Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 26.03.2008 ---

Gewehrfeuer und der Ruf nach Frieden

Logo des WACC-Kongresses

Vom WACC-Kongress vom 6.-10. Oktober 2008 wird der Kongress der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation (WACC) in Kapstadt/Süpfafrika stattfinden. Thema des internationalen Treffens ist „Kommunikation ist Frieden: Lebensfähige Gemeinschaften aufbauen“. Zum Kongress 2008 werden 350 Kommunikatorinnen und Kommunikatoren aus aller Welt erwartet. Es ist die vierte Veranstaltung dieser Art, die von WACC organisiert wird. Das erste Mal findet diese globale Versammlung auf dem afrikanischen Kontinent statt. Weitere Informationen zum Kongress finden Sie auf der WACC-Website. Zur Vorbereitung des Kongresses hat WACC verschiedene Kommunikatorinnen und Kommunikatoren zu Reflexionen über Aspekte der Thematik des internationalen Treffens eingeladen.


Nachfolgend ein Beitrag von Dennis Smith, dem früheren Präsident der WACC-Lateinamerika-Region. Er ist Koordinator für Kommunikationsausbildung und Veröffentlichungen des Central American Evangelical Center for Pastoral Studies (Cedepca), in Guatemala City.


Dennis Smith

Gewehrfeuer weckte mich am heutigen Morgen um 1.35 Uhr. Waren es 12 oder 15 Gewehrsalven? Ich war zu verwirrt, um sie zu zählen. Es gab keine Schreie, keine Sirenen, aber wir fragten uns, wer diese Salven abgefeuert hatte und welchen Grund es dafür gab. Wir leben in einem Mittelklasse-Viertel von Guatemala City - einer der am stärksten von Gewalt betroffenen Städte Lateinamerikas. Diese Gewalt hat viele Wurzeln: das immer noch spürbare Erbe von 36 Jahren Bürgerkrieg, Jahrhunderte des Rassismus, einer sehr polarisierten Wirtschaft, die von einer kleinen, wohlhabenden Elite kontrolliert wird, endemische Gewalt gegen Frauen und Kinder. In Guatemala sprechen wir von einer Kultur der Gewalt, die aufs Engste verbunden ist mit einer Kultur der Straflosigkeit.

Etwa 85% der Bevölkerung betrachten sich als Christinnen und Christen, aber Gewalt und Unrecht belasten weiterhin unser alltägliches Leben. Im letzten Jahr hat der Chef der nationalen Polizei, der regelmäßig zum Gottesdienst geht, in einem wöchentlichen Fernsehprogramm eines lokalen christlichen Senders zugegeben, dass die Streitkräfte der Regierung Menschen ohne jede Rechtsgrundlage erschießen. Diese „gesellschaftliche Reinigung“ richtet sich gegen gewöhnliche Kriminelle, Gang-Mitglieder und Sexarbeiterinnen und -arbeiter. Der Polizeichef erklärte, dass Mitglieder der Kirchen aktiv an den Todesschwadronen der Regierung beteiligt sind - und dass sie Gottes Werk tun würden. Im Kontext Guatemalas ist das Thema des diesjährigen WACC-Kongresses besonders wichtig: Kommunikation ist Frieden. Lebensfähige Gemeinschaften aufbauen.

Ich werde im Oktober in Kapstadt sein, weil meine Arbeit als christlicher Kommunikator und meine Beteiligung an der Zivilgesellschaft Guatemalas unlösbar mit der Notwendigkeit verknüpft ist, tragfähige Lösungen für das komplexe Netz der Gewalt zu finden, das uns gefangen hält. Meine Kolleginnen und Kollegen in Afrika sind sehr gut in der Lage, uns bei diesen Überlegungen anzuleiten. WACC-Präsidentin Musimbi Kanyoro stellte fest: „Kriege und andere Konflikte, Dürrekatastrophen und ökonomische Stagnation haben dazu geführt, dass viele Menschen heute ärmer sind als vor einem Jahrzehnt. Tausende von Kindern werden rekrutiert, um im Kongo, in Äthiopien, in Uganda und im Sudan als Soldaten, Guerillakämpfer, Spione, Sexsklavinnen und sogar als Selbstmordattentäter zu dienen. Fast ein Drittel von ihnen sind Mädchen.“ Im Blick auf die Frage, wie Kommunikatorinnen und Kommunikatoren darauf reagieren können, sagte sie: „Wenn Menschen ihre Bedürfnisse und Anliegen kommunizieren können, haben sie größere Aussichten, Unterstützung zu mobilisieren. Und wenn Menschen Zugang zu Informationen haben und Wissen austauschen können, sind sie in der Lage, solidarisch zu arbeiten und knappe Ressourcen miteinander zu teilen.“ Musimbi Kanyoro fuhr fort: „Afrika ist ein kraftvoller, moderner Kontinent, der Selbstvertrauen kommunizieren muss. Afrika braucht die Menschen, die in den Massenmedien und den lokalen Medien arbeiten, um positive Bilder und Geschichten zu vermitteln und die eine affirmative Rolle bei der Förderung von Frieden und Versöhnung spielen. Aus diesem Grunde ist das Thema des WACC-Kongresses 'Kommunikation ist Frieden. Lebensfähige Gemeinschaften aufbauen' so wichtig.“

Achowah Umenei, der Präsident der WACC-Afrika-Region erinnert uns: „Unsere Aufgabe als christliche Kommunikatorinnen und Kommunikatoren besteht darin zu entschlüsseln, wie wir Kommunikation nutzen können, um Frieden, Gerechtigkeit, den Aufbau von Gemeinschaften, gegenseitige Koexistenz und die Achtung der Menschenwürde zu fördern. Wenn andere Kommunikatorinnen und Kommunikatoren die Macht der Kommunikation nutzen, um Gesellschaften zu spalten, sollten wir sie darin nicht unterstützen.

Der Kongress in Kapstadt wird der vierte weltweite WACC-Kongress sein, an dem ich teilnehme. In Manila, Metepec und Leeuwenhorst konnte ich meine Beziehungen zu anderen WACC-Mitgliedern aus allen Teilen der Welt vertiefen - einer talentierten, vielfältigen und engagierten Gruppe. Bei jedem der Treffen sah ich mich durch provokante Präsentationen international angesehener Fachleute zu aktuellen Kommunikationstrends herausgefordert und ebenso durch die reichen Reflexionen von Kolleginnen und Kollegen, die in Kommunikationsinitiativen an der Basis arbeiten, wobei die Bandbreite von Verlagshäusern über lokale Radiosender, Videoproduktionen und Advocacy-Initiativen bis zu wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen reichte.

Das Leben in Guatemala hat mich gelehrt, dass es keine magische Formel gibt, um Frieden zu erreichen. Die Schaffung von Frieden ist harte Arbeit, die oft über Generationen wenig Früchte trägt. Ich hoffe, in Kapstadt von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Teilen der Welt zu lernen, was funktioniert hat und wie sie in der Lage waren, die Medien in Strategien zur Schaffung von Frieden einzubeziehen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden Geschichten davon erzählen, wie Kommunikation geholfen hat, neue Wege des Denkens und des Seins zu entwickeln. Wenn wir nach Hause fahren, können wir unseren Gemeinschaften helfen, sich Gerechtigkeit, Ganzheitlichkeit und Wohlergehen als Lebensweise vorzustellen.

Übersetzung aus dem Englischen: Frank Kürschner-Pelkmann


(Frank Kürschner-Pelkmann)

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