Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 25.08.2007 ---

Biokraftstoffe bedrohen Süßwasserreserven der Welt

Mais: Auf den Teller oder in den Tank?

Biokraftstoffe - das klingt nach Umweltfreundlichkeit. Können wir in Zukunft mit Biosprit fressenden Geländewagen durch deutsche Städte preschen und dabei die Umwelt schonen? In letzter Zeit gibt es immer mehr kritische Rückfragen, wie „bio“ und wie sozialverträglich der Biokraftstoffboom ist. Dabei erscheint dieser Kraftstoff auf den ersten Blick geradezu ideal geeignet zu sein, um die Umweltbelastung durch den Autoverkehr auf einen Schlag zu beseitigen. Die Pflanzen, die später zu Ethanol oder Biodiesel verarbeitet werden, nehmen während des Wachstums genau so viel Kohlendioxid auf, wie später aus dem Auspuff strömt.

Aber bei genauerer Betrachtung zeigen sich viele Probleme. So wird je nach Ausgangsprodukt (Zucker, Mais, Ölsamen u.a.) eine beträchtliche Menge Energie aufgewendet, die die Energie- und Ökobilanz der Kraftstoffe ins Minus bringen kann. Auch zeigt sich in den letzten Monaten verstärkt, dass der Biokraftstoffboom eine wesentliche Ursache für steigende Getreidepreise auf dem Weltmarkt ist - was zulasten der Armen der Welt geht. „Voller Tank und leere Teller“ lautete deshalb am 2. August 2007 eine Überschrift in der „Süddeutschen Zeitung“. Das Getreide, das erforderlich ist, um eine Tankfüllung Biokraftstoff für einen Range Rover herzustellen, könnte einen Menschen ein Jahr lang ernähren.

Noch wenig beachtet werden bisher die Auswirkungen der Biokraftstoffproduktion auf die ohnehin prekäre Süßwassersituation der Welt. Offenkundig ist, dass für den Anbau der Pflanzen, die zu Ethanol oder Biodiesel verarbeitet werden, große Mengen Wasser eingesetzt werden. Das gilt zum Beispiel für die riesigen Maisfelder im Mittleren Westen der USA. Allein im US-Bundesstaat Iowa werden laut einem Bericht der Bauernzeitung (Schweiz) vom 24.7.2007 28 Milliarden Liter im Jahr für den Anbau der Maispflanzen verbraucht, die dann zu Ethanol verarbeitet werden. Für jeden Liter Ethanol würden etwa vier Liter Wasser benötigt. Nach anderen Berechnungen ist der Wasserverbrauch je Liter Ethanol sogar noch wesentlich höher.

Zu berücksichtigen ist auch, dass für die Reinigung von einer Tonne Zuckerrohr nach einem in der Zeitschrift „Nature“ im Juli 2007 veröffentlichten Forschungsbericht bis zu 3.900 Liter Wasser erforderlich sind. Bei der Weltwasserwoche in Stockholm Mitte August 2007 wurde deshalb davor gewarnt, dass der Ethanol- und Biodieselboom zu einer weiteren Verknappung des für die Menschen zur Verfügung stehenden Wassers führen kann. Das „Stockholm International Water Institute“ wies darauf hin, dass dieser Boom zu einer Verdoppelung der Wassernachfrage der Landwirtschaft führen könnte.

Für den globalen Wasserhaushalt sehr schädlich ist aber auch die Abholzung von Regenwäldern, um Platz für den Anbau der Pflanzen zu schaffen, die als Basis für die Biokraftstoffproduktion dienen sollen. Dies gilt besonders für die Ölpalmplantagen in Malaysia und Indonesien. Zwar wird staatlicherseits angestrebt, die Anlage neuer Plantagen in tropischen Regenwaldflächen zu verhindern. Aber die jedes Jahr zu beobachtenden großflächigen Brände in noch erhaltenen Regenwaldgebieten zeigen, dass gar zu oft die Gewinninteressen über ökologische Belange siegen. In Indonesien und Malaysia sind bereits jeweils mehr als zwei Millionen Hektar mit Ölpalmen bedeckt. Dass diese Flächen weiter wachsen und dafür Regenwald zerstört wird, liegt vor allem am Biokraftstoffboom. Kritiker sprechen daher vom „Kahlschlagsdiesel“.

Ein weiteres Problem ist der massive Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern, auf denen Mais, Ölpalmen oder Zucker für den Biokraftstoff angebaut werden. Da diese Agrarerzeugnisse nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, gibt es noch weniger Bedenken und Einschränkungen für den massiven Einsatz von Agrarchemie als sonst. Dies hat katastrophale Auswirkungen auf das Grund- und Flusswasser im weiten Umkreis dieser Felder.

Wer die Umwelt schonen will, für den bietet Biokraftstoff deshalb zumindest gegenwärtig noch keine akzeptable Option. Es besteht sogar die Gefahr, dass die Beimischung von Biokraftstoffen die Illusion auslöst, so schädlich sei der Autoverkehr für die Umwelt gar nicht. Es führt kein Weg vorbei an einem Tempolimit, am 3-Liter-Auto und vor allem an anderen Mobilitätsmöglichkeiten als dem individuellen PKW.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Foto: pixelio.de

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