Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 07.12.2007 ---

Wasser sparen in Las Vegas

Las Vegas wächst und wächst. Das weiterhin boomende Glücksspiel-Geschäft, niedrige Steuern, viele neue Jobs, sehr viel Sonne und sehr wenige Regentage ... Das lockt jedes Jahr nicht nur Millionen Touristen in das „sündige Babylon“, sondern veranlasst auch jeden Monat 6.000 Menschen, sich in der Stadt niederzulassen. Seit 1999 hat sich die Bevölkerungszahl fast verdoppelt und beträgt inzwischen fast 1,9 Millionen Menschen. Dabei hat Las Vegas einen denkbar ungünstigen Standort für eine Metropole - die Stadt liegt mitten in einem der trockensten Wüstengebiete der USA. Das vergessen die Besucher leicht, wenn sie die Wasserfontänen vor den Luxushotels, die großen Rasenflächen und die üppige Vegetation sehen.

Titelseite der Studie Hidden Oasis

Die Stadtverwaltung von Las Vegas ist stolz darauf, dass sehr viel Brauchwasser wiederaufbereitet wird und dass verschiedene andere Wasserspar-Maßnahmen praktiziert werden. Aber die bisherigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, so das Ergebnis einer gerade veröffentlichten Studie unter dem Titel „Hidden Oasis: Water Conservation and Efficiency in Las Vegas“, die von zwei renommierten Umweltinstituten erarbeitet wurde: Pacific Institute und Western Resource Advocates. In der Studie wird festgestellt, dass die Bürgerinnen und Bürger von Las Vegas im Vergleich zu anderen US-Städten mit Wasserstress wie Tucson und Los Angeles deutlich mehr Wasser verbrauchen (und auch dort wird weit mehr Wasser je Einwohner verbraucht als in europäischen Großstädten). Die Verfasserinnen und Verfasser der Studie beklagen, dass die Maßnahmen zur Erhöhung der Wassereffizienz in Las Vegas einseitig auf eine einzige Maßnahme konzentriert werden, die Propagierung und Subventionierung des Ersatzes von Rasenflächen durch eine Bepflanzung mit einer wassergenügsamen Vegetation. Dieses Programm sei wichtig, reiche aber allein nicht aus. So gibt es ein großes Sparpotenzial innerhalb der Häuser, u.a. durch den Einbau von Spararmaturen, die Reduzierung des Wasserverbrauchs für Toiletten und den Kauf wassersparender Waschmaschinen. So könnte der Wasserverbrauch in den Haushalten im 30% vermindert werden. In den Hotels und Kasinos besteht sogar ein Sparpotenzial von 40%. Das Preissystem der Wasserbetriebe ermutigt bisher allerdings nicht zum Sparen, weil die Grundgebühr relativ hoch ist und dafür die verbrauchsabhängigen Gebühren niedrig sind.

Die Autorinnen und Autoren der Studie beklagen, dass die Stadt für jeweils 14 Dollar, die für den Ausbau des Wasserversorgungssystems investiert werden, nur 1 Dollar für Maßnahmen zur Förderung des Wassersparens aufwendet. So wird eine teure, mehr als 550 Kilometer lange Fernwasserleitung gebaut, um kostbares Grundwasser aus dem Norden des Bundesstaates Nevada in die Wüstenmetropole zu transportieren. Dieses Vorhaben ist sehr umstritten, vor allem wegen der ökologischen Schäden, die in dem Wassergewinnungsgebiet durch einen sinkenden Grundwasserspiegel angerichtet werden. Zweite wichtige Wasserquelle ist der Stausee Lake Mead, der vom Colorado River gespeist wird. Aber die Kombination von zunehmenden Dürren als Folge der Klimaveränderungen und einer Übernutzung des Flusswassers durch die angrenzenden Bundesstaaten hat dazu geführt, dass der Wasserspiegel des Sees stark gesunken ist. Wenn das "Sodom am Colorado", wie manche konservative US-Bürger die Stadt nennen, eine Zukunft haben soll, sind drastische Wassersparmaßnahmen nötig, und sie sind auch möglich, weist die Studie nach.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie auf der Website des Pacific Institute. Dort kann die Studie auch heruntergeladen werden.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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