Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 15.10.2007 ---

Wassersparen überflüssig? Sinnvoller Umgang mit dem kühlen Nass

Vortrag von Frank Kürschner-Pelkmann bei der Messe "Energie leben 2007" in Bremen am 14. Oktober 2007

Die Berner Au, sonst ein munter fließender Bach - jetzt hat die Dauerhitze sie fast ausgetrocknet. Muscheln und Flusskrebse mussten sich in die vereinzelten Wasserlaken zurückziehen, viele sind verendet. Durch die hohen Temperaturen der letzten Tage ist das Wasser des Flusslaufes zum größten Teil verdunstet. Auch die Wandse in Rahlstedt ist abschnittsweise fast völlig ausgetrocknet - und so sieht es mit den meisten Hamburger Gewässern aus.

Diese Zeilen stammen nicht aus einem Roman zu Umweltproblemen im Jahr 2030, sondern aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 9. August 2003.

Ein weiteres Beispiel aus der Schweiz: "Die große Trockenheit" lautete der Titel einer Reportage im „Migros-Magazin“ vom 24. Januar 2006. Die Zeitschrift der Schweizer Handelskette stellte ausführlich dar, wie sich geringe Niederschläge und niedriger Wasserstand des Rheins auswirkten. Die Schweiz hat sich wegen ihres Wasserreichtums immer wieder als „Wasserschloss Europas“ bezeichnet, nun heißt es zu Anfang des Zeitschriftenartikels:

Die Schweiz hat ein Wasserproblem: Quellen versiegen, Bäche trocknen aus, Seen weisen Rekordtiefstände auf. An einigen Orten wird das Trinkwasser knapp, andernorts drohen wirtschaftliche Einbußen.

Der Wasserstand des Bodensees befand sich auf einem historischen Tiefstand von mehr als einem Meter unter dem durchschnittlichen Wasserstand. Sogar lange im Wasser versunkene Schiffswracks lagen auf dem Trockenen. Während Archäologen sich darüber freuten, dass sie am trockenen Ufersaum des Bodensees nach Funden graben konnten, ohne dass getaucht werden musste, hatten die Fährschiffe zunehmende Probleme, die Häfen anzulaufen.

Auch in Deutschland müssen sich diejenigen, die Wassersparen für überflüssig halten, fragen lassen, ob sie die Auswirkungen der Klimaveränderungen ernst nehmen. Dazu ein Beispiel aus der „Märkischen Oderzeitung“ zum Internationalen Tag des Wassers 2007:

Ökologen schlagen Alarm. Die Uckermark wird von den Folgen der globalen Klimaveränderungen deutschlandweit mit am stärksten betroffen sein. Umweltschützer registrieren seit Langem sinkende Grundwasserstände, verlandende Seen und lange Trockenperioden. Der Wasserhaushalt gerät aus den Fugen. Kaum zu glauben, aber heute schon deutlich spürbar: Die wasserreiche Uckermark trocknet aus.

Gleichzeitig lesen wir immer wieder in Zeitungen, dass Wassersparen hierzulande nicht nötig, sondern sogar schädlich sei. Als ein Grund wird angegeben: Je weniger Wasser verbraucht wird, desto höher wird der Kubikmeterpreis für Trinkwasser. Tatsächlich sind 80% der Kosten von Wasserbetrieben Fixkosten. Wenn weniger Wasser verkauft wird, müssen diese Kosten auf weniger Kubikmeter umgelegt werden.

Außerdem sind die Leitungsnetze sind auf größere Wassermengen ausgelegt. Bei geringerem Verbrauch sinkt die Fließgeschwindigkeit. Das schafft vor allem bei den Abwässerrohren und -kanälen Probleme. Im Extremfall könnten sie mangels ausreichend Wasser verstopfen. Außerdem können sich n dem in geringer Geschwindigkeit fließenden Wasser rascher Bakterien entwickeln.

