Frank Kürschner-Pelkmann

Kontakt und Impressum 


aktuelles --- 27.06.2008 ---

Globaler Klimawandel ist eine Realität

Arusha (Tansania), 25. Juni 2008 (Lutherische Welt-Information) - Angesichts der Ausbeutung und Missachtung der Schöpfung und der daraus resultierenden Folgen des Klimawandels stehe die Menschheit an einem Scheideweg, so der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Mark S. Hanson, zum Auftakt der LWB-Ratstagung im nordtansanischen Arusha. Die Menschen seien nicht nur vor die Frage gestellt, wohin sie in Zukunft gingen, sondern auch, wo sie heute wirklich stünden und wer gemeinsam mit ihnen an diesem Scheideweg sei, so der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA) in seiner Ansprache am 25. Juni. Die Ratstagung mit rund 170 Teilnehmenden findet auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25. bis 30. Juni in Arusha in Nordtansania statt.

Plakat mit Thema der Tagung Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo

Mit Blick auf das Thema der Ratstagung: „Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo: Zeugnis inmitten der leidenden Schöpfung“ betonte Hanson, dass nicht nur die Schneekappe schmelze. Die Bergwasser, die der Erde und den darauf lebenden Menschen jedes Frühjahr neues Leben schenkten, nähmen mit dem Rückgang des Gletschers ab. Die Luft verändere sich und Geschöpfe stürben aus, Menschen verhungerten, so Hanson. Der globale Klimawandel sei eine Realität, die nicht geleugnet werden könne. Das Beweismaterial sei gewaltig und die Konsequenzen unausweichlich.

Die Menschheit habe in ihrer ganzen Geschichte, aber insbesondere in den letzten Jahrhunderten, so getan, als ob sie dazu berufen sei, „Gott ähnlicher zu sein als der übrigen Schöpfung“. Laut Hanson vereinnahmen in der christlichen Tradition diejenigen, die sich so verhalten, biblische Formulierungen für sich, wie die Aufforderung aus dem 1. Buch Mose, sich die Erde „untertan“ zu machen und über sie zu „herrschen“.

Es sei wichtig, dass sich die Menschen der Einzigartigkeit ihrer Verantwortung für die übrige Schöpfung bewusst würden. Es sei aber Verrat, „wenn wir unser kreatürliches Sein verleugnen und eine Beziehung der Herrschaft über unsere Mitgeschöpfe beanspruchen“.

Auflehnung des Menschen gegen Gott

Die Berufung, „zu herrschen“ und „untertan zu machen“, habe nie die Aufforderung an die Menschen beinhaltet, ihre eigenen Götter zu sein, so der LWB-Präsident. Der Anspruch, Vorrechte als „Mit-Schöpfer“ zu haben, sei Ausdruck der Auflehnung des Menschen gegen Gott, „gegen unser kreatürliches Sein und gegen unsere wahre Berufung zum verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung“.

Die Menschen hätten die Erde behandelt, als würde sie ihnen ihre Existenz verdanken. Dabei handelt es sich laut Hanson um weit mehr als ein Umweltproblem. Die Menschheit habe in Gedanken und Werken so getan, als ob es Zweck der Schöpfung sei, dem Menschen zu dienen und ihn zu verherrlichen. Hinzu komme, dass die Menschheit Wert und Nutzen der Erde an ihrer Nützlichkeit für den Menschen und seine Bestrebungen messe.

Das Problem, so der LWB-Präsident, liege letzten Endes nicht einfach in der Verschmutzung von Wasser und Luft und der daraus resultierenden globalen Erwärmung. Es liege vielmehr „in der spirituellen Blasphemie, Gottes gute Schöpfung als etwas anderes zu behandeln, als das, was sie in Wirklichkeit ist: als feindliche Wildnis, gottverlassene Öde, Müllhalde und Lagerstätte natürlicher Ressourcen, die wir für unsere eigenen Interessen benutzen, statt Gott zu gehorchen und sie um ihrer selbst willen zu hegen und zu pflegen“.

Systematischer Angriff auf Lebewesen

Trotz dieses Missbrauchs der Schöpfung durch den Menschen würden Land, Meere und Himmel, wie verunstaltet auch immer, fortbestehen, betonte Hanson. Die Lebewesen, die die Erde bewohnten, seien jedoch sehr viel anfälliger. Umweltvergehen wie die rücksichtslose Verschmutzung von Luft und Wasser, die gierige Ausbeutung von Wäldern und Ackerland, der Missbrauch von Nahrungsmitteln für verschwenderischen Konsum und der daraus resultierende Klimawandel stellten einen systematischen Angriff auf die Lebewesen dar, die Mitgeschöpfe des Menschen seien.

