Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 28.07.2008 ---

China baut Staudämme für die Welt

Titelseite der Veröffentlichung

Chinesische Unternehmen haben die Weltspitze beim Bau von Staudämmen übernommen. Das liegt zum Teil an den großen Erfahrungen und den günstigen Preisen chinesischer Anbieter. Es liegt aber auch daran, dass chinesische Bauunternehmen und Finanzinstitute auch dort Staudämme bauen, wo andere Bauunternehmen, Banken und die Weltbank wegen der absehbaren ökologischen und sozialen Folgen nicht zu einem Engagement bereit sind. Die international tätige Umwelt- und Menschenrechtsorganisation International Rivers hat zu dieser Thematik eine 40-seitige Publikation mit dem Titel „The New Great Walls - A Guide to China's Overseas Dam Industry“ veröffentlicht.

Logo von International Rivers

In der Veröffentlichung wird u.a. ein Überblick über die chinesischen Staudammbauer und -finanziers gegeben. Das staatliche Unternehmen Sinohydro hat beim Bau von Staudämmen im Lande selbst einen Marktanteil von 80% und nimmt auch international eine führende Position ein. Aus dem Bericht von „International Rivers“ geht hervor, dass dieses Unternehmen in China wegen negativer ökologischer und sozialer Folgen verschiedener Staudammprojekte in die Kritik geraten ist. International ist Sinohydro in mehr als 50 Ländern tätig geworden.

Staatliche Finanzierungsinstitutionen unterstützen den Expansionskurs der chinesischen Staudammbauer. Dabei geht es nicht nur um die Exportförderungen, sondern auch um die strategischen Interessen Chinas, insbesondere das Interesse an der Festigung der Beziehungen zu Regierungen, mit denen im Blick auf die Sicherung der chinesischen Rohstoffversorgung eine enge Zusammenarbeit angestrebt wird bzw. gefestigt werden soll.

Ein Beispiel ist der Bau des Merowe-Damms im Sudan. Nicht nur ist die Regierung des Sudan wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen (Stichwort: Darfur) international höchst umstritten, sondern auch das Staudammprojekt selbst stößt auf massive Kritik. Mehr als 50.000 Menschen sollen Staudamm und Stausee weichen und aus dem fruchtbaren Niltal in trockene Wüstengebiete umgesiedelt werden. Auch die Auswirkungen des Projektes auf die Umwelt werden in einer unabhängigen Untersuchung negativ bewertet. Deshalb fand eine sudanesische Regierungsdelegation weder in Europa noch in Nordamerika eine Finanzierung für dieses Vorhaben. Jetzt finanzieren chinesische und arabische Finanzierungsinstitutionen das Projekt.

In dem ebenfalls wegen zahlloser Menschenrechtsverletzungen betroffenen Burma (Myanmar) engagieren sich Sinohydro und andere chinesische Unternehmen bei 16 Staudammprojekten. Die Expansionspolitik der Unternehmen und die strategischen Interessen der Regierung sind aufeinander abgestimmt und erfordern von Kritikern ein koordiniertes Vorgehen, um die Sensibilität gegenüber den oft sehr negativen ökologischen und sozialen der Staudammprojekte zu erhöhen. Die Broschüre kann helfen, die Strukturen des chinesischen Staudammengagements im Ausland zu verstehen und Konzepte zu entwickeln, wie bei einzelnen Vorhaben lokale soziale Bewegungen und internationale NROs (Nichtregierungsorganisationen) zusammenarbeiten können, um soziale und ökologische Anliegen durchzusetzen. Sonst besteht die Gefahr, dass die internationalen Standards, auf die sich viele international tätige Unternehmen und z.B. auch die Weltbank im Blick auf den Bau von Staudämmen verpflichtet haben, durch chinesische Unternehmen und Finanzinstitutionen unterlaufen werden.

Da die chinesische Regierung gerade auch im Blick auf ihre Bemühungen um mehr Einfluss in Afrika und Südasien daran interessiert ist, nicht in das Zentrum internationaler Kritik zu geraten, bestehen Aussichten, mit fundierten Argumenten und Studien einen gewissen Einfluss auf die weitere chinesische Beteiligung an umstrittenen Staudammprojekten zu gewinnen. „International Rivers“ hat mit der Broschüre eine solide Grundlage für die Beschäftigung mit der Expansion chinesischer Staudammbauer vorgelegt. Die Broschüre kann auf der Internetseite von internationalrivers.org (pdf-Datei, 7 MB, Englisch) online gelesen und heruntergeladen werden.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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