Frank Kürschner-Pelkmann

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Von Fjorden, Trollen und Erinnerungen an schlimme Zeiten

Eine Hurtigruten-Reise entlang der norwegischen Küste (2011)

Ausblick aus der Bahn auf die winterliche Landschaft

Mit der Bergenbahn geht es auf mehr als 1.000 Meter Höhe in das selbst im September winterliche Gebirge Südnorwegens.

Die Seereise mit einem der Schiffe der Hurtigruten-Reederei entlang der norwegischen Küste ist in den letzten Jahrzehnten für viele zu einem „Urlaubstraum“ in Skandinavien geworden. Auch für uns. Meine Frau und ich waren zusammen mit einem befreundeten Ehepaar mit einer Color Line-Riesenfähre von Kiel nach Oslo gefahren und saßen nun in der Bergenbahn und genossen eine sehr schöne Einstimmung auf die Naturschönheiten Norwegens. Die Bahnstrecke führt auf eine Höhe von 1.300 Meter, und so zog mitten im September eine Winterlandschaft mit Schnee und Eis an uns vorüber. Schneeschutzdächer und Schneezäune ließen ahnen, wie viel Schnee hier erst in den Wintermonaten zu erwarten ist. In dem über 1.200 Meter hoch gelegenen Gebirgsort Finse lag auf dem Bahnhofsdach etwas Schnee, aber wir lasen, dass der Ort im Winter häufig mit Schneehöhen von vier bis fünf Metern fertig werden muss.

Der Bau der 470 Kilometer langen Bergenbahn war Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Ingenieursleistung, was nicht nur an den Höhenunterschieden auf der Strecke lag, sondern auch an den Anforderungen, die das Hochgebirge an den Streckenbau stellte. So mussten 184 Tunnel gegraben werden, bevor die Bahnlinie zwischen den beiden größten norwegischen Städten 1909 feierlich vom König eröffnet werden konnte. Die Fahrt mit der komfortablen Bergenbahn war für uns ein gelungenes „Vorprogramm“ für die Hurtigruten-Fahrt.

An Bord der „Nordnorge“


Die MS Nordnorge liegt fest vertäut am Hafen von Bergen

An Bord der „MS Nordnorge“ verließen wir am Spätabend des 23. September 2011 den Hafen von Bergen in Richtung Kirkenes, eine mehr als 3.000 Kilometer lange Seereise, die uns anschließen zurück bis Trondheim führen sollte.

In Bergen blieb nur wenig Zeit für eine Stadtrundfahrt, denn im Hafen wartete die „MS Nordnorge“ auf uns, die 1997 erbaut wurde und mit 11.384 Bruttoregistertonnen zu den mittelgroßen Hurtigruten-Schiffen gehört. Auf der 123 Meter langen „Nordnorge“ mit ihren sieben Decks finden 457 Reisende nicht nur komfortable, wenn auch recht kleine, Kabinen, sondern auch angenehme Aufenthaltsräume vor. Wer die großen neuen Kreuzfahrtschiffe gewohnt ist und dafür schwärmt, wird vielleicht etwas enttäuscht über die fehlende Shoppingmall und das fehlende Showtheater an Bord der „Nordnorge“ sein. Aber wir hatten uns bewusst für die Fahrt mit einem Postschiff entschieden – und waren sehr erleichtert, dass es wirklich keinen Animateur an Bord gab. Uns boten die herrlichen Natureindrücke und die interessanten Landausflüge in verschiedenen nordnorwegischen Hafenstädten genug zu sehen und zu hören, und „bespaßen“ lassen wollten wir uns auch nicht. Mit dem Slogan „Die schönste Seereise der Welt“ werben die Hurtigruten, wir fanden, dass unsere Reise mit der „Nordnorge“ diesen Anspruch erfüllt hat.

