Frank Kürschner-Pelkmann

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aktuelles --- 12.10.2008 ---

Kommunikation kann Frieden, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung fördern

Kongress der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation in Kapstadt

Logo des WACC-Kongresses

„Das Unrecht der Vergangenheit verfolgt uns noch immer. Solange unsere Gemeinschaft geteilt bleibt, wird es keinen Frieden geben.“ Dies erklärte Erzbischof Desmond Tutu bei der Eröffnung des Kongresses 2008 der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation (World Association for Christian Communication - WACC), der vom 6.-10. Oktober in Kapstadt/Südafrika stattfand. Der Kirchenführer, der zu den prominentesten Kritikern des Apartheidregimes gehört hatte, betonte, dass in Südafrika weiterhin die Notwendigkeit besteht, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen.

Ganz in diesem Sinne sagte die Bürgermeisterin Kapstadts, Helen Zille, bei der Begrüßung der 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses: „Wir wissen, dass der Preis der Freiheit ständige Wachsamkeit ist.“ Mutiges Handeln sei nicht auf die Vergangenheit beschränkt, sondern auch heute notwendig. Im Bezug auf Südafrika sagte sie, dass „unsere große Aufgabe darin besteht, von einer Befreiungspolitik zu einer verfassungsmäßigen Politik voranzuschreiten“. Zur Rolle der Medien stellte sie fest: „Kommunikation will Wahrheit an den Tag bringen. Je weniger Kommunikation es gibt, desto mehr Korruption gedeiht. Die Welt muss von einer Befreiungspolitik zu einer verfassungsmäßigen Politik voranschreiten, und das wird nur geschehen, wenn die Menschen die Freiheit besitzen zu kommunizieren.“

Die Bürgermeisterin sagte weiter, dass je mehr Macht in wenigen Händen konzentriert sei, desto weniger sei den Menschen Kommunikation erlaubt, was die Wahrheit ersticke. Helen Zille, früher eine hoch angesehene Journalistin der Tageszeitung „The Rand Daily Mail“, betonte, dass eine Kontrolle von Macht wichtig für jede Kommunikation sei. „Macht muss in wechselnden Händen liegen und muss begrenzt sein. Kommunikation ist ein Menschenrecht, und auch die Schwächsten und die Ärmsten müssen zu Wort kommen. Diejenigen, die Macht ausüben, sollten das akzeptieren.“

Während des Kongresses zum Thema „Kommunikation ist Frieden“ wurde in Vorträgen, Diskussionen und Gesprächen deutlich, dass Frauen in den Medien weiterhin stark an den Rand gedrängt werden. „Die Medien haben eine gewaltige und bisher kaum genutzte Macht, um Gender-Gerechtigkeit zu fördern und zu schützen“, sagte Joanna Sandler in einem Vortrag. Sie ist Stellvertretende Exekutivsekretärin des Programms „United Nations Development Fund for Women (UNIFEM)“.

Als Beispiel für die Macht der Medien erwähnte sie die Geschichte von Mukhtar Mai aus Pakistan, die von einer Gang vergewaltigt wurde. Mit der Unterstützung von Freundinnen und Freunden schaffte sie es, sich in den lokalen und internationalen Medien zu Wort zu melden und die Autoritäten so zu beschämen, dass sie schließlich handeln mussten.

Ein wichtiges Instrument sind, so Sandlers, Medien, die Menschen zum eigenen Handeln veranlassen. Als Beispiel stellte sie die Arbeit von "Breakthrough" vor, einer internationalen Menschenrechtsorganisation, die eine bedeutsame zielgerichtete Medienarbeit in Indien geleistet hat. Die indische Regierung hat zwar ein Gesetz gegen häusliche Gewalt verabschiedet, aber es geschieht viel zu wenig, um es auch durchzusetzen. "Breakthrough" hat einen Werbespot für das Fernsehen mit dem Titel „Drück auf die Klingel“ produziert, der Männer und Frauen dazu ermutigt, sich einzumischen und einfache Schritte wie das Klingeln an der Haus- oder Wohnungstür zu ergreifen, um häusliche Gewalt zu stoppen.