Im Blick auf das wahrhafte Zeugnis vom haushalterischen Umgang mit der Schöpfung ginge es schließlich auch um die „Ökologie“ des eigenen Körpers. „Wir versäumen es vielfach, uns um unseren eigenen geschaffenen Körper und Geist, unsere Seele und unsere Gefühle zu kümmern.“ Mit der Art und Weise, wie die Menschen lebten, brächten sie zum Ausdruck, sie seien ihre eigenen Götter". Gehorsame Haushalterinnen und Haushalter der Erde könnten jedoch Selbstkontrolle ausüben, die sie zur Erfüllung ihrer Berufung als Geschöpfe Gottes befreie, so Hanson.

Sich nur auf die Realität des Klimawandels selbst zu konzentrieren und die geistliche Krise der Blasphemie gegen Gott und seine Schöpfung zu ignorieren, führe jedoch genauso in die Irre wie die Leugnung des Klimawandels und seiner Konsequenzen. Ebenso würden sich die Menschen ihrer Verantwortung für sich selbst und ihrer Rechenschaftspflicht gegenüber Gott und seiner Schöpfung entziehen, wenn sie allzu bereitwillig die Rolle des kritisch Fragenden übernähmen. Ressourcen, sich der Krise zu stellen.

Eine Gemeinschaft mit einer reichen theologischen Tradition verfüge jedoch über die notwendigen Ressourcen, um sich der bestehenden Krise zu stellen. Die Gemeinschaft von Kirchen erkenne an, „dass ein lebendiger und tätiger Glaube, der dem Nächsten dient, aus dem Hören des Wortes und der Antwort auf Christi Ruf erwächst“, so Hanson. Diese Gemeinschaft engagiere sich in Diskussionen und Konsultationen, in Verkündigung und konkreten Aktionen, die einen lebendigen Glauben forderten, der in Christus Gestalt annehme.

Änderungen in Politik und Praxis

Das laufende Studienprogramm der LWB-Abteilung für Theologie und Studien „Theologische Antworten auf den Klimawandel“ stelle nur ein Beispiel für den theologischen Dialog dar, der in der ganzen LWB-Gemeinschaft geführt werde.

Hanson forderte die lutherischen Kirchen dazu auf, in ihren Ländern für Änderungen sowohl in der Politik als auch in der Praxis einzutreten. Als Beispiele nannte er Initiativen der lutherischen Kirchen in Dänemark, Papua-Neuguinea, Schweden sowie den nordischen und baltischen Kirchen, Tansania und den USA sowie den vom LWB initiierten Dialog mit indigenen Völkern in Asien.

Maßnahmen zur Bewahrung der Schöpfung, wie die Gespräche und Dialoge, die die lutherischen Kirchen führten, reichten von lokalen Initiativen bis hin zu globalen Partnerschaften. So arbeite eine Reihe von Kirchen zum Beispiel in Wiederaufforstungsprojekten mit, die Teil umfassenderer Strategien zu einem anderen Umgang mit der Schöpfung seien, betonte Hanson.

Das Leiden der Schöpfung sei eine ernüchternde Wahrheit, der sich die Menschen stellen müssten. „Voller Demut und Scham müssen wir erkennen, dass die Beziehung des Menschen zu Gott und seiner Schöpfung zerbrochen ist, dass wir selbst Teil dieser Blasphemie und dieses Missbrauchs sind. Die Last der Schuld, die Scham angesichts unserer Verantwortung für solches Leid und die Angst vor den Konsequenzen könnten leicht dazu führen, dass wir uns gegeneinander wenden, uns gegenseitig die Schuld zuweisen und verurteilen.“ Dies entspreche, so der LWB-Präsident, jedoch nicht der menschlichen Gemeinschaft, auf die die Schöpfung sehnsüchtig warte. Dies entspreche auch nicht der Gemeinschaft, „die wir in Jesus Christus sind, denn eine solche Gemeinschaft kann nicht mit Scham bedeckt werden, weil sie aus der Hoffnung lebt“.

An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes in Arusha (Tansania) nehmen knapp 80 Vertreterinnen von LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darüber hinaus sind rund 95 weitere Teilnehmende registriert. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Aktuelle Nachrichten aktuelles-Archiv
Aktuelle Meldungen

Copyright © 2008 Kürschner-Pelkmann