Der Schiffsverkehr entlang der norwegischen Küste hat eine lange Tradition, aber die Hurtigruten als regelmäßige Schiffsverbindung geht erst auf das Jahr 1893 zurück. Damals wurde von dem Reeder Richard With zunächst der Expressverkehr zwischen Trondheim und Hammerfest mit neun Anlaufhäfen aufgenommen. Von da an verbanden die Dampfer sommers wie winters den Norden Norwegens mit dem Rest des Landes. 1914 war die Linie auf die heutige Strecke von Bergen bis Kirkenes erweitert worden, und es gab fünf Abfahrten pro Woche. Seit 1936 fährt täglich ein Schiff von Bergen Richtung Norden und von Kirkenes in die Gegenrichtung.1940 musste der Linienverkehr kriegsbedingt unterbrochen werden. Im Krieg wurden neun der fünfzehn Schiffe versenkt. Deshalb war der Neuanfang schwierig, aber schon 1946 konnte der für das Land so wichtige Linienverkehr wieder aufgenommen werden, allerdings erst von 1953 an mit täglichen Abfahrten. Angesichts von immer mehr Straßen- und Flugverbindungen entlang der Küste geriet die Hurtigruten-Reederei in den 1970er Jahren in eine Krise, die sie überwand, indem konsequent neue, komfortable Schiffe gebaut wurden, die seither jedes Jahr von vielen Tausend Reisenden geschätzt werden. Die Fahrpläne nehmen seither Rücksicht auf die Bedürfnisse von Frachtkunden wie Touristen.

Flagge der Post

Zwar haben die Hurtigruten-Schiffe längst ihre Bedeutung für den Posttransport in den Norden des Landes verloren, aber die Flagge der Post des Königsreichs Norwegen weht weiterhin am Heck der Schiffe.

Die Hurtigruten-Schiffe haben ihre überragende Bedeutung für den Transport von Post und Waren in den Norden Norwegens verloren, aber in jedem der 34 Häfen ist weiterhin eine rege Ent- und Beladung der Schiffe zu beobachten. Und da dieser Ladebetrieb auch nachts erfolgt, empfiehlt es sich, vorab anhand der Deckspläne genau zu prüfen, ob sich die Kabine der eigenen Wahl ganz in der Nähe der Frachtdecks befindet. Hurtigruten weist selbst in seinen Reiseinformationen darauf hin, dass dort auch nachts mit einer Geräuschbelastung zu rechnen ist. Unsere Kabine lag auf Deck 6, weitab vom Frachtbetrieb. Aber trotz des Frachttransports kann kein Zweifel bestehen, dass die Reederei hauptsächlich von den Passagieren aus aller Welt lebt.

Und die Preise für diese Reisen sind so hoch, dass man den Eindruck hat, dass die Reederei davon nicht schlecht lebt. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass alles in Norwegen sehr teuer ist – übrigens auch für all jene Norweger, die nicht über ein hohes Einkommen verfügen. Das hohe Preisniveau wirkt sich auch auf die Hurtigruten-Reisen aus, wobei anzumerken ist, dass alle Beschäftigten norwegische Tariflöhne erhalten. Das ist ein großer Unterschied zu vielen Kreuzfahrtschiffen, die für die Arbeiten im „Schiffsbauch“ viele Menschen aus wirtschaftlich armen Ländern mit sehr niedrigen Löhnen abspeisen. Auch preiswerte „Sonderangebote“ für Kreuzfahrtreisende haben einen Preis, und den zahlen jene Besatzungsmitglieder, die die Passagiere auf dem Promenadendeck nie zu Gesicht bekommen. Für uns und sicher auch viele andere Reisende war es ein beruhigendes Gefühl, dass es eine solche Ausbeutung auf den Hurtigruten-Schiffen nicht gibt. An die Preise für ein Bier oder einen Busausflug muss man sich allerdings gewöhnen und sich immer wieder sagen, dass Norwegen ein teures Reiseland ist. Dafür haben wir auch viel zu bieten, würden die Vertreter der Tourismusbranche sicher betonen, und unrecht hätten sie nicht, wie wir auf der Fahrt ins Nordmeer und zurück feststellen konnten.

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