängel zurückzuführen sind. Die häufigen Erkrankungen wiederum haben äußerst negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation armer Familien und ganzer Volkswirtschaften. Investitionen in die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung erbringen deshalb eine hohe volkswirtschaftliche Rendite und sind ein wichtiger Schritt, um die Zahl der armen Menschen bis 2015 tatsächlich auf die Hälfte zu reduzieren.

Im Jahre 1990, dem Basisjahr für die Berechnung der Umsetzung der UN-Millenniumsziele, hatten weltweit 71% der Menschen Zugang zu sauberem Wasser. Bis 2004 ist dieser Anteil lediglich auf 80% gestiegen. Es bedarf also noch beträchtlicher Anstrengungen, um das Millenniumsentwicklungsziel zu erreichen. Bei der Bewertung der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass es beträchtliche regionale Unterschiede gibt. So hatten in Afrika südlich der Sahara im Jahre 2004 erst 56% der Menschen Zugang zu sauberem Wasser, und WaterAid weist darauf hin, dass selbst diese Zahl vorsichtig zu bewerten ist und der tatsächliche Anteil der Menschen mit sauberer Wasserversorgung vermutlich niedriger liegt. Die sanitäre Situation ist noch wesentlich schlechter. Von 1990 bis 2004 stieg der Anteil der Weltbevölkerung mit einer angemessenen, gesundheitlich unbedenklichen sanitären Entsorgung lediglich von 37% auf 52%. In Südasien und in Afrika südlich der Sahara haben weiterhin zwei von drei Menschen keinen Zugang zu einer Toilette.

WaterAid stellt in dem Bericht fest: „Unzureichender Zugang zu Wasser und sanitärer Entsorgung unterhöhlen jegliche menschliche Entwicklung. Und dennoch haben die Investitionen in den Wasser- und Sanitärbereich - im Gegensatz zum Gesundheits- und Bildungsbereich - nicht Schritt gehalten mit der Zunahme der internationalen Hilfe.“

Zwischen 2002 und 2005 ist die internationale Hilfe für den Wasser- und Abwasserbereich zwar deutlich gestiegen, aber das ist weit gehend darauf zurückzuführen, dass der Irak allein im Jahr 2005 733 Millionen Dollar für diesen Bereich erhalten hat, während die Hilfe zwischen 2000 und 2002 (in der Herrschaftszeit von Saddam Hussein) weniger als 1 Million Dollar im Jahr betrug.

In dem Bericht wird auch diagnostiziert, dass viele Regierungen im Süden der Welt dem Wasser- und Abwasserbereich nicht genügend Beachtung schenken. So hat Malawi zum Beispiel seine Ausgaben für Gesundheits- und Bildungsprogramme in den letzten Jahren deutlich erhöht, während die Ausgaben für Wasser- und Abwasserprogramme zurückgegangen sind und im Haushaltsjahr 2005/6 lediglich 0,75% des Gesamthaushalts betrugen. Eine Folge ist, dass sich der Anteil der Menschen mit einem Zugang zu sauberem Wasser zwischen 2000 und 2004 von 61% auf 57% vermindert hat. WaterAid plädiert dafür, die Mittel für Wasser- und Abwasserprojekte deutlich zu erhöhen und gleichzeitig Wasser-Fragen stärker in anderen Entwicklungsprogrammen zu berücksichtigen.

Der WaterAid-Bericht kann heruntergeladen werden: Global cause and effect (pdf-Datei, 367 KB).

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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