Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 16.12.2007 ---

US-Initiativen für den Boykott von Flaschenwasser

Logo des Earth Policy Institute

In den USA gewinnt die Kampagne für den Boykott von Flaschenwasser und für die Verwendung von Trinkwasser aus der Leitung an Einfluss. Darauf hat das Earth Policy Institute in Washington DC am 10. Dezember 2007 in einem ausführlichen Beitrag von Janet Larsen hingewiesen. Bereits im Juni 2007 hatte sich die „U.S. Conference of Mayors“, ein Zusammenschluss der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von 1.100 US-Städten, damit beschäftigt, dass viele Städte ihren Beschäftigten Flaschenwasser zur Verfügung stellen, obwohl sie gleichzeitig hochwertiges Leitungswasser bereitstellen und hierfür 43 Milliarden Dollar im Jahr aufwenden. Es wurde der Beschluss gefasst, die Umwelteffekte des Flaschenwassermarktes untersuchen zu lassen.

Jedes Jahr werden in den USA 29 Milliarden Plastikflaschen produziert und mit Wasser (oft sogar mit Leitungswasser) gefüllt. 86 Prozent aller Wasser-Plastikflaschen im Müll, werden also nicht recycelt. Der Flaschenwasserverbrauch ist in den USA seit 1976 auf die 15-fache Menge gestiegen, und der Markt wächst weiterhin um jährlich etwa 10 Prozent. Der Flaschenwasserkonsum ist höher als der von Milch, Saft, Bier, Kaffee oder Tee. Bedenklich ist zudem, dass fast ein Viertel des weltweit getrunkenen Flaschenwassers mindestens eine Landesgrenze überschritten hat. Der Flaschenwasser-Boom ist also auch mit einer hohen Belastung der Umwelt durch den globalen Transport der Produkte verbunden.

Im November 2007 entschloss sich die Stadt Chicago, eine Abgabe von 5 Cent auf jede verkaufte Flasche Wasser zu erheben, um so die Bürgerinnen und Bürger zu entmutigen, Flaschenwasser zu kaufen. Los Angeles hat beschlossen, den Kauf von Flaschenwasser mit öffentlichen Geldern stark einzuschränken. In San Francisco wird die Verwendung von städtischen Geldern für den Kauf von Flaschenwasser ab Januar 2008 verboten. Seit 2006 gibt es in den Schulen des Distrikts Berkeley Leitungswasser statt Flaschenwasser zu trinken. Besonders in Kalifornien hat sich inzwischen auch eine Reihe von Restaurants entschlossen, Flaschenwasser aus dem Angebot zu streichen und ausschließlich Wasser aus der Leitung zu servieren.

Logo der Boykott-Kampagne

Die Stadt New York fordert dazu auf, Leitungswasser zu trinken und hat eine öffentliche Kampagne gestartet, um die Bürgerinnen und Bürger hierzu zu ermutigen, statt Flaschenwasser zu kaufen. Die Stadtverwaltung von Louisville in Kentucky verteilt kostenlos leere Plastikflaschen mit der Aufforderung, sie mit Wasser aus der Leitung zu füllen. Bürgermeister Anderson aus Salt Lake City bezeichnete es im Oktober 2007 als „wirtschaftlich und unter Umweltgesichtspunkten als vollkommen absurd und verantwortungslos, Flaschenwasser zu kaufen und zu trinken, wo wir eine vollkommen gute und sichere kommunale Versorgung mit Leitungswasser besitzen“. Die Vereinigte Kirche Kanadas hat den Flaschenwasserverbrauch aus moralischen Gründen im gesamten kirchlichen Bereich beendet und fordert die Mitglieder auf, kein Flaschenwasser mehr zu kaufen. In den USA wurde im Oktober 2007 die Kampagne Think Outside the Bottle ins Leben gerufen, die die einzelnen Verbraucherinnen und Verbraucher, Städte und Restaurants dazu ermutigt und darin bestärkt, auf Flaschenwasser zu verzichten.

In dem Bericht des „Earth Policy Institute“ wird auch darauf verwiesen, dass es auch in Europa wachsende Vorbehalte gegen das Flaschenwasser gibt. So lässt der Bürgermeister von Paris bei offiziellen Anlässen nur noch Leitungswasser servieren und fordert andere dazu auf, sich ebenso zu verhalten. Eine ähnliche Entscheidung hat die Stadtverwaltung von Liverpool getroffen. Auch in verschiedenen britischen Regierungsabteilungen wird kein Flaschenwasser mehr angeboten. In Florenz wird in der öffentlichen Verwaltung, in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden nur noch Wasser aus der Leitung serviert. In Australien klären Kommunalverwaltungen in Neusüdwales die Bevölkerung über die negativen ökologischen Folgen des Flaschenwasserkonsums auf.

Das Institut weist darauf hin, dass die 100 Milliarden Dollar, die jedes Jahr für Flaschenwasser ausgegeben werden, sehr viel besser dafür verwendet werden könnten, der mehr als eine Milliarde Menschen, die bisher ohne sauberes Trinkwasser auskommen müssen, wirksam zu helfen. Den Bericht finden Sie auf der Website des Earth Policy Institute.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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