Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 20.01.2008 ---

Debatte zu Kommunikation und Frieden

Logo des WACC-Kongresses

Vom WACC-Kongress vom 6.-10. Oktober 2008 wird der Kongress der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation (WACC) in Kapstadt/Süpfafrika stattfinden. Thema des internationalen Treffens ist „Kommunikation ist Frieden: Lebensfähige Gemeinschaften aufbauen“. Zum Kongress 2008 werden 350 Kommunikatorinnen und Kommunikatoren aus aller Welt erwartet. Es ist die vierte Veranstaltung dieser Art, die von WACC organisiert wird. Das erste Mal findet diese globale Versammlung auf dem afrikanischen Kontinent statt. Weitere Informationen zum Kongress finden Sie auf der WACC-Website. Zur Vorbereitung des Kongresses hat WACC verschiedene Kommunikatorinnen und Kommunikatoren zu Reflexionen über Aspekte der Thematik des internationalen Treffens eingeladen. Hier lesen Sie den Beitrag von Frank Kürschner-Pelkmann zum Thema „Realität und Frieden“:

Ein verzerrtes Bild der Realität ist sehr oft ein entscheidender Faktoren auf dem Weg vom Frieden zu Konflikt und Krieg. Deshalb wird allzu oft Propaganda gezielt dafür eingesetzt, die Wahrnehmung der Menschen von der Welt zu verändern und sie so auf den nächsten Krieg vorzubereiten. Die Unterscheidung zwischen „uns“ und „ihnen“ bildet einen Eckstein für eine Schwarz-Weiß-Beschreibung des Lebens in einer lokalen Gemeinschaft, in einem Land oder zwischen Ländern. Tausende Journalistinnen und Journalisten sind dafür missbraucht worden, solche falschen Darstellungen der Welt zu verbreiten - und andere waren nur zu gern bereit, eine aktive Rolle in diesem Prozess der Kriegführung mit Worten zu übernehmen. Die Verbreitung von Hass und die Propagierung eines Genozids durch Radio Mille Collines in Ruanda vor den Massakern des Jahres 1994 sind ein trauriges Beispiel für diesen Typus von verantwortungslosem Journalismus.

Es lässt sich leicht sagen, dass Journalistinnen, Journalisten und die Medien die Menschen befähigen sollen, unsere gegenwärtige Welt realistisch zu sehen. Aber dafür ist erforderlich, dass die Journalistinnen und Journalisten in der Lage sind, komplexe soziale Prozesse zu analysieren und die Ergebnisse auf eine Weise zu kommunizieren, die weder grob vereinfachend noch so kompliziert ist, dass die Mediennutzerinnen und -nutzer nicht verstehen, was in ihrer lokalen Gemeinschaft und in der Welt vor sich geht. Aber trotz solcher Probleme ist ein verantwortungsbewusster und mutiger Journalismus unverzichtbar für den Frieden in einer Gemeinschaft und für friedliche Bezeihungen zwischen Nationen. Kommunikation trägt zum Frieden bei, wenn Tag für Tag um den angemessenen Weg gerungen wird, Menschen zu befähigen, zu wissen und zu verstehen, was in ihrem lokalen Mikrokosmos und in der weiten Welt geschieht.

Mutige und kompetente Journalistinnen und Journalisten, die entschlossen sind, nach der Wahrheit zu suchen und sie ihrem Publikum zu vermitteln, sind eine sehr ernst zu nehmende Friedenskraft. Aber das erklärt zugleich, warum so viele Journalistinnen und Journalisten bei der Erfüllung ihrer Aufgabe ermordet werden, ihren Lesern, Zuhörern und Zuschauern zu zeigen, was wirklich in ihrer Stadt und ihrem Land vorgeht. Solche Journalistinnen und Journalisten sind gefährlich für den Status quo und für diejenigen, die von diesem Status quo profitieren.

Es hängt selbstverständlich viel davor ab, wie die Wirklichkeit in den Medien dargestellt und interpretiert wird. Eine auf Sensationen ausgerichtete Berichterstattung über Ereignisse kann selbst dann, wenn alle Fakten in einem Beitrag korrekt sind, vorhandene Spannungen und Konflikte verschärfen. Dies ist besonders nach tragischen Ereignissen wie Massakern der Fall, wo die Berichterstattung leicht Gegen-Massaker von Mitgliedern der ethnischen oder nationalen Gruppe auslösen kann, deren Mitglieder zu den Opfern der Gewalttaten gehörten. Einige Regierungen tendieren deshalb dazu, die Berichterstattung über gewaltsame Auseinandersetzungen im Namen der nationalen Sicherheit und der nationalen Einheit zu zensieren oder zu unterdrücken. Aber angesichts der Tatsache, dass die Menschen selbst in abgelegenen Orten der Welt Zugang zu internationalen Medien haben, können diese Ereignisse nicht geheim gehalten werden, und Gerüchte können viel eher neue Gewalt auslösen als eine sensible Berichterstattung über das, was tatsächlich geschehen ist.

Auf lange Sicht könnte der größte Beitrag von Journalistinnen und Journalisten zur Verhinderung von gewaltsamen Konflikten und zum Entstehen von Frieden darin bestehen, die aktuelle soziale und ökonomische Situation einer Gemeinschaft und eines Landes gründlich zu analysieren und die Politiker, Unternehmen etc. beim Namen zu nennen, die Probleme und Krisen zu verantworten haben. Es gibt mehr als genug Beweise dafür, dass inkompetente und verantwortungslose Regierungen sowie Unternehmen häufig wirtschaftliche und soziale Krisen ausgelöst haben, die direkt zu Gewalt und Krieg führten. Verantwortungslose Unternehmen beuten die natürlichen Reichtümer eines Landes aus durch die Bestechung von Politikern oder die Bezahlung von bewaffneten Gruppen, die ein Gebiet kontrollieren, wo Gold oder Diamanten zu finden sind.

Ein Journalismus für den Frieden ist sehr oft ein Journalismus, der die Ursachen von Armut und Marginalisierung enthüllt. Aber zu enthüllen, wie inkompetent und korrupt eine Regierung ist, erfordert viel Mut und sehr oft auch die Bereitschaft, für die schonungslose Darstellung der Realität, Leiden auf sich zu nehmen. Solche Journalistinnen und Journalisten stehen nicht selten in der Tradition der alttestamentlichen Propheten, die alle erdenklichen Gefahren auf sich nahmen, um zu sagen, dass Unrecht Unrecht ist und Ausbeutung Ausbeutung. Diese Journalistinnen und Journalisten brauchen ganz dringend Solidarität in ihren eigenen Ländern und international. Diese Solidarität zu üben, ist ein wichtiger Beitrag zur Schaffung einer friedlicheren Welt.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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