Tropfender Wasserhahn: Jeder Tropfen zählt, wenn es um das Wassersparen geht

Ist es noch sinnvoll, Wasser aus der Leitung zu sparen? Ich meine ja. Der Hauptgrund dafür ist, dass in einigen Jahrzehnten auch bei uns - wie in anderen Teilen der Welt schon heute - eine Wasserverknappung entstehen kann. Bekanntlich führen die globalen Klimaveränderungen dazu, dass die Gletscher in den Alpen rasch schmelzen. Aus diesen Gletschern werden aber große Flüsse wie der Rhein gespeist. Gletscher und Eisflächen sorgen dafür, dass im Winter auch bei hohen Niederschlägen Wasser in Eis und Schnee gebunden wird und nicht gleich die Flüsse anschwellen lässt. Im eher trockenen Sommer schmilzt ein Teil des Eises und Schnees und verhindert ein Austrocknen der Bäche. Ohne Gletscher ist deshalb häufiger mit extremeren Wasserständen in Flüssen wie dem Rhein zu rechnen. Das hat auch Auswirkungen auf die Grundwasserbildung.

Hinzu kommt, das sich bisher nicht exakt vorhersagen lässt, wie sich die Niederschläge in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland und seinen Nachbarstaaten entwickeln werden. Auch das hat einen großen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Trinkwasser. Das bayerische Umweltministerium hat in diesem April gewarnt, dass zwei Jahre Dürre und große Hitze zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung führen würden. Die EU hat sich im Sommer 2007 angesichts der drohenden Wasserverknappung entschlossen, die sparsame Nutzung von Wasser finanziell zu fördern.

Unter diesen Umständen erscheint es unverantwortlich, die Menschen zu vermehrtem Trinkwasserverbrauch zu ermutigen. Nötig ist vielmehr, die Leitungsnetze dem verminderten Verbrauch anzupassen, also vor allem die Rohrdurchmesser zu vermindern. Das kostet Geld, aber es ist eine Investition in eine Zukunft, in der das Wasser weiterhin für alle reicht. Betriebswirtschaftlich wirft dies für Wasser- und Abwasserbetriebe zunächst einmal Probleme auf. Die Einnahmen sinken wegen des geringeren Verbrauchs, und gleichzeitig muss mehr investiert werden. Auch technische Probleme können entstehen. Aber worin besteht die Alternative? Ist es wirklich sinnvoll, weiterhin eine überdimensionierte Infrastruktur zu erhalten und zu erneuern?

Den Verbraucherinnen und Verbrauchern wird manchmal gesagt, Wassersparen lohne sich auf finanziell nicht. Kurzfristig würde zwar gespart, aber steigende Wasserpreise aufgrund des gesunkenen Verbrauchs würden diese Einsparungen wieder zunichte machen. Das stimmt so nicht. Wer heute Wasser spart, kann seine Wasserrechnung drastisch senken und bisher steigen die Wasserpreise bei weitem nicht so rasch, dass der Vorteil wieder dahin ist. Vielerorts steigen die Wasserpreise sogar deutlich geringer als man bei der durchschnittlichen Inflationsrate erwarten könnte.

Es kommt hinzu, dass ein erheblicher Teil des im Haushalt verwendeten Wassers vor dem Verbrauch erwärmt oder erhitzt wird, sei es zum Duschen, sei es in der Waschmaschine. Man spart also auch Energie, wenn man Wasser spart, und das zahlt sich ebenfalls aus.

Es ist deshalb erfreulich, dass Wasserversorgungsunternehmen wie die swb in Bremen weiterhin zum Wassersparen auffordern und in ihren Kundenzentren konkrete Tipps und Hilfen hierfür geben.

Was kann man konkret tun, um Wasser zu sparen?