Beim Kongress wurde auch sichtbar, dass in den Kirchen noch viel geschehen muss, damit kirchliche Medien die Anliegen von Frauen fördern und sie nicht an den Rand drängen. „Im Blick auf die Kernfrage von Kommunikation und Gender muss ich feststellen, dass die Kommunikation in meiner Kirche männlich bestimmt ist“, zitierte Karin Achtelstetter, die Kommunikationsdirektorin des Lutherischen Weltbundes, eine Frau aus den Niederlanden. Dies Auffassung konnte Karin Achtelstetter aus anderen europäischen Ländern belegen. Die Kirchen und ihre Kommunikationsstrukturen sind männlich geprägt und es fehlt an Sensibilität in Gender-Fragen.

Um zu erreichen, dass ihre Anliegen gehört werden, rief Karin Achtelstetter die Frauen in der Kirche auf, Bündnisse mit säkularen Frauen und Frauen anderer Religionsgemeinschaften zu bilden. Sie rief WACC auf, ein weltweites und regionales Mentoren-Programm zur Beratung und Begleitung von Frauen ins Leben zu rufen.

Breiten Raum nahmen beim Kongress auch die Fragen danach ein, ob und wie Medien zur Schaffung von Frieden beitragen können. Patrick Matbob, Dozent an einer katholischen Universität in Papua-Neuguinea (PNG), untersuchte diese Frage am Beispiel des südpazifischen Staates. Die Medienvielfalt in PNG ist sehr begrenzt. Es gibt zwei nationale Tageszeitungen mit einer Auflage von jeweils 25.000 Exemplaren und die Wochenzeitungen haben noch geringere Auflagen. Das hat die Zeitungen nicht daran gehindert, zu einflussreichen Verfechtern sozialen Wandels zu werden. Aber die kritische Berichterstattung hat die Journalistinnen und Journalisten zum Ziel gewaltsamer Angriffe durch die gemacht, die fürchten, dass ihre Vergehen durch die Medien aufgedeckt werden könnten.

Dennoch engagieren sich diese Medien für Frieden, die Lösung von Konflikten, die Aufdeckung korrupter Aktivitäten und die Durchsetzung des Rechts. Die Medien unterstützen auch die Frauen in ihrem Kampf für eine gleiche Behandlung in der männlich beherrschten Gesellschaft Papua-Neuguineas. Medien haben schon häufiger Kampagnen ins Leben rufen, um eine Beseitigung sozialer Missstände zu erreichen. Ein herausragendes Beispiel ist die Kampagne des „Post-Courier“ zur Befreiung des Landes von den zahllosen illegalen Gewehren und die Verhinderung der weiteren Aufrüstung in den Bergregionen. Im Rahmen der Anti-Gewehr-Kampagne reiste ein Ausschuss durch das ganze Land, um Zeugenaussagen von Opfern von Angriffen mit Gewehren zusammenzustellen. Die Kampagne erlebte einen Höhepunkt, als ein Bericht zu diesem Problem dem Parlament vorgelegt wurde.

Matbob erläuterte beim WACC-Kongress, dass Medien-Advocacy in hohem Maße von der Initiative einzelner verantwortlicher Redakteure und Manager abhängt. Aber einige Journalisten und Journalistinnen haben argumentiert, dass es nicht die Rolle der Medien sei, in einem solchen Maße Advocacyarbeit zu bestimmten Themen zu betreiben, dass die eigene Objektivität dadurch eingeschränkt wird. Zur Verteidigung der Medien-Advocacyarbeit für sozialen Wandel bekräftigte Philemon die Verantwortung der Medien aktiv zu werden und nicht nur von der Seitenlinie aus zu berichten.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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