Das beginnt damit, tropfende Wasserhähne sofort reparieren zu lassen. Durch das stete Tropfen des Hahns gehen bis zu 45 Liter Trinkwasser am Tag verloren, bei einem defekten WC-Spülkasten kann es die doppelte Menge sein. Das schadet Umwelt und Geldbeutel.

34 Liter Trinkwasser pro Tag werden von einem durschnittlichen Bundesbürger für WC-Spülungen verbraucht. Durch Spartasten ist es möglich, etwa die Hälfte davon einzusparen.

Für die Körperpflege werden täglich durchschnittlich 48 Liter verbraucht. Für ein Vollbad werden 150 bis 200 Liter benötigt, beim Duschen sind es dagegen lediglich 30-80 Liter. Beim Duschen wird nicht nur Wasser gespart, sondern auch Energie zum Aufheizen des Wassers.

Moderne Wasch- und Spülmaschinen verbrauchen weniger Wasser und Energie.

Wasser sparen ist ganz einfach dadurch möglich, dass man nicht während des Zähneputzens den Wasserhahn zudreht.

Regenwasser lässt sich vielfältig verwenden, und zum Beispiel ohne großen Aufwand für den Garten nutzen.

Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten des Wassersparens, und die meisten von ihnen kosten kein oder kaum Geld oder werden finanziell mit staatlichen Mitteln gefördert.

Daneben ist Sensibilität im Umgang mit dem Abwasser erforderlich. Das bedeutet zum Beispiel, dass man bei der Auswahl des Waschmittels an die Abbaubarkeit der Inhaltsstoffe in Kläranlagen denkt. Wichtig ist vor allem, dass keine Stoffe in die Toilette gekippt werden, die in den Müll oder in den Sondermüll gehören. So gehören keine Medikamente ins Abwasser, weil sie beim Klärungsprozess meist nicht abgebaut werden können und dann in den Gewässern beträchtliche Schädigungen auslösen.

Virtuelles Wasser sparen

Eine Zitrone: Für den Anbau von Zitronen ist viel Wasser erforderlich

In einer Zitrone mit einem Gewicht von 100 Gramm sind 100 Liter Wasser enthalten. Es ist unsichtbar, also virtuell. Das ist das Wasser, das erforderlich war, um diese Zitrone wachsen zu lassen. Je Gramm 1 Liter Wasser erforderlich.

Bei all dem, was wir täglich verbrauchen, summiert sich die Wassermenge, die für den Anbau in der Landwirtschaft oder die industrielle Produktion der Güter erforderlich ist. Der gesamte tägliche virtuelle Wasserverbrauch eines Bundesbürgers beträgt etwa 4.000 Liter. Im Vergleich: Der Verbrauch von Trinkwasser aus dem Wasserhahn beträgt etwa 129 Liter am Tag.

Die Berechnung, wie viel Wasser in welchem Produkt "verborgen" ist, erfordert intensive Studien. Möglich, für jede Tomate und jeden Autoreifen, der irgendwo auf der Welt produziert wird. Für den Anbau des Tees sind durchschnittlich 136 Tassen Wasser erforderlich. Für eine Tasse Kaffee werden sogar 1.100 Tassen Wasser eingesetzt - also das Achtfache wie beim Tee. Für die globale Kaffeeproduktion beträgt das Volumen 110 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Das ist 1,5 Mal so viel Wasser, wie jährlich in der Rheinmündung ankommt. Der virtuelle Wasserverbrauch für ein Baumwoll-T-Shirt beträgt 2.000 Liter, für eine Jeans sind es 6.000 Liter und für einen Hamburger 2.400 Liter.

Weltweit und besonders in den Ländern des Südens hat der Wassereinsatz für die Landwirtschaft und für den Export landwirtschaftlicher Produkte eine herausragende Bedeutung. So wird ein Viertel des verfügbaren Wassers in Thailand für die Erzeugung landwirtschaftlicher Exportprodukte aufgewandt, besonders Reis. Weltweit entfallen 70 Prozent des menschlichen Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft und von dieser Menge wiederum etwa 20 Prozent auf die Erzeugung von Exportprodukten.

Sehr negativ wirkt sich aus, dass gerade in den Ländern, in denen bereits eine Wasserknappheit herrscht, die Produktion vieler landwirtschaftliche Erzeugnisse besonders wasserintensiv ist. Weltweit eine Billion Kubikmeter virtuelles Wasser exportiert und importiert. Deutschland importiert 53% des verbrauchten virtuellen Wassers.

Die große Chance der Debatte über virtuelles Wasser besteht darin, dass endlich bewusst wird, welche enormen Einsparpotenziale bestehen, wenn der Wassereinsatz für die Produktion von zahllosen Gütern reduziert und deren Verbrauch vermindert wird, z.B. durch wassersparende Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft oder die Nutzung von Brauchwasser.

Was können wir auf diesem Gebiet selbst tun?

Patentrezepte gibt es auf diesem Gebiet nicht, wohl aber viele kleine sinnvolle Schritte. Das beginnt beim heimischen Speiseplan. Jeder und jede kann auch überlegen, ob Tomaten aus dem trockenen Süden Spaniens oder Schnittblumen aus Afrika wirklich auf den eigenen Einkaufszettel gehören. 50 g Salat aus Südspanien enthalten 50 Liter virtuelles Wasser.

Bei der Bewertung muss berücksichtigt werden, ob eine Tomate oder Orange in einer wasserarmen Region erzeugt wurde. Auch ist zu prüfen, in welchem Zustand das Wasser, das nicht von den Pflanzen aufgenommen wurde, in die Natur zurückgegeben wird. Im Falle vieler Blumenfarmen ist es zum Beispiel so, dass dieses Wasser sehr stark pestizidbelastet ist. Auch dies spricht dafür Blumen mit Siegel zu kaufen, mit dem angezeigt wird, dass sie umwelt- und sozialverträglich produziert worden sind.

Auch der eigene Speiseplan sollte überprüft werden. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch werden mindestens 15 Kubikmeter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Getreide sind es nur etwa 1,5 Kubikmeter Wasser. Passionierte Fleischesser verbrauchen täglich mehr als 4.000 Liter virtuelles Wasser, Vegetarier nur 1.500 Liter. In beiden Fällen geht es um ein glaubwürdiges persönliches Verhalten und einen kleinen Beitrag dazu, die knappen Wasserressourcen der Welt zu schonen. Nach ökologischen Maßstäben produzierte Güter schneiden im Blick auf die Wasserbilanz schon allein deshalb besser ab, weil sie auf wasserbelastende Stoffe wie Pestizide verzichten.

Auch beim Verbrauch von industriell gefertigten Produkten macht es Sinn, den Wasserblickwinkel in die Kaufentscheidung einzubeziehen, zum Beispiel beim Verbrauch von Aluminiumerzeugnissen. Zu berücksichtigen sind die Wasserbelastung bei Bauxitabbau, Probleme der Stromerzeugung für die energieintensive Verarbeitung von Bauxit in Rohaluminium durch riesige Wasserkraftwerke sowie der Wassereinsatz bei der Produktion.

Ein letztes Beispiel, wie virtuelles Wasser gespart werden kann. In einem Blatt üblichen Papiers sind 10 Liter Wasser verborgen, in einem Blatt Recyclingpapier sind es nur 1,5 Liter, hinzu kommt, dass weniger Chemikalien und Bleichmittel eingesetzt werden. Man kann also viel für das Wasser tun, wenn man Recyclingpapier verwendet.

Es gibt viele Möglichkeiten zum Wassersparen. Und jede einzelne Maßnahme lohnt sich finanziell und für die Umwelt.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Fotoquellen:

Wassertropfen: Kerstin Schwebel/pixelio.de
Zitrone: Michael Krauth/pixelio.